145, bellum omnium contra omnes

 

Im bürgerlichen Zustand weicht die Individualität ihrem Spiegel aus. Individualität reduziert auf den Anspruch an die Welt, nicht erschlagen zu werden und übrig zu bleiben, möglichst fit. Im goldenen Sarg. Aber man bildet sich ein, sich durch ein individuelles Auto repräsentieren zu können – in Wirklichkeit das 3. Millionste seiner Serie. Und dennoch gibt man privat nichts auf andere Meinungen – und ist doch damit so allgemein. Natürlich ist das Besondre des 50000 Mark-Autos nur die Verkörperung seines besondren Tauschwerts, d. h. es ist „ein Allgemeines, worin alle Individualität, Eigenheit negiert und ausgelöscht ist.“1Marx, in: Grundrisse, MEW Band 42, Seite 90
Die anderen sind für das privatisierte, abgedrängte Ego nur insofern notwendig, wenn dieses Ego seine privaten Interessen gegen deren gleichgültigen Interessen durchsetzen kann. Das Ich ist für euch, wie ihr fürs Ich seid: Nichts. Die anderen egoistischen, „privat“ handelnden Subjekte sind für das einzelne Subjekt notwendig, soweit es seine privaten Egoismen gegen diese – also mit ihnen – durchsetzen kann. Das einzelne bürgerliche Subjekt ist für die Anderen das, was die Anderen für das einzelne Subjekt sind. Jeder ein Verlust des anderen Anderen. Zerstörerische Monaden. Ein Schiff mit 1000 Robinsonaden löscht Freitag aus. Tagtäglich.

 

 

 

  • 1
    Marx, in: Grundrisse, MEW Band 42, Seite 90

144, Dementia praecox II

Und der ganze Verdruss am Mittagstisch: Im Smalltalk die Hinrichtung der Anderen via TV qua eigener Verdrängung, in Wellen versenkt. Der Einzelne, der Gebeutelte lässt sich durch die Anderen ausbluten, an der Nähmaschine, im Container, in der Sendung. Alles im Programm. Menschliche Schwäche hat Erlaubnis im Konsumfieber – ein Ausdruck übermächtiger Lebenslagen. Die Produktion psychotischer Verhältnisse zeigt sich vielfältig: als soziale Dysfunktion entsprungen aus Mietnot bis Hungersnot, in Werkhallen, in gestressten Vertriebsbüros, in Deformierungen der Chefsessel dann der Wirbelsäulen als Haltungsschaden. Der auszubadende Kampf gegen die Bedingungen dieser Verhältnisse findet privat, familiär statt – Therapieplätze sind rar. Die Schlacht wird nicht gefochten, wo sie produziert wird. Es ist alles ver-rückt. Es bleibt, das eigene Leben einzurichten.

 

 

143, Ich ist einer von mir – Ich und wir anderen

Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozial-affinen Gruppe, Strömung, Partei etc. wird erhalten, indem innerhalb der Gruppierung Unterschiede zu anderen festgehalten, geleugnet oder abgearbeitet werden. Von hier an ist Identifizierung, im Sinne des Vergleichens, mit dem anderen Gruppenmitgliedern möglich, aufgrund der Übereinkunft über die Kriterien, die die Mitgliedschaft in der Gruppe definieren. Es ist eine Identifizierung durch Abgrenzung und Vereinnahmung zugleich. Diese Selektionen – einschränkenden Differenzierungen – erzeugen eine dynamische Abgrenzung gegen andere Gruppen, um sich als System gegen andere Systemkriterien abzuschotten. Feindbilder gemischt  mit Opferattitüden sind stabilisierend. Das homogene Auftreten nach Außen hin folgt ent-individualisierter Einordnung unter das durch Gemeinsamkeit gewährte Schutzbedürfnis zur Aufrechterhaltung der Existenzsicherheit des Ich. Gegen die Welt da draußen. Die Erfindung des Terrors von Außen entwickelt sich rechtfertigend zum Terror nach Außen und zum Inneren (zur Disziplinierung der Gruppe). Die Erpressung des Einzelnen im Sinne der Bindung an die Gruppe, das Kollektiv zur Überlebenssicherung. Rekrutierung von Gruppenmitgliedern, um das vorab definierte System aufrecht zu erhalten, bedeutet für die einzelnen Mitglieder Depersonalisierung, Deindividuation. Man schachert sich zusammen, um der vervielfältigten Angst >>allein zu sein<<, Herr zu werden. Der Überlebenswille des Einzelnen nimmt den Charakter kollektiver Gewalt an. Dessen gruppendynamisch-legitimierter Schein verdeckt seinen Terror gegen die unübersichtliche Welt.

