224, mediale Maschinen und digitalisierte Produktbürger

Die in den medialen Maschinen wie TV, Facebook, Instagram, Tiktok und in anderen sozialen Medien angebotene und durch das Publikum selbst bereit gestellte Kommunikationsmasse von Informationen werden in Unterhaltungs-Produkte aufbereitet, zerlegt, durch Werbe-Blöcke interpunktiert und von Werbefirmen bzw. Datenfirmen bezahlt. Das, was reproduzierbar gemacht werden kann, ist produzierbar. In wiederkehrenden Narrativen wie zum Beispiel einfältig unschuldiger Katzenvideos, mit leichten wie inszenierten Momenten emotional getriggerter Privatheit – wird informativer Kontext zu einem neuen Produkt reformuliert, zur Soap geflickt und runter gebrochen. Die versprühten Themen machen den Betrachtenden zum willfährigen oder angewiderten Konsumenten – angreifen kann er kaum. Die entsinnlichende Parallelisierung von allgegenwärtigen Nachrichten-Konsum zum abstrakten Schicksal der Protagonisten findet statt. Vom Content entfernt, von Werbung umstellt, wird der möglichen – individuellen – Geschichte nicht statt gegeben. Die Industrie-Brüders arbeiten mit dem Besteck ihrer unternehmerischen Freiheit am „schwindenden Sinn für eine gemeinsame Wirklichkeit“1Louis Wirth, in: Vorwort zu Karl Mannheims Buch „Ideologie und Utopie“, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main, 8. Auflage 1995, Seite XXI,  damit wir das gemeinsame Medium bidirektionaler Kommunikation, unsere Erfahrungen auszudrücken, verlieren.2vgl. Louis Wirth, in: Vorwort zu Karl Mannheims Buch „Ideologie und Utopie“, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main, 8. Auflage 1995 Seite XXI Es entsteht durch diese Scheidung das digitale Niemandsland der individuellen Geschichte. Parzelliert, auseinandergerissen, stopfen wir unsere Hirne mit Trash. Es bleiben verhackstückte Ebenen käuflich zu erwerbender Wahrnehmung: das Produkt – als ästhetische Akt – der Wahrnehmung blutet in die Kommunikation des Produkts aus und wird zur Hieroglyphe, die die sinnliche Konstitution oder Betätigungsweise des Menschen zuschüttet. Der Kampf hat längst begonnen: Wenn wir vom kapitalen Narzissmus wegkommen, können wir die „Lücke“ ästhetisch-ethisch füllen.

 

 

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