241, Farben

Farben zu machen, die Augen nicht erinnern, wenigstens nicht ihre Form. Räuber wie Gefangener. im Überblick, rückwärts schauend, in der Abarbeitung von Gestern, der Abbilder, entwickle ich meine Linien Blut, mein Malzeug; meine Bilder. Was ich ständig häufe, wuchere im Tauschhandel mit dem Krebs – ausbrennen, einfach vergessen! Jetzt, immerfort entwerfen! Bilden und neu denken: Ich bin diese Gier. Dafür alles kosten, was verdaut und ausgestoßen werden kann. Mich mästen, die Magen -und Gehirnwände weiten: Vor dem Platzen malen, noch Formen Farben finden.
Male, nur spreche nicht.

Verrückt scheint nur das zu sein, was gesellschaftliche Beschreibungsmächtigkeit nicht einholt.
Im Diesseits sich wieder erkennen; nach der Umrundung übers Dunkle. „An den Grenzen der Lernfähigkeit agieren… Was außerhalb der Begabung [Kognition].“1Zitiert nach Bernd Böhmel, Quelle unbekannt
Das Schwererfaßbare als Bewegungsraum, das Unbekannte als Expeditionsgebiet.
„Die Kunst muß dort einsetzen, wo der Defekt liegt.“2Bertolt Brecht, in: Schriften zur Literatur und Kunst, Band I, Suhrkamp Verlag 1967, Seite 128
Intensität, Konzentration durch erarbeitete Blindheit und Vergessenkönnen, Verdrängung von Erfahrung gewinnen. Es scheint zur künstlerischen Voraussetzung anzuwachsen, dass Unterlassung, Weglassung von erarbeitetem Form-Bewußtsein – bei Luhmann: „Hinausschieben der Wiederholung“3Das ganze Zitat bei Luhmann: „Das Medium selbst trägt die Verzögerungsfunktion (bezogen auf Wiederverwendung zur Formbildung), die allem Gedächtnis zu Grunde liegt, denn Gedächtnis ist nicht etwas Sperieges von etwas Vergangenem ( wie sollte das gehen?), sondern Hinausschieben der Weiderholung.“ – betrieben wird, damit die Körpermaschine realisiert werden kann. Als Künstler arbeiten, heißt, durch Aneignung zu enteignen. Vergessen können, impliziert Gewußthaben. Das Ausdrucksmäßige in der Kunst als Sprachproblem fassen, um aus der gewohnten Sprachlichkeit (In-Form-ierung) – d.h. auch: aus der Selbstbeobachtung raus zu kommen. Ständig neu den Blindflug über das bis hier her Gewußte zu wagen. Im Vertrauen darauf, dass Erfahrung (Wissen) körperlich sprechen lernt. Wo im gewohnten formalen Umgang nichts mehr zu bereden ist, nichts weiter besprochen werden kann, aus den alten Formen nichts zu gewinnen, nichts oder wenig zu formulieren bleibt, dann ist das künstlerische Medium aus Öl, Paste und erfundenem Materialkontext die Präzisierung der Sprachlosigkeit in eine neue Sprache.

 

 

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