283, Ware Zukunft
Das Heilsversprechen, dass die Zukunft menschlicher als das Heute sei, hat sich in das kapitale Versprechen einer Gegenwart, die als eine >>schönere Welt schon heute<< angeboten wird, verdreht. Das zukünftige Szenario macht Erschrecken und hat abschreckende Wirkungen. Jetzt soll alles verramscht werden. No futur! – Was ehemals vielleicht eine trotzige Reaktion auf den Abbau/ Raubbau von Welt und auf das janusköpfige Ansparen der Rente war, ist nun das Treibmittel für konsumtiven Verbrauch geworden; was an den Folgen solchen Handelns nichts ändert. Um das Jetzt zu beschleunigen, die alte Ordnung zu erhalten. Das drückt aus, das alles Gegenwärtige in/ mit seinen Umwälzungen kämpft. Die ständige Zirkulation ist bedrohlich dadurch, dass die Zukunft und der gegenwärtige Mensch auseinander getrieben werden. Sein verstandesgemäßes Verhalten wird gegen sein ihm biologisch angeknüpftes Verhalten gewendet. Sein tiernahes Verhalten – in der Sorge um seinen Nachwuchs, seine Nachkommenschaft – als seine menschliche Poesie, geht verloren in der Abschaffung seiner Natur, Umwelt. Das Kommende wird ausgeschrien, verkauft als Abwesenheit alles Alten. Die begrifflich und wirtschaftlich prognostizierten Aufladungen der Zukunft arbeiten im Niemandsland der Geschichte, aber sie sind ein (Werbe-) Instrument der Steuerung und Besetzung. Noch nicht geschichtlich faktisch, weil nur als zukünftige Planung, wird die Drohung als Geschichte machend dargestellt, d. h. sie wird verkauft – in den Waren des täglichen Bedarfs. Die befürchtete Zukunft wird selbst zum Verdrängungsbegriff unserer Geschichte.
Unsere menschliche Zukunft wird jetzt aufgebraucht. Sie ist ein Marktplatz am heimischen PC, zu dem jeder Zugang hat.