272, Schweigen und Leiden
Das unmittelbar empfundene Leiden in einer Situation, weil man übergangen worden ist, verletzt im persönlichen Nahbereich, spricht sich im konsternierten Schweigen aus; die Stille ist rein, entfernt von den Ankern der Worte. Wo nichts erlitten, sprichts sichs leichter. Über das Objektivierte – also das in die Bezeichnung gezerrte „Objekt“ – kann eher gesprochen werden, als das der Objektivator über sich selbst Worte findet: Denn er hat Distanz zu sich genommen. Der Laut eigener Worte ist nicht mehr „Organ des Willens“.1Vgl. Ernst Cassirer, in: ges. Werke, Hamburger Ausgabe, Band 11, Philosphie der symbolischen Formen, Erster Teil Die Sprache, Seite 258 Wo wir getroffen sind, wie gelähmt von der vorausgegangenen Verletzung, sind wir oft hilflos schweigend. Wo wir schweigen, können wir nicht reden. Dem Schweigenden ist der gemeinsame Orientierungsraum der Sprache mit deren versöhnenden Verkörperungen, Übersetzungen abgeschnitten.2vgl. Klaus Heinrich, in: Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen, Stromfeld Rote Stern, 4. Auflage 2002, Seite 109 ff
Lass uns reden!
Die Welt ist durchs Schweigen nicht zu verzaubern.

Ich, Hans-Georg Köhler, 2022
Foto: © Enrico Trippa
- 1Vgl. Ernst Cassirer, in: ges. Werke, Hamburger Ausgabe, Band 11, Philosphie der symbolischen Formen, Erster Teil Die Sprache, Seite 258
- 2vgl. Klaus Heinrich, in: Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen, Stromfeld Rote Stern, 4. Auflage 2002, Seite 109 ff