276, Kunst und Behörde

Kunst zu machen, entspringt realen Bedingungen sozialer Partizipation, aber oft wird ihr partizipatives Versprechen gegen die „individuelle“ Kreativität ausgespielt und im Kunstmarkt verramscht. In diesem Diskursfeld schrumpfen wir Künstlerinnen zur anspruchslosen Kleinheit, die an die Gegenwehr keine Ansprüche mehr stellt. Von den Widersprüchlichkeiten ermüdet, entsteht keine „große Verdichtung“, die ein ausdrucksstarkes Sterben im Überleben verspricht. Der kompromitierte und sich komprimierende Mensch überläßt damit seinen Teil an der Welt den Bestattungsinstituten. Vergessliche Nachgesänge. Solang der Mensch schrumpfem kann, dient die Schrumpfung ihm zum Versteck und er kann die Bewegung des Rückzugs halten. Ein Versteck in der antizipierten eigenen Leiche, von „der Gnade der Entkörperung“1„Solche Idylle, die doch ans Glück der Rauschgifte mahnt, mit deren Hilfe in verhärteten Gesellschaftsordnungen unterworfene Schichten Unerträgliches zu ertragen fähig gemacht wurden, (…) Im besten Falle wäre es die Absenz des Bewußtseins von Unglück.“ Adorno, Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Fischer Verlag, Seite 70 getragen, weil die menschliche Verkörperung mit allem Lebendigen scheiterte. Solche Menschen haben sich in ihre Behauptungen zurückgezogen. Ihr Rückzug ist ein Weg ohne Ankunft. In dieser Selbstzerstörung durch Selbstbehauptung löst sich gerade auf, was gerettet sein soll. An dieser Stelle ist es zu spät, die letzten Reste herzugeben, um die letzten Reste zu retten. Die sehnsüchtige Flucht in Liebesverhältnisse, Affären aller Art mit Objekten aller Arten – im neuen Schicksal dem alten zu entgehen – findet in der Hundehütte ihr Ende; dem Bürger sei es ein Palast, eine Filmlänge lang. Der Rückzug des Ich-Zentrums aus der Welt löst es nun auch auf, übergibt es den Behörden. Das Ich wird zu Verwaltungvorgängen ausgebaut. Auf dem erzwungenen Rückzug stellt sich das so gehetzte Ich gegen seine immanente Selbstreflektion, denn nur Blindheit ist nötig, um durchzukommen. Was ist das Selbstreflexion anderes als die Fähigkeit, Differenzierungspunkte mitten im Sich gegen die Umwelt zu schälen und fest zu legen. Das Künstler-Ich treibt Keile in sich hinein, begibt sich in schizophrene Zwangslagen. Es zieht sich auf seinen innerkörperlichen Raum für sich zurück.

 

 

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    „Solche Idylle, die doch ans Glück der Rauschgifte mahnt, mit deren Hilfe in verhärteten Gesellschaftsordnungen unterworfene Schichten Unerträgliches zu ertragen fähig gemacht wurden, (…) Im besten Falle wäre es die Absenz des Bewußtseins von Unglück.“ Adorno, Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Fischer Verlag, Seite 70

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