257, Aufklärung – voll Licht

Aufklärung, enlightment, dort wo Licht ist, Donnerblitze als Teilung der Welt in Buchstaben voller Licht. Gegen die ungeklärten Ungetüme der Welt springen wir im Licht hinaus zu den Gegenständen1Vgl. Friedrich Schiller, in: Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 26. Brief, in: Texte zur Medientheorie, Hrsg. Günter Helmes und Werner Köster, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2002, Seite 84 oder in Theorienetze, um vor dem unbekannt Erhellten zu flüchten oder es zu bannen. Intelligenz als Angstvermögen. Reflexion – ein Modus der Angstabwehr: Die Konstruktion eines Verstehens als Bewältigung der Ängste.
Intelligenz als ein Attribut des Angstvermögens? Angst-Haben und Zweifeln-Können als ein Möglichkeitssinn des durch die neuronale Netzwerkstruktur eröffneten Vorstellungsraumes. Zeigt nicht das Zweifeln noch Spuren der Angst in der Ungewissheit, des Schwankens vor dem gedachten-phantasierten Vorgestellten auf? Wissenschaft wäre apriori nicht nur der intelligiblen Möglichkeiten des Menschen zuzuschreiben, sondern sie entspränge seiner Fluchtbewegung vor den von ihm erkannten Möglichkeiten: Angstbewältigung vor den unbestimmbaren, ungewohnten Phänomenen. Erklärungsmodelle ermöglichen die Netze gegen die Welt enger zu stricken. „Wenn etwas nicht konkret ist, konkretisiert man es auf eine Weise, die von Ferne ziemlich merkwürdig aussieht: man erfindet eine dieser Skalen. Indem man dies tut, kann man eine komplette, verfluchte, amorphe Sache nehmen und auf eine Zahl reduzieren, schon ist sie real und konkret. Im logischen Sinne ist das eine unmögliche Aufgabe. Aber man macht es, und schon sie real … wenn die Sache also global, allgemein, amorph und vage ist – gibt man ihr eine Zahl.“2 Zitat von John H. Weakland: Conversation – but what kind? In: Steve De Shazer, in: …Worte waren ursprünglich Zauber, Verlag modernes lernen, 2. Auflage 1998, Seite 114 Eine Flucht hin zu theoretischen Instanzen – weg vom Widersprechenden (mit dem Widerspruch arbeitend), raus aus den Höhlen (mit Höhlengleichnissen aus den Höhlen aufsteigend). Angestellte Theorien als ein abgesicherter Modus der Beruhigung mittels technisch-formaler Kompetenzen der Wissenschaft, um aus den Verrückungen, Verrücktheiten herauszukommen. Denken als Gesundwerdenwollen: die Suche nach Invarianz (Homöostase) im Gestrüpp vielfältiger Variablen. Weil gedacht werden kann, weil jegliches Unhinterfragte nunmehr Zweifel, Angst, Schrecken, Öffnung und wieder Nachdenken herstellt, braucht das vernunftbegabte Tier Erklärungen – Aufklärung: Dünn gedrucktes Licht aus Buchstaben. Den Wissenschaften3– Und Religion als Instanz des herrschenden Wissens, als Einheit von Macht und Wissen: bis Galileo Galilei in diese Phalanx einbrach und das Deutungs- wie Wissensmonopol brach.  ist gemein, dass sie nach Gewissheit ringen und Gewissheitsversprechen gaben. Die zerrissene Realität, die unterbrochene Konsistenz, die unmenschlichen Leerstellen, der verlorene Bedeutungszusammenhang muten insofern paradox an, als wurden sie nur deshalb präsent, weil nach deren Bedeutung gefragt werden konnte. Diese erarbeiteten – erfürchteten – Diskontinuitäten wurden mit dem Anspruch auf ein Gewissheitsversprechen überbrückt. “In einer Welt unmittelbarer Sinnesdaten, in der keine Körper postuliert (posit) und keine Fragen aufgeworfen würden, hätte die Unterscheidung von Wirklichkeit und Täuschung keinen Platz. Das Postulieren von Körpern ist bereits rudimentäre Physik; und erst nach dieser Phase können die lästigen Unterscheidungen des Skeptikers Sinn ergeben. Man muß zuerst Körper postulieren, um ein – wenn auch dürftiges – Motiv dafür zu haben, eine unverbindliche Welt des unmittelbar Gegebenen hinzunehmen.“4. V. Quine, in: Die Natur natürlicher Erkenntnis, in: „Analytische Philosophie der Erkenntnis“, hrsg. von Peter Bieri, Verlag Beltz Athenäum, Neue Wissenschaftliche Bibliothek, Seite 422

 

 

 

 

  • 1
    Vgl. Friedrich Schiller, in: Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 26. Brief, in: Texte zur Medientheorie, Hrsg. Günter Helmes und Werner Köster, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2002, Seite 84
  • 2
    Zitat von John H. Weakland: Conversation – but what kind? In: Steve De Shazer, in: …Worte waren ursprünglich Zauber, Verlag modernes lernen, 2. Auflage 1998, Seite 114
  • 3
    – Und Religion als Instanz des herrschenden Wissens, als Einheit von Macht und Wissen: bis Galileo Galilei in diese Phalanx einbrach und das Deutungs- wie Wissensmonopol brach.
  • 4
    . V. Quine, in: Die Natur natürlicher Erkenntnis, in: „Analytische Philosophie der Erkenntnis“, hrsg. von Peter Bieri, Verlag Beltz Athenäum, Neue Wissenschaftliche Bibliothek, Seite 422

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