220, Bild malen und Bild verteidigen

Die Bedingungen der Möglichkeit ein Bild zu malen: aus Neigung, aus biografischer Exposition, wie auch immer existentiellen Bedürfnissen oder aus der puren Möglichkeit heraus, selbst die Gründe wählen zu können, ein Bild zu malen, kollidiert irgendwann mit sozialen Bedingungen, es unter diesen Bedingungen herzustellen – mehr oder weniger. Die Schwierigkeiten, einem Bild sozialen Sinn zu leihen, es bekannt und zugänglich zu machen, d. h. auch: sozialen Raum zu geben, folgen daraus. Die Bedingungen der künstlerischen Arbeit sind realistisch (sozial real) ihre Möglichkeiten utopisch. Die Herstellung und Verwertung der Kunstwerke wird auf noch nicht realisierte Möglichkeiten projiziert oder zumindest Zufälligkeiten (bzw. wahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeiten) überlassen. Die zumeist prekären Bedingungen der Herstellbarkeit und Ausstellbarkeit von singulären Artefakten als soziale Praxis von Lebensvollzug begriffen, sind der immanente Gegenpol eines künstlerischen Lebensentwurfs (gibt es das überhaupt?), der naiv mit seiner Lebenserhaltung rechnet. Wie soll das Kunstmachen sozial bestimmt sein, wenn es von prekären Bedingungen der Herstellbarkeit bedingt wird? Die Herstellung Guerilla-like und das Produkt preisverdächtig? Warum ist der ästhetisch-ethische Weltvollzug unabdingbar für das Künstlerleben, trotz das es sich dem Verdacht des Exhibitionismus, gar Narzissmus aussetzt?