# 63 / schöne Hüllen platzende Formen

Der Kunst-Geschmack als ein an den Oberflächen orientierter Geschmack verlängert die an den Waren geschulte Vergegenständlichung der Wünsche, Projektionen des Käufers, meiner selbst, um an der mir gegebenen Umwelt, gefallen zu finden. Zuerst soll es glitzern und glänzen und leuchten, und nah nach meinem Bilde geschaffen sein.
Kunst kann zeigen, wie schön sie einsperrt oder freilässt und wie die Umwelt als Eingesperrtsein oder Freigelassensein zwischen formal ausdrückbaren Polen gefiltert werden kann. Schönheit als Neutralisierungsversprechen: Ablenkung.

Was passiert, wenn die Hülle der schönen Form platzt? Wie kann man die kreativen Zerstörungsleistungen in der zeitgenössischen Kunst verstehen?  Der Vandalismus als ästhetischer Akt ist der (menschliche) Ausbruch gegen die entfremdete Dingwelt wie zu sich selbst – ein Bruch mit der Routine. Eine tätliche Entkörperung des inkorporierten weltlichen Vollzugs. Ein Versprechen auf Distanz, das in künstlerischen Formen beispielhaft demonstriert wird. Das unmenschliche Verhalten zur Sache, die vollzogene Entfremdung zur Gegenstandswelt als pragmatischer Vollzug selbst gewählter Lebenspraxis, entspricht dem unmenschlichen Verhältnis, das der Gegenstand (das Produkt der Arbeit) übermächtig auf seine ohnmächtigen Urheber ausübt.1vgl. Karl Marx, in MEW, Band 23, Seite 85, 86 f Entspricht unser Kunstgeschmack dem in fiktionalen Produktverhältnissen hausenden abgeschmackten Verhältnis seiner Entstehung? Benötigt er deshalb transzendentale Bedingungen.2vgl. Niklas Luhmann, in: Schriften zu Kunst und Literatur, „Die Evolution des Kunstsystems“, Seite 271

 

 

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