235, Konstruktion und Täuschung: Träumen

Was für eine Mühe, die einmal den eigenen Lebensumständen zugestandenen Konstruktionen des Wahrnehmens zugunsten unbekannter, neuer Wahrnehmungsgegenstände aufzulösen – als wären sie eine Täuschung.
Sich menschlich zu enttäuschen, das alte Gestrüpp abzulegen, die vorhergehenden Erfahrungen als Täuschungen zu akzeptieren, ist vernünftig. Wie ein Erwachen. Der Traum ist noch da, aber ich träume nicht mehr.

Da schob sich quer über den Horizont ein breiter dunkler Streifen zum Ufer hin, wo ich stand. Eine ungeheure Welle sammelte sich, begleitet von einem neuen Geräusch, ein rhythmisches Flackern im tiefen Bass, kam näher und näher, höher und höher. Alle flüchten, ich versuche mein Laptop von der Hauswand zu lösen: Es ist mit mehreren Fäden angebunden, meine schwarze Tasche liegt schon halb im Wasser, ich muss fliehen. Wohin? In der Scheune haben sich einige vor der ankommenden Flut verkrochen. Ich sehe genau hin: Das Mauerwerk ist nichts mehr wert. Die Scheune wird in den Fluten untergehn. Kurz entschlossen, von Panik ergriffen lasse ich das Laptop sein, die Tasche liegen und renne eine lange Treppe abwärts bis zu einem Mauervorsprung. Ich blicke zurück, sehe die Sintflut langsam kommen, warte, dass sie die Scheune wegbricht. Eine unendliche Zeitlupe der mächtigen Welle beginnt, ein weißer Schaum ohnegleichen – bis ich erwache.