Permanente Liquidierung des Ich
Die Besonderheit des Individuums ist nur noch ein Rest, oder der kleinste Nenner und wird als Differenz zu anderen Gruppen vorgetragen. Die mutmaßlich erlittene Ablehnung der Außenwelt mündet im überbordenden Selbst-Zuspruch des Abgelehnten: Die eigene Überhöhung bis zum Größenwahn ist stets gegen die Außenwelt gerichtet. Die Ich-Idealisierungen sind Zeichen des Mangels an Welt und deren Abwehr.1Vgl. Sigmund Freud, in: Zur Einführung des Narzißmus, Verlag Volk und Welt, Berlin 1989, 2. Auflage, Seite 547
Je größer der geographische Maßstab der Abwehr, desto allgemeiner der ideologische Nenner. Die Differenz wird zur Motivlage überhaupt stilisiert und damit wird sich bestimmter Zeichen bemächtigt, die symbolisch zur ideologischen Mystifikation einer Identität aufgeladen werden. Zur Identitäts-Beschwörung innerhalb einer Gruppe bedarf es oft eines Mals der Kennzeichnung: eines Brandzeichen in der Herde. Nicht im Menschen, aber in der organisierten Interessenlage kommen die Ideen zur Erfüllung, erreichen sie das Schmetterlingsstadium, bekommen sie die theoretisch „vorausgesagte“ Kraft. Träger des schöpferischen Prozesses in solcher Gesellschaft ist nicht das Individuum, sondern die Schlachtordnung.2„Man wird eine Eigenschaft, die man vor allen anderen für das Kennzeichen des Deutschen hält, nämlich die Ordnung, immer zu gering einschätzen, wenn man nicht in ihr das stählerne Spiegelbild der Freiheit zu erkennen vermag. Gehorsam, das ist die Kunst zu hören, und die Ordnung ist die Bereitschaft für das Wort, die Bereitschaft für den Befehl, der wie ein Blitzstrahl vom Gipfel bis in die Wurzeln fährt. Jeder und jedes steht in der Lehensordnung, und der Führer wird daran erkannt, daß er der erste Diener, der erste Soldat, der erste Arbeiter ist. Daher beziehen sich sowohl Freiheit wie Ordnung nicht auf die Gesellschaft, sondern auf den Staat, und das Muster jeder Gliederung ist die Heeresgliederung, nicht aber der Gesellschaftsvertrag.“ Ernst Jünger, in: Der Arbeiter, Herrschaft als Gestalt, Cotta’s Bibliothek der Moderne, Seite 15
Der Mangel an Seinsgewissheit (Existenznot, alltäglich eindringende Notwendigkeiten des Lebens) produziert Sicherheitsbedürfnisse, Geborgenheitsansprüche… wie er sie expropriiert. Es heißt, für sich Unwesentlichkeit zu beanspruchen, legitimiert die nicht erforschten Argumente der Auflehnung. Als böte sie Schutz vor den mit Einsicht zu brechenden Dämmen der Verzweiflung, vor Gedankenarbeit.
Die Verallgemeinerung des einzelnen Menschen in der gesellschaftlichen Schlachtordnung wird in jedermann hinein durchgesetzt. Der Auslöschungszwang des Anderen durch den gestörten Selbstbehauptungsdrang findet Platz in der eigenen Ethnisierung oder in der Gruppen-Bildung. Der Geist bleibt hier ein Beiboot voll mißbrauchter Rationalität.

