# 10 / miese Jobs, Zeit & XING

Miese Jobs: Die in der Herstellung von Waren aufgewendete Zeit, ist die dem Arbeiter, der Werktätigen oder sonst wie Arbeitskraft verkaufenden Menschen verloren gegangene Zeit – im Leben fehlende Zeit – sie ist dem arbeitenden Menschen abgezogen. Man schmeißt ein Pensum Zeit für Andere – Produkte, Waren, Personen – weg, um ein Stück für sich zu haben. Sozialer Austausch zwischen den Angestellten, Arbeitenden, Freelancern folgt der Zeit-Struktur der Arbeitsverhältnisse. Die Zeit, die jemand braucht, um z.B. zu essen, oder der Zeit-Bedarf von menschlichen Kommunikationsintervallen passt sich der vorgegebenen industriellen Strukturierung persönlicher Verhältnisse ein. Man produziert nicht nur seine Zeit für die Anderen, sondern der soziale Raum wird von Arbeitsverhältnissen –und Strukturen  okkupiert oder wird durch die Abhängigkeit zum Arbeitsverhältnis diskriminiert. Es werden Freundeskreise nach Berufsgruppen bestimmt. Ich beobachte Individuen im ständigen Zurückweichen vor den Besetzungen ihrer angestrebten bzw. gewohnten Lebens-Räume. Hiermit findet eine Kontigentierung ihrer sozialen Zeit- bzw. Lebensräume statt, als ein Vorantreiben ihrer vakanten Existenz. Eine Art unendlich verlangsamte aber ständig vor Augen geführte Verengung, Verstopfung und Veräußerung eigener Lebensräume bis zur sozialen Begegnungsarmut. Trennungsangst, die Angst sozialen Kontext zu verlieren, beschreibt den drohenden Verlust der gesellschaftlichen Basis des eigenen Lebens.1„Die Zuwendung des Anderen wirkt entängstigend, ist für die Entfaltung eines Selbst unabdingbar. Nur als >>animal social<< ist der Mensch lebensfähig.“, Hermann Lang, in: Zur Pathologie der Angst und Angstverarbeitung, in: Das Phänomen Angst, Pathologie, Genese und Therapie. Hrsg. Hermann Lang und Hermann Faller, stw 1148, Seite 125Die neoliberal geforderte Performance der Persönlichkeit zugunsten einer Massen-Markt affinen Abhängigkeit, Selbstzerstörung durch Arbeit und Konsum, zeigt sich besonders in der narzisstischen Kollektivierung sozialer Medien.  Ein beängstigender Prozeß der Funktionalisierung von Beziehungsverhältnissen höhlt die Menschen aus. Der trotzige Versuch gerade durch ein enges Beziehungsgeflecht dieser Situation zu entkommen – sich mit diesem dichten Netz aufgefangen zu wissen, schlägt fehl, weil die anderen Netzpunkte denselben Bedingungen unterworfen sind. Die Niederlage gewöhnt uns an den Realismus. Und:

2realism habituates us to defeat, Fotoanimation, 2008, Hans Georg Köhler

 

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