252, Konzentration als Lähmung, Stil als Stagnation

Formale Konzentration als notwendige Einengung des Sichtfeldes, des Operationsfeldes im Bild, erfordert eine akzeptierte Beschränkung der Wahrnehmung. Der Argwohn gegen alle störende Form oder die Lust auf das formale Spezialgebiet engt die Welt der Beobachtung notwendig ein. Um den Fokus auf ‚X‘ beizubehalten, ist es nötig, permanent alles andere auszuschließen. Ein Kampf, gegen das üppige Formenmaterial, was jenseits der Linse existiert. Wahrnehmung wird von der sie selbst reduzierenden Einengung auf das Wahrzunehmende gesteuert. Sensibilität als innere Lähmung, als Festgelegtsein auf einen favorisierten – gelernten – Wahrnehmungshaushalt.
Der Prozess formaler Konzentration eröffnet den Weg, ohne Zweifel und Verzweiflung mit den eigenen Formen in der Welt auszukommen – daher die verstärkte Selbsterzeugung (Selbst-Sensibilisierung) von eigenen formalen Welten.
Der in der „Realitätsferne“ arbeitende Künstler hat keinen Mangel an Realitätssinn, seine Ferne erweist sich als Instrument, die übrige, für die eigene Arbeit unnütze Realität aushaltend abzuwehren. Die selbstisch entwickelte Sichtweise ermöglicht das eigene formale Universum.

 

 

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