# 31 / Löcher und Maschen der Erkenntnis

Die weißen Flecken, die unbesetzten Landschaften, das Unbekannte, das noch nicht Erklärliche ist der Ausgangspunkt wie Brücke oder Sprungbrett zugleich, das so noch Nicht-Gesehene, Ungewusste in sprachlich bekannte Bezüge, Kontexte einzuordnen; also in eine eigene Beschreibungswelt zu transformieren, d. h., zu integrieren. Man gibt nicht einfach seinen Sprachraum auf. Die theoretischen Annahmen – erste sprachliche Proben, Spaziergänge ins Dunkle – versuchen, mit alten wortgewandten Maschen das Neue mit gewohnter Weltkenntnis, Erfahrungswelt zu beschreiben. Sie geben daher stets Auskunft darüber, wie sie neue Fragen, ungelöste Probleme (Phänomene) in gewohnte Modelle pressen, erfassen oder einfangen. Sie konstruieren ein Netz um das Problem herum, vernachlässigen mit groben Maschen, dann feiner werdend andere Gründe, Möglichkeiten bis eine Lösung, eine Antwort sich darin verfängt. Diese groben Maschen, Löcher sind anfänglich notwendig, damit Theorien, Annahmen – mit und gegen die etablierte Erfahrung – (im gewöhnten Erfahrungsraum) geltend gemacht werden können. Auch großzügige Raster schränken die Möglichekten von Aussageräumen hinreichend ein, damit die Annahmen innerhalb oder zwischen den Löchern, einen Handlungsraum ermöglichen und ihn damit als vorläufig existent konstituieren. Die Unwägbarkeit des neuen Geländes ist eine Art Prüfung alter Erfahrung: aber sie sind die Bedingung für die Brücke, die über dem unbekannten Sumpf konstruiert wird. Der theoretische Sinn wird „als Behelf zur Überbrückung eines Mangels an formaler Kapazität“1Vgl. Oswald Wiener, in : Schriften zur Erkenntnistheorie, Springer Wien New York, 1996, Rolf Herken im Vorwort, Seite VIII konstruiert.

 

 

 

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