249, Arbeit und Erholung, Schmutz und Urlaub

© Hans-Georg Köhler, Kolonialer Urlaub, aus: Psychogramme – Gefühle Konsum Arbeit Sterben, 2023

 

Die Zuteilung befristeter, von Arbeit freier Zeiträume – garantiert im Arbeitsvertag, soll Erholung, sowie zeitweilige Befreiung vom alltäglich entfremdenden Arbeitszyklus gewähren. Die Erledigung dazu notwendiger Urlaubsplanungen erliegt ebenso der zu entfliehenden Struktur: Die Entfernung der Urlaubsziele zeigt die Nähe zum abzustreifenden Entfremdungs-Schmutz an; wir lassen ihn dann einfach dort.
Die autoritäre Gewährleistung von Frei-Zeit in einer Anstellung ist ausrechenbar, sie folgt betriebswirtschaftlichen Kalkülen, ist als Produktivität der erholten Angestellten evaluierbar, als Erholungsdruck in der Frei-Zeit bereits markiert und im urlaubskatalogifizierten Vollzug deklariert. Die Vorgaukelei von bürgerlicher Freiheit gleicht einer häppchenweisen einzunehmenden Nahrung. Es sind die Rattenschwänze der Freiheit, deren Bruchstücke das Ganze verbürgen sollen. Man ist Besiegter mit Ausgangs-Erlaubnis, heißt hier: Teilzeit-Freiheit vom Arbeitsverhältnis. Die kaviarweise zu erlangende Befreiung vom Job, bleibt in dieser Ambivalenz Medikament oder Droge. Das Erholungsversprechen wird zunehmend mit der Zerstörung vermarkteter Paradiese eingelöst.

Siehe auch: Frame 191, Tourismus als Terror