# 2 / Familie?

Die bürgerliche Familie erscheint als Gefängnis-Modell. Sie hat durch sich selbst am meisten unter sexuellen Übergriffen zu leiden. Vielleicht liegt das an der Enge der Zelle? Ein Zwangsmotor ohnegleichen: Monozelle. Batterie. Klein, eng, verschwiegen. Die äußerste Verlegung der Mit-Täterschaft um das Individuum herum, Laokoon, durch Verwandtschaft, eigenes Blut, familiär beschmierte Bande. Die von Produktion abhängig definierten Familien-Mitglieder werden durch das vorhandene Arbeitsverhältnis ersetzt und diskriminiert, zusammengeschweißt oder zerhackt und als familiäre Funktion in der Produktion mißbraucht. Ausgangssituation. Die Implementierung von familiären Strukturen in Fabriken, Kliniken, Armeen ist zu beobachten wie auch die industrielle Instrumentalisierung der Familie. Einerseits die Spiegelung familiärer Strukturen in hierarchisch gegliederten Arbeitsprozessen, andererseits der einschneidende Zugriff moderner Arbeitsstrukturen auf die Familie, geradezu deren Abbildung in herrschenden Techno-kratien erschwert dem Individuum seine solipsistische Chance, sich tatsächlich einzeln zu fühlen. Die Nutzung familiärer Instanzen im System institutionalisierter Autorität als Abschwä­chung und Vertausendfachung des herrschenden Vaters1vgl. Herbert Marcuse, in: Triebstruktur und Gesellschaft, Suhrkamp, Seite 90, um den Schuldzusammenhang ein- bzw. weiter zu führen, aufrecht zu erhalten und auszubeuten. Eine Instrumentalisierung und Ausbeutung narzisstisch geprägter Defizite kennzeichnet die hierarchischen Verhältnisse. Die ehemals mangelnde Mutter- und Vaterfunktion verfestigt sich und kehrt in gesellschaftlicher rationalisierter Mordgegend wieder. Diese Familisierung gemahnt in der institutionellen Wiederholung an den totgesetzten, tabuisierten und in die Familie eingesperrten Inzest2vgl. Foucault, in: Der Wille zum Wissen, Suhrkamp Verlag, Seite 131, …“Daß die Sexualität ihre bevorzugte Brutstätte in der Familie hat; und daß sie sich aus diesem Grunde >>inzestuös<< entwickelt.“– gerade mit dem über die Familie belegten gesellschaftlich-produktiven Bann. Ein Mißbrauch oder die Selbstliebe aus Mangel an Aufmerksamkeit zieht seine Bahn.
Das gemünzte Leben, ein falsches, um Beziehungen zur Welt zu erhalten und um sie unterhalten zu können, löst die Beziehungen, Verhältnisse zur Welt, zum Fremden auf: zur Nicht-Beziehung, zur Äußerlichkeit. Dialektik und kein Meer. Wir wollen einander kennenlernen. Der Verkehr der Geschlechter (weniger aber in der Familie) ist Umschlagplatz der Utopien, der Versprechen – sie sind sich selbst nur da genug. Nur hier und jetzt: Die Liebenden.

 

 

 

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