248, Arbeit und Physis

Das „bis zum Umfallen arbeiten können“ beschreibt die erzwungene Strukturierung des Lebens als positive Transformierung von Ausbeutung körperlicher Ressourcen. Umfallen ist Ankommen: im Körper – an seiner Grenze. An der renze des menschlich physisch Aushaltbaren wird die Physis zur menschlichen Haltung: als Arbeitsmoral schön geredet bis zur ambivalenten Regulierung der Arbeitskraft in technokratischen Planungen von Produktionsprozessen und im modernen Leistungs-Sport. Die zur Schau gestellte Fitness ist der individuell geschmückte Korken über dem Geist der industriellen Abnutzungsorgie. Wo Menschen nur im Licht der Physis betrachtet werden – die menschlich-animalischen Parameter der Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Differenz zur geforderten Performance am jeweiligen Arbeitsplatz –, erscheint er mehr oder weniger als triviale Maschine,1vgl. Heinz von Foerster, in: Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke, hrsg. von Siegfried J. Schmidt, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1993, Seite 206 f und 245 f als Norm der Tüchtigkeit. Aufopferung gilt als Tugendhaft. Der Bodybuilder ist in dieser Hinsicht schon weit seinem Körper entfremdet, wohnt und richtet sich in seiner physischen Maschine ein: determinierbar über physikalische Parameter.

Ich sah diesen Menschen auf der Straße liegen als ich aus meiner Haustür ging. Ich lief zurück in meine Wohnung, holte die Kamera und machte dieses Foto: inmitten von Ohnmacht und Verrat. Foto: Hans-Georg Köhler, Mitte der 90er Jahre.

 

 

 

 

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