277, Entsagung und Sozialisation


Puppe mit Strick, coloriert, Hans-Georg Köhler 2017

 

Das durch die Kette der Entsagungen1Vgl. Herbert Marcuse, in: Triebstruktur und Gesellschaft, Einleitung. Hier stellt Marcuse die Aufschiebung der Lustenergie als Bedingung kultureller Leistungen (Sublimierungen) voran. „gebildete Subjekt der Zivilisation, das, um sein Leben zu fristen, ständig mehr gibt, als es empfängt“,2Klaus Heinrich, in: Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen, Stromfeld Rote Stern, 4. Auflage 2002, Seite 180 ist das Resultat der durch die Geschichte gehenden Introversion des Opfers:3vgl. Adorno/ Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Seite 62 es ist das entsagende Ich. Es gilt mehr vom eigenen Leben zu geben, zu veräußern, als davon verteidigen zu können: „Das entfaltet sich im Zusammenhang der falschen Gesellschaft. In ihr ist jeder zuviel und wird betrogen.“4vgl. Adorno/ Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Seite 62 Dieses Leben gebiert sich in seiner Abschaffung, Abwicklung. In Erwartung auf das Ende des Entsagens entspinnt sich versöhnlicher Trost; wie schön. Die tröstende Utopie beginnt im opfernden, entsagenden Hier und Jetzt des Menschen. Aber hier beginnt auch das unendliche Warten: die in die Zukunft verschobenen Kräfte der Befreiung zwingen mehr denn je zur Praxis der zur Entsagung antreibenden, produktiven Gegenwart. Utopie als projektiver Vollzug eigener Erwartungen. Paket ohne Adressat.

 

 

  • 1
    Vgl. Herbert Marcuse, in: Triebstruktur und Gesellschaft, Einleitung. Hier stellt Marcuse die Aufschiebung der Lustenergie als Bedingung kultureller Leistungen (Sublimierungen) voran.
  • 2
    Klaus Heinrich, in: Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen, Stromfeld Rote Stern, 4. Auflage 2002, Seite 180
  • 3
    vgl. Adorno/ Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Seite 62
  • 4
    vgl. Adorno/ Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Seite 62