253, Extreme und Extremitäten – Der Körper als sein Phänomen


Link (youtube) zu meiner Performance „Bildbesteigung Zeus Ego 3 für alle“ in der Galerie Andrieu Berlin, 2008, © Hans-Georg Köhler

 

Die gliedmaßigen Gesten sind ein äußerstes Moment des Körpers, sie sind seine Extremitäten. Das auf den Körper Einströmende: der Atem, die Landschaft, das Stolpern, der von ihm ausgewichene Stein wird von ihm als Reaktion nach außen in seinen dadurch eroberten Raum bewegt: Aus der Wahrnehmung wird Wahrgenommenes zum Ausdruck seiner Extremitäten geformt. Beine Arme Hände als Körpersprache: Der Körper spricht zu sich selbst, indem er sich aus-spricht – aus sich heraus bricht: In den Raum hinein. Wie der Glanz der Augen beim Betrachten des von ihnen Gesehenen zum Ausdruck bringt, was gesehen wird, und wieder der Welt den Eindruck der Augen zeigt, so dass die Welt sieht, dass diese Augen ihre Welt sehen: mit Glanz und Freude oder leer und entrückt.
Dieses Sprechen ist über das Gesprochene an den Aus-Sprechenden geklammert: Als sensomotorische Schleife. Auch das Hören seines Sprechens versichert dem sprechenden Körper selbst die eigene Präsenz im Hier und Jetzt: Er hört, sieht und fühlt sich. Der sprechende Körper kommt (nicht nur akustisch) von außen auf sich selbst zu – braucht sich als selbstproduziertes Andere, auf das er reagieren kann. Er ist sein eigenes Instrument.1„Der Körper ist das erste und natürlichste Instrument des Menschen. Oder genauer gesagt, ohne von Instrument zu sprechen, das erste und natürlichste technische Objekt und gleichzeitig technische Mittel des Menschen ist sein Körper.“ Marcel Mauss, in: Soziologie und Anthropologie, Band 2, Sechster Teil: Die Techiken des Körpers, Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1989, Seite 206  Was als akustisches, taktiles oder visuelles Phänomen nach Innen kommen konnte, das Um-ihn-her tritt dem Körper entgegen, irritiert – perturbiert2Zum Begriff der Perturbation siehe Humberto R. Maturana, in: Zur Biologie der Kognition, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1990, Seite 44, 335 und Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela, in: Der Baum der Erkenntnis, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 6. Auflage 2015, Seite 44 und Fritz B. Simon, in: Meine Psychose, mein Fahrrad und ich, Carl-Auer-Systeme-Verlag Heidelberg, 5. Auflage 1995, Seite 81 – ihn: als permanent wahrgenommene wie von ihm interpretierte Differenz zu ihm/ sich selbst. Der Körper nimmt Signale aus der Welt heraus, um seine zu verteidigen. Der Körper ist (von sich selbst) eingenommen im von ihm selbst konstruierten Vollzug der wahrgenommenen Erscheinungen (Phänomene). Die Kontakte mit der Welt provozieren seine Eingriffe in seinen Körper, der seine Welt ist – wenn er es will.
Die in den Körper eindringende Straßenkreuzung, der U-Bahn Nervenstrom, die in den Gehörgängen fahrenden Autos, der Lärm die Blume wird körperlich erfahren, als zum Körper dazugehörig empfunden. Jetzt langen die Arme der Autobahnen nicht mehr nur durch den Körper hindurch – mit dem Körper werden es seine autobahnigen Arme, jetzt spürt er die Reifen, die Flugzeuge, die Motoren als seine eigenen. Die Welt ist mein ein Körper – meine Insel, ich betrete sie am Rand der Hemisphären.


Videostill zu meiner Performance „Bildbesteigung Zeus Ego 3 für alle“ in der Galerie Andrieu Berlin, 2008, © Hans-Georg Köhler

 

 

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    „Der Körper ist das erste und natürlichste Instrument des Menschen. Oder genauer gesagt, ohne von Instrument zu sprechen, das erste und natürlichste technische Objekt und gleichzeitig technische Mittel des Menschen ist sein Körper.“ Marcel Mauss, in: Soziologie und Anthropologie, Band 2, Sechster Teil: Die Techiken des Körpers, Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1989, Seite 206
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    Zum Begriff der Perturbation siehe Humberto R. Maturana, in: Zur Biologie der Kognition, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1990, Seite 44, 335 und Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela, in: Der Baum der Erkenntnis, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 6. Auflage 2015, Seite 44 und Fritz B. Simon, in: Meine Psychose, mein Fahrrad und ich, Carl-Auer-Systeme-Verlag Heidelberg, 5. Auflage 1995, Seite 81