Koma

Vor Ort

Da ist was. Ich kann es sehen. Im Kopf. Mächtig, brichts mir die Knochen. Nicht auszuhalten. Und habe den Hammer in meiner Hand. Was machst du hier? Ich kann selber alles sprengen. Ein Fieber und tanze mit der Kamera HD you know? Alles soll die Luft schneiden und würge meine Worte sind Därme in mich hinein platze heraus. Spinnenfäden vom Zungen­grund. Ein kurzer Schrei in der Kehrmaschine, die alles aufsaugt vom letzten Jahr: die Zeit den Müll und mich nicht vergisst. Jetzt fühl ich die Welt Jobs Einkäufe Networkschimmel Motoren­geheul. Ich wiederspreche und hacke die verlorenen Stunden losen Häute ab: klack, klack, klack bis die Tür aufgeht. Eingetreten.
In dunkler Nacht in den Turm geworfen. Erbrochen von mir. Und was da lag, war ich. Groß wie eine Krankheit Verkehrsschilder Anamnesen Theorien. Von steinigen Labyrinthen komm ich her. Vom stumpfen Meißel bin ich aufgewacht.
Eigentlich muß ich hier raus. Es sind zu viele. Ich habe versucht, mich einzurichten, wie ihr gesagt habt und die Zeilen brav gelesen. Jeden neuen Entwurf habe ich angezogen, jede Kommunikations­pille geschluckt. Die sich auftürmenden Alphabete/ Hände/ wuchernde/ Kontexte, so viele, aus jedem Spalt kriechend, überbordend – wer kann das fassen – verformen mich beim Lesen Essen. Jede These, jeder Blick erzeugt eine neue Ebene, und die Druckmaschine liefert das nächste Stockwerk aus. Ich sitz im Fahrstuhl und komme nicht an: Unten. Im Rausch zeichne ich die Etagen. Ideen wie Maden kriechen aus meiner pergamentenen Haut. Vielleicht bin ich dieser Fahrstuhl, auf den sich diese Textmaschinen beziehen? Wollen die auch mitfahren, um aus ihrem Dschungel raus zu kommen? Haben die kein Fleisch mehr? Noch sind sie nicht drin. Früh genug war ich als Leser ihrer Worte angesprochen, ihr Experiment zu sein: ein verwertbares Subjekt. Raus hier ichmußmichretten, bevor ich der Behandlung übergeben werde: kalt. Die Rezipienten warten schon. Bisher war ich die stumme Figur, flach wie ein Bild. Ich trete heraus und falle in einen endlosen Schacht eines stetig wachsenden Gebäudes. Moment. War das mein Geschoß? Wohin, wie weiter? Ist es nach der Hälfte vorbei? ES GIBT HIER NICHTS zu teilen. Keine gelben Birnen und keine wilden Rosen. Kein Wimpernschlag eine Chance. Zu langsam! Arschloch. Streich dich durch. Friss deinen Vorrat. Du brauchst ihn nicht mehr. Das letzte Massaker heißt Amphetamin meine letzte Menschheit ist ein Scheuerlappen im Blut mein Dreck.
Hallo?
Ich will mit ihnen reden! Ich bin der aus dem Bild und kann sprechen. Ab jetzt! Sehen soll Stimme und ich will mein Wort sein. Niemand soll durch Starren zwingen, keiner meine Öffnungen stülpen. Mein Dreck ist mein Licht und ich sehe einen Riesen Haufen Farbe und Text, der mich zerdrückt. Wo ich erfasst werde, bin ich getroffen, zerreißen mich die Kleider, die ich trage. Ich flüchte ins Magazin und bin der Schuß. Was in der Anweisung steht, muß ich vergessen. Jetzt. Hier!  Und nehme Platz auf meiner Zunge … und werf sie weg!

1snapshot, Video „Koma, vor Ort“, 2015, Rechte bei Hans Georg Köhler