# 6 / Techne

Der Herstel­lungsprozess eines Kunstwerks als hoffnungsvolles Sinnbild humaner Produktions-Ästhetik hat sich nicht erübrigt. Das Künstlerische am Werk ist Entschlossenheit zum humanen Gebrauch seiner Formen – auch seiner Produktionsformen. Die Angabe einer technisch bestimmten Herstellungsweise sollte für das Kunstwerk nicht entscheidend sein, sondern seine ethischen Prämissen (als Vollzug humaner Methoden der Produktion). Der Begriff künstlerischer Technik ist irreführend,1Vgl. Martin Heidegger, Die Frage nach der Technik, in: Gestalt & Gedanke (Die Künste im Technischen Zeitalter), Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 3. Folge, 1954, Seite 70-108weil jedwedes Handeln als technisch beschreibbar ist und in der Kunst ist technische Verfertigung von Material immanent. Die Technik ist kein Subjekt und hat kein Eigenleben, sie ist eine Verlängerung von uns selbst und entsteht unmittelbar im künstlerischen Prozess. – Wiederum sind technische Vorgänge für die künstlerische Formgewinnung ergiebig. Das künstlerisch motivierte Produzieren ist weniger an technischer Strukturalisierung seiner Produktionsmethoden interessiert – vielmehr an der Produktion nur, insofern sie komplexen Bedeutungsraum baut,2Vielmehr in der Richtung von: Bedürfnis nach Bedeutung schaffen. Marketing in der Kunst bestünde in losgelöster Schönheit, zugänglichem Verständnis (für Jedermann). Ideale zu erzeugen, an denen sie sich abarbeiten kann. In alle Richtungen ohne feste Richtung zugleich (keine Zielgruppen).also Spielwiesen von möglichen Kontexten entwirft. Braucht künstlerisches Handeln technische Gewißheit, um seinen Bedeutungsraum abzusichern? Nein! Man durchschießt ja gerade mit/ in der Kunst die gewohnten Erfahrungskontexte, indem die technischen Möglichkeiten in einen anderen – wieder erfahrbaren – Rahmen gesetzt werden. Ein Hochofen kann deshalb als ästhetisches Objekt entdeckt werden, der malochende Arbeiter entwickelt seine Tätigkeit zur Choreografie. Im Gegensatz zur Industrie: Das Schwein ist Verwertungsobjekt aus Fleisch, Fett, Knochen und Borsten. Die Herstellung empirischer Gewißheit dient hier als Voraussetzung der Beschreibbarkeit und Rationalisierung der Welt. Rationalisierung von Bedeutungszusammenhängen = Schrumpfung von sinnlich erfahrbaren Kontext.

 

 

 

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