201, Das Andere mach ich

Das bürgerliche Ich als sein erstes letztes Experiment für die Entwicklung seiner Autonomie (das ist seine Freiheit) – die (ästhetische) Zerstörung der Experimentieranordnung ist seine gesellschaftliches Narbe, seine Pflicht und sein Fluchtpunkt. Dort, wo es ganz zu sich kommt – voll autonom – isoliert es sich in schönster ästhetischer Zerstörung. Dekadent fürs Außen, für sich: Berufsrevolutionär.

Die Abwesenheit des Anderen zum Ausbruch des Ichs zu ihm hin entwickeln – all der Ausdruck gilt potentiell dem Gespräch mit dem Anderen. Von der Idee eines vom Ich indizierten Ausdrucks-Handwerks gefangen, das sich darin qualifiziert, dass die Bedingungen ästhetischer Zerstörungsarbeit immer wieder neu mit anderen Gesprächen, Stimmen probiert und ausgeschlossen werden können – bis man nicht mehr kann, und der Ausdruck erlöscht.

An etwas denken, Umrisse zeichnen Gedanken vertonen, bedeutet, das Vergessen von sich selbst zu unterbrechen. Der Zerstörung des Ichs durch seine Körperlichkeit gilt es zu entrinnen. Durch den Körper fliehen oder: durch ihn gegangen sein.
Die Brüche sind Programm: Die Sprengung, nicht der Schutt ist interessant. Die Beschäftigung mit dem Schutt sieht dem Bedauern des Vergessens ähnlich; es hat bereits Erinnerungsmaterial fortgerissen.
Die Wirklichkeit des Kunstwerks als Überwindung der Organei begreifen, zeigen können – Form bleibt, Atem geht.

Du hast ein Recht, ‚Ich‘ zu sagen, wenn du aus deinem stinkenden Körper gekrochen bist. Wer das Messer zieht, bekommt eine Chance.
Vollkommen mit den Verlusten.
Reih dich ein:
Deine Zukunft dein Verrat.

Auserwählt
Durch die Treffer in dein Fleisch
Dein Leben markiert,
Geblendet von der Hitze der Konkurrenz.

Ins Nichts hinein spritzen,
Springen/ in die Parabel aus den Brüchen des Ich.
Erkaltet zusammengepresst, fortgerissen
Raum aus Vorzeit. Para.

Die Gesunden, die vom Begehren freien, die Unbrennbaren, die Dauernden, Unmenschlichen.
Das sind die
Keine Welt haben
Nicht für sich suchen.
Menschen ohne Umgebung, wie Formen ohne Differenz.
Ein inwändiges Überfließen des Ich; ohne Einfluß, aber schäumend,
Erfüllt mit staubigem Gewirr.
Seid bereit.
Ort ohne Luft.
Hinter der Blende ist Leere

Angezündete Geschichten

aus Ego und Langeweile

Der Erfüllte zeigt sich nicht,
Bedürfnislos ist er,
Ausgelöscht,
Kennt er keine Zeit.
In einem steifen Zylinder aus Fleisch.
Ein der Fortpflanzung nützliches Bedürfnis, was soviel Geschichte herauspreßt.
Wer ohne Verrat ist, hat keine Zukunft.

Ja die Sterblichkeit: Fäulnis am Leben, um es zu halten, die Sackgassen der Blicke, um in die Dunkelkammer der umstellten Existens ein vergängliches Licht hineinzukämpfen,
Mit meterhoher Schminke.

Man muß den ganzen Kopf hochhalten,
Um ihn am Hals
Abzuschlagen.

Das Recht auf die Privatsphäre
Ist die Mordspflicht in ihr.

Zuerst ist die Freiheit der anderen die Beschränkung meiner Waffen.
Letzte menschliche Reste müssen sich im fortpflanzlichen Ringen verbergen.1„Wir haben den Akt der Entfremdung der praktischen menschlichen Tätigkeit, die Arbeit, nach zwei Seiten hin betrachtet. 1. Das Verhältnis des Arbeiters zum Produkt der Arbeit als fremden und über ihn mächtigen Gegenstand. Dies Verhältnis ist zugleich das Verhältnis zur sinnlichen Außenwelt, zu den Naturgegenständen als einer fremden, ihm feindlich gegenüberstehenden Welt. 2. Das Verhältnis der Arbeit zum Akt der Produktion innerhalb der Arbeit. Dies Verhältnis ist das Verhältnis des Arbeiters zu seiner eignen Tätigkeit als einer fremden, ihm nicht angehörigen, die Tätigkeit als Leiden, die Kraft als Ohnmacht, die Zeugung als Entmannung, die eigne physische und geistige Energie des Arbeiters, sein persönliches Leben – denn was ist Leben [anderes] als Tätigkeit – als eine wider ihn selbst gewendete, von ihm unabhängige, ihm nicht gehörige Tätigkeit. Die Selbstentfremdung, wie oben die Entfremdung der Sache.“ Karl Marx, in: Ökonomisch-Philosophische Manuskripte, MEW, Ergänzungsband Erster Teil, Schriften bis 1844, Seite 515 f Ein Mahlstein in der Vertierungsmühle.
Jeder Kuss saugt aus den Lippen unsere Möglichkeit.
Die Strangulierung letzter Glücksanspruch des im Tode Erigierenden.