217, Sex: private Prostitution als instrumentalisierte Kopulation

Sex & Industry
Das Geheimnis, die Intimität der privaten körperlichen Lust wird im entsozialisierenden kapitalistischen Entkörperungsraum zur Ware vergegenständlicht – kapitalisiert – zum käuflichen Produkt (Angebot) wie zum technischen Vorgang des Kaufaktes funktionalisiert. Das Begehren wird Instrument einer warenförmigen Transformation in Sex-Produkte und somit allgemein zugänglich als warenförmige Projektion möglicher Ersatz-Befriedigung. Die Privatisierung des öffentlichen Raumes durch die medial vernetzte Veröffentlichung, Entblößung des Subjekts führt zur Auslöschung der Privatheit, die zugunsten ihrer ökonomischen Verfügbarkeit virtuell ermöglicht wird. Es geht um die warenförmige Besetzung und Ausbeutung sinnlicher Bedürfnisse. Wünsche werden Produkten eingemeindet,  Bedürfnisse zur passenden Ware transformiert, angepasst: Kunde ist König oder Königin, aber über welches Reich? In dieser warenträchtigen Transformation werden Lippen aufgespritzt, die Schamlippen Prostituierter angehoben, oder andere körperliche Funktionen technisch zugänglich gemacht – Häute, Brüste, die Ärsche der Prominenten usw.1Artikel in Süddeutsche Zeitung vom 21.09.2004 „Schönheits-Operationen“ Die Auslöschung des privaten Sexus durch dessen permanente warenförmige  Vorwegnahme in sozialen und televisionären Kanälen kompromittiert dessen Fleisch. Die menschliche Lust wird auf genitale Organe erniedrigt, so dass schließlich Lust und Organ zusammenschmelzen; sie fallen in sich als Produkt zusammen. Inhaltlich ist nunmehr der Samenbeutel oder die Tiefe des Ausschnitts Messlatte des Erotischen. Die Marketingabteilungen haben längst erkannt, dass mit der Lust der Menschen immer zu rechnen ist. Der Mensch wird in seine animalische Natur zurückgetrieben, um seine Natur als Rohstoff zu verwerten. Der eigene Körper ist längst abhanden, ausgetrieben worden und man muss mit den Zombie-Waren-Körpern klar kommen, die fickend über dich ausgekippt werden.
Das sexuelle Verhalten als Verhältnis zu anderen, worin das Subjekt seine Menschlichkeit ausdrückt. Der körperliche Vollzug der Lust soll eine menschliche Brutstätte, eine monadische Kapsel außerhalb sexueller Normierung warenförmiger Welt sein. Das lustvoll liebende Ich ist für einen kapitalen Markt unzeitgemäß.