# 50 / Beziehungsplanung (Chronik einer Liebe, I)

Subjekt-Objekt-Schranke: Projektion, Vorstellung als Realitätstest.
Etwas – ein Objekt, einen Menschen, eine Sehnsucht –  sich vorzustellen, impliziert Fehlstellen des Beobachters zum Beobachteten, als füllte man mit Vorstellungen aus, was in der Selbsterklärung von Umwelt noch nicht zustande gekommen ist. Vorstellungen sind gedanklicher Vor-griff aufs noch Nicht-Begriffene, Nicht-Gemachte. Eine Annäherung. Ein Ausdruck mangelnden Kontakts mit dem gegenwärtigen Sein (des Objekts), der Wirklichkeit. Vorstellungen, Annahmen beschleunigen, verformen die Dinge der Lebenspraxis, das Liegengelassene, die unfertige Materie in neue Zugriffs-Formen der Kommunikation. Vorgestellte, synthetische Erfahrung entpuppt sich als Spekulation über den gegenwärtigen Zustand des Objekts, des in Projektionen eingewobenen Anderen. Vorstellungen sind dann der Ausdruck unzureichender Anschlussfähigkeit eigener Erfahrung im Hier und Jetzt mit dem Anderen, aber vielleicht kann ich genau deshalb in der Zukunft anschließen? Eine Vorstellung unterstreicht die Subjekt-Objekt-Schranke zwischen Beobachter und Beobachtetem. Die Vorstellung eines Objekts, über das Objekt, geht über das Objekt hinweg: Jene Frau weiß noch nicht, das ich mir eine Beziehung mit ihr vorstellen kann, aber ich handele und behandele sie nach meiner Vorstellung.
Die Vorstellung über das So-Sein von Maria klebt den mangelnden Kontakt mit Maria – die Nicht-Erfahrung zu. Die Vorstellung wird Maria angeklebt. Die Person Maria wird vor der Erfahrung schon zugerichtet.
Aus einem anderen Blickwinkel ließe sich sagen, dass projektierte Zukunft (Pläne, Wünsche) erst gegenwärtiges Handeln provoziert, was auch heißt, dass eine Praxis in der Gegenwart nur mit Hilfe einer sich zugebilligten Zukunft gestaltbar ist. Also, wie soll man eine Beziehung, eine Familie planen, wenn auf deren Zukunft nicht vertraut wird?

 

 

 

Kategorisiert in: