191, Tourismus als Terror


Eine analoge Fotocollage aus negativ belichteten Leichenbergen des KZ Auschwitz und einem Schnappschuß am Strand von Warnemünde – ca. 2006. Foto: Hans-Georg Köhler

 

Die temporäre Befreiung des vom Arbeits- und Lebendrucks bedrängten Subjekts, indem es ästhetisch in organisierten Reiseveranstaltungen, im Massentourismus gesättigt wird. Wie?
Die Befreiung vom Gefängnis der Entfremdungsmaschinerie, vom Realitätswiderstand – denn was anderes ist Wirklichkeit als der dem Subjekt gesetzte Widerstand – in Form einer Kreuzfahrt zu den Eingeborenen, läuft auf die Zerstörung des Reiseziels hinaus. Die total und vollständig geplanten Reiseveranstaltungen entwickeln in ihren entmündigenden Planungsstrukturen den Moment der Mobilmachung. Die ehemals vorgestellten Reiseziele sind solipsistische Palmen im entnaturalisierenden Prozess der Vernutzung des Reisematerials geworden; die Natur hat Warencharakter erhalten. Der erzielte Mehrwert der Reiseverkäufer entspricht auch hier dem (touristischen wie terroristischen) Raubbau der jeweils verhöckerten Natur- und Kulturlandschaften. Der Reichtum oder der bezahlbare Urlaub ist überhaupt möglich, weil ungesühnter Diebstahl – dieser Zusammenhang bleibt dem bürgerlichen Blickwinkel verdrängt verborgen – am angepriesenen Reise-Gut zur Ware geworden nun rechtskräftig, im Tauschwert vergegenständlicht, durchgeführt wird: schließlich ist bezahlt worden. (Für die Erlaubnis, nicht nachdenken zu müssen und töten zu dürfen.) Die Veranstaltung – als veranstalteter Raubüberfall auf Ethnien, Natur und Attraktionen – wird bezahlt, nicht die verbrauchte Natur. Die zeitweilige Ablösung von abhängigen Lohnverhältnissen bricht sich in der Auflösung fremder Paradise, Vernichtung indigener Kulturen Bahn. Die Zerstörung des Menschlichen hier, schlägt da auf die touristisch aufbereitete Natur durch.
Der Ferne (das Fremde, das Versprechen des Anderen, die erhoffte Natürlichkeit) wird eine Grammatik scheinhafter Erlösung unterstellt. Es ist der Regenbogen über’m Fließband.

Wie schön:
Auch die ferne Insel
Auf dem Foto
Vom Überfluss riesiger Wellen
Verschluckt
Ist dein Land
Gibt es nicht mehr.
Gib es nicht her.