293, Analogie und A.

 

scharz rot gold © Hans-Georg Köhler, 2008

Eine Analogie gewährt – in der Beschreibung eines Gegenstandes – die Rückführung auf bestehende, schon gewusste Formen der Sprachlichkeit; die analogische Operation gebietet das Phänomen als Festes, Schonbekanntes zu behandeln. Analogie zu suchen, markiert eine Abwehr eines neuen Phänomens zugunsten eines alten, indem eine Rückführung – Einebnung – auf schon Bekanntes erfolgt. Es ist ein Handel mit Determinationen. Der Begriff der Analogie besteht darauf, „daß nur Größe, Gestalt, Ausdehnung, Zahl (also sagen wir: Form und Masse) und Lage dasjenige sei, was primär die Qualitäten der Realität ausmacht; alles andere seien sozusagen als Reflex davon hervorgerufene sekundäre Phänomene, die wissenschaftlich nicht interessieren.“1Klaus Heinrich, Arbeiten mit Ödipus, Dahlemer Vorlesungen, Bd. 3, Stromfeld Roter Stern, S. 57
Einen Vergleich anstellen, weißt auf das einsetzende Beherrschenwollen hin, auf eine Annäherung anhand fester wie gewohnter Beschreibungsweisen. Der Versuch, was da stockt in der Überführung zu anderen Qualitäten für sich als Begriff suchenden besser begreifbar zu machen. Dass Analogien herrschen, korrespondiert damit, dass die eigenen Erfahrungen selbst schon in Stoffe zerlegt werden, in Hitze, Gas, Fett.
Im Falle, dass etwas nicht sprachlich gefasst werden kann, und man sich am Unbegreifbaren stößt, so hat man nur die Möglichkeit, sich über das Detail, das schon bekannt und vertraut scheint, zu nähern. Ein gänzlich Unbekanntes ist somit kaum denkbar. Mit der analogischen Rückführung sind wir in der Lage, eine unmittelbare Geistesgegenwart als die Rückbesinnung aufs Bekannte an die Unendlichkeit des Unbekannten anzulegen. Den sprachlichen Figuren ist ihre Fähigkeit zur Verwandtschaftsbildung zu Lasten der Genauigkeit immanent. Die zwangläufige Grobheit der Begriffe macht sie potent. Fruchtbar. Die Bildung neuer sprachlicher Verhalten setzt die stetige Berührung mit der Welt, mit dem Unbekannten voraus.

 

 

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    Klaus Heinrich, Arbeiten mit Ödipus, Dahlemer Vorlesungen, Bd. 3, Stromfeld Roter Stern, S. 57