291, Arbeitsplatz Identität und Leiden

Wenn ausschließlich der ausgehaltene Arbeitsplatz zur Stütze der Identität wird, entwickelt die darin angestellte Person symptomatische Verklärungen. In hierarchischen Arbeitsverhältnissen, wo stupide und funktionell-formal verfahren wird und die tätige Person determiniert auf ihre funktionelle Tätigkeit reduziert ist, wo schließlich die betriebene Bemächtigung der gesellschaftlichen Lebenswelt gegen ihre Selbsterkenntnis – zur Aufrechterhaltung der betrieblichen Abläufe und Hierarchien – geschützt wird, muss diese Person diesen einzwängenden Apparat auf sich selbst beziehen. Was dem Schizophrenen noch half – sich in einem Prozess mit festgesetztem Anfang und Ende aufzuteilen, macht nun die wohlmöglich noch-normal-gesunde Person paranoid. Die Umstände, die im Arbeitsverhältnis nagen und zugleich das Arbeiter-Sein ermöglichen, erzeugen nach der Abwicklung seines Arbeitsplatzes seine Geschichte, die ohne Arbeitsverhältnis sinnlos erscheint: als Aufopferung, aber für wen? Wenn diese konstitutive Negativität des Arbeitsplatzes als Identität stiftender Widerstand wegbricht, die funktionellen Koordinaten des Arbeitsplatzes schwinden, entsteht eine mit Angst gefüllte Leere: Ein Verlust der Arbeitsbiografie. Darin, dass die determinierte Person mit dem ihr angehörenden Prozess im Arbeitsplatz und dass der Arbeitsplatz mit der ihm angeschlossenen Person im Produktionsprozess identisch werden sollen, zeigt den möglichen Verlust an, wenn die Prozessstütze für den funktionierenden Menschen aus beliebig austauschbaren Funktionen besteht. Der Verlust besteht darin, dass aus der Aufopferung für die identitätsstiftende Umklammerung durch den jeweiligen Arbeitsplatz keine Selbstbestimmung zu gewinnen ist.

Zwangsidentität
mit dem Produktionskörper – als Verneinung des Menschen durch die Technokratie der inkorporierten Prozessabläufe, aber zugleich die Verkörperung der sich industriell in den Menschen einschreibenden Identität der Verwertbarkeit: sich industriell nutzbar zu erweisen und sich dem Rohstoff der eigenen Verwertung gleich zu machen. Das Inhumane ist doppelt tätig: als Krankheit und als medikamentöse Gewinnspanne.