290, Paranoia und Schwurbel III
Der Handel mit Mutmaßungen über das So-und-so-Funktionieren einer ausgemachten Realität, des urteilenden Herrschens über Situationen oder deren Einschätzung als einzig realistisch mögliche, zeigt als Anmaßung zwei Seiten: als die Mutmaßung über die Standpunkte der anderen gegen den eigenen und als Standpunkt gegen die Standpunkte der anderen. Das Zwingende dieser pathogenen Rationalität des Paranoikers wächst zum Wettbewerb des sich gegenseitig etwas Aufdrängens von gemeinten Weltsichten – jeder weiß es besser. Es scheint Kontrolle zu suggerieren, wenn den anderen Menschen mit der eigens zugemuteten Einsicht in die Weltzusammenhänge zuvorgekommen werden kann. Das hat zur Konsequenz, dass das zwanghafte Handeln des Paranoikers, der die Umwelt eigenmächtig und eigenartig interpretiert, auf ihn selbst zurückfällt. Die soziale Umwelt wehrt die Verdächtigungen gegen sich ab und isoliert zunehmend die paranoide Intrige: Was desto mehr die paranoiden Unterstellungen gegen diese – anderen – sozialen Umwelten bestätigt. Die empfundene soziale Ausgrenzung – ist das nicht der Beweis, dass die anderen keine Ahnung haben? Längst also ist der unter seiner Vorstellung überzeugte wie leidende in seiner Selbstpropheterie gefangen.