216, Bewusstseinsprodukt als Marktprodukt

Der sozial agierende Mensch macht sich zum Gegenstand und Mittel seiner (gesellschaftlichen) Betätigung ausgehend von seinen vorgefundenen (gesellschaftlichen) Bedingungen und ebenso versucht er, sich als Gegenstand/ Mittel, sich als soziale Gegenständlichkeit begreifend, gegen die ihn selbst bedingenden gesellschaftlichen Bedingungen zu streiten oder für sich durchzusetzen und zu nutzen. Der gesellschaftlich bedingte Mensch ist daher sein eigener Gegenstand wie soziales Medium seiner Betätigung. Seine Bedingtheit – das ist seine Abhängigkeit vom sozialen Raum, in dem er lebt – erzeugt zugleich die Bedingungen seiner Lebensäußerungen. In der existentiell gelebten sozial normativen Form des eingerichteten Menschen erscheint ihm seine ihm ähnlich sehende menschlich-gegenständliche, sozial funktionale Einordnung, seine gesellschaftliche Anpassung als habituierte Bestätigung seines gesellschaftlichen Daseins. Aber es ist seine durch Anpassung losgetretene Enteignung, seine an ihm selbst bis zur Blutleere geführte Annexion durch die gesellschaftlich normativen Systeme. Das durch Anpassung abgespaltene Enteignete des Menschen steht ihm im gesellschaftlichen Verkehr als ausgelagertes Waren-Angebot seiner abgetretenen Wünsche gegenüber. Alles in den Schaufenstern oder Portalen ist ein Ersatz für das, was dem begehrenden Menschen nicht mehr gehört, was er hergeben musste. Partizipation als Selbstauslöschung.1Vgl. Chris Dercon, in: Monopol 7/2010, Seite 52 Die Aneignung von Gegenständen, Bedeutungen durch warenförmige Realitäten – als produktmächtiges, sinnlich-gegenständliches Verhalten zur Welt – führt zur Vergegenständlichung des Menschen. Das Material seiner Ich-Betätigung ist ihm gesellschaftlich als Produkt vorgegeben: nämlich das Ich als durch die sozial-mediale Allgemeinheit vermitteltes Produkt-Ich. Es bewegt sich in einer schon von ihm ausgesaugten, verlorenen Landschaft: das Individuum ist zum Material für sein Sein geworden. Material statt Bewusstsein. Das Ich wird sich selbst nur wiedergegeben als Käufer individueller Projektionen auf eine gesellschaftlich vermittelte Produktwahl.  Dieses Individuum ist ein vergegenständlicht Weichgekochtes.2„Allein auch wenn ich wissenschaftlich etc. tätig bin, eine Tätigkeit, die ich selten in unmittelbarer Gemeinschaft mit andern ausführen kann, so bin ich gesellschaftlich, weil als Mensch tätig. Nicht nur das Material meiner Tätigkeit ist mir – wie selbst die Sprache, in der der Denker tätig ist – als gesellschaftliches Produkt gegeben, mein eigenes Dasein ist gesellschaftliche Tätigkeit; darum das, was ich aus mir mache, ich aus mir für die Gesellschaft mache und mit dem Bewusstsein meiner als eines gesellschaftlichen Wesens“ Karl Marx, in: Ökonomisch-Philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband 1, S 538 Verankert im „individuellen Charakter“ von Massenprodukten.

 

 

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