Disziplin
Die zusammengeschnürten Abwehr-Verbindungen in Gruppen, Parteien sollten Ausweis dafür sein, dass die ehemals einzeln sich gerierenden  Teilnehmer als ‚Ich‘ aufgegeben haben. Die sich einer Gruppenideologie Angehängten müssen sich als Individuum aufgeben, um für sich Individualität anzustrengen, wirklich freier gesellschaftlicher Mensch zu werden (geselliger Mensch). Der Gang zum menschlichen Wesen wurde abgebrochen für ein Reglement von fester Struktur und Einsicht in disziplinierende Notwendigkeiten. Die Außenwelt, „mit der das Ich sich durch Verdrängungs-Leistungen arrangieren muß,“3Klaus Heinrich, in: Dahlemer Vorlesungen, Band 7: psychoanalyse, Seite 181 ist für dieses Individuum nicht mehr haltbar, oder ist für es zusammengebrochen. Zur Absicherung des Überlebens ist eine formale Einheit, ein funktionelles Dasein einzurichten, um im verstörenden oder sonst wie psychisch sich ausdrückenden Leben, einen Zusammenhang zu finden. Wenn es heißt, „die formallogische Evidenz besteht in dem Zwang zur Disziplinierung des Bewußtseins…“,4„Die formallogische Evidenz besteht in dem Zwang zur Disziplinierung des Bewußtseins, die auf das Bestehen von Sachverhalten, d. h. von Fällen gerichtet ist, die als solche unter der Bedingung der Regelhaftigkeit im Gebrauch von Strukturinvarianzen stehen.“ Bruno Liebrucks, in: Über einige transzendentale und einige dialektische „Implikationen“ der formalen Logik, in: Philosophie als Beziehungswissenschaft, Festschrift für Julius Schaaf, Hrsg. W. F. Nibel und D. Leisegang, Frankfurt a. Main 1971, Seite 11, 12 dann heißt das auch, dass die Disziplin dafür selbst eine Konzentration auf das formal Abgesicherte benötigt, und dass das Bewußtsein eine Evidenz (einen Halt) durch die formallogisch erzeugte Disziplin erfährt. D. h., dass die Dinge, Gegenstände, Arrangements für ihre kontextuell bezogene Betätigung diszipliniertes Verhalten fordern. Abgesehen von Dienstvorschriften aller Art, die die Menschen in ihrer Zwangslage zusätzlich befallen, ist die Konzentration auf formale, streng strukturierter Arbeits- und Lebensstrukturen zu beobachten, die der Disziplin bedürfen, um das Leben mit den aufgeworfenen Forderungen doch noch zu meistern. Wo Disziplin gefordert wird, herrscht Gehorsam als die verinnerlichte Struktur kalkulierter Produktionsprozesse. Die Reduktion auf formal Redundantes als Technik gegen die Außenwelt. Das (soziopathisch) gestörte, jedoch disziplinierte Selbst kann sich noch durch das formallogische, oder rationalisierte Bezwängen der Umwelt, also gegen sie auftretende widerständige Ereignisse, Luft verschaffen. In dem festgefrorenen Gitter festgesetzter Phänomene findet es sich zurecht, in disziplinierter eo ipso geordneter, variationsarmer Welt. Anstatt zum vielfältigen Leben führt die Selbst-Unterordnung, die selbst auferlegte Reduktion von Lebenstechniken zur Versklavung des persönlichen Lebens: Diese Person bringt sich als formalen Aspekt, als ein funktionierenden Anker in das Leben der anderen ein. Sie vollstreckt damit eine Lebensordnung, die das Problem verstärkt. Die Vereinnahmung alltäglicher Vorkommnisse, aller Welts Zeug unter allgemein abgesprochenen Kontexten – Kulte, Rituale, Rationalisierungen – arbeitet das dafür geopferte, aufgegebene Leben als ein vorweggenommenes heraus.5[der] „Normalzustand des angepaßten und ewig gehorsamen Bürgers. Dies ist ein Seinszustand, in dem der Mensch jedem Aspekt der eigenen Erfahrung, jedem spontanen Aktionsdrang, jedem bisschen Körperbewußtsein von sich selbst (im Gegensatz zum Bewußtsein, daß die Welt von unserem Körper hat) und allen Möglichkeiten sich anbahnender Verwandlung so sehr entfremdet ist, daß man ihn allen Ernstes und ohne metaphorische Umschreibung als verrückt ansehen darf. Die meisten Menschen in der Ersten Welt unterwerfen sich dieser permanenten Liquidierung ihres Ich mit nur schwach vorgebrachtem und rasch wieder vergessenem Protest.“ David Cooper, in: Der Tod der Familie, Rowohlt, Seite 15 Doch wüsste jeder Angehörige einer Gruppe gern um seine hieraus erwachsende menschliche Schuld und Aufgabe.6vgl. Paul Tillich, in: Der Mut zum Sein, Seite 46, 55 ff und bes. 113 Der Zorn, das Tierische in manchen Abwehrreflexen versus „alles andere“, das auf den Abwehrenden Dringende (und wohlmöglich Aufdeckende), zeigt den Versuch, sich gegen seine Bestimmtheit zu wenden. „Eine tiefe Zweideutigkeit, die Verflochtenheit von Gut und Böse, durchdringt alles, was er tut, denn sie durchdringt sein persönliches Sein als solches. In seiner moralischen wie in seiner geistigen und seiner ontische Selbstbejahung ist Nichtsein mit Sein gemischt. Das Bewußtsein dieser Zweideutigkeit ist Schuldbewußtsein. Der Richter, der er selbst ist und der gegen ihn selbst steht, er, der alles „mitweiß“ (…), was er tut und ist, fällt ein negatives Urteil, das von ihm als Schuld erfahren wird.“7vgl. Paul Tillich, in: Der Mut zum Sein, Seite 46

Nur die eigene Wahrheit – die vor sich selbst verheimlichte, als eine Wahrheit, die mich vor mir selber schützt – erlaubt mir, weiter zu leben. Sie wird mit Zähnen, Stöcken, Hunden und Mitgliedszwang verteidigt. Uniformität in Gesten und Kleidung bedeutet deshalb auch eine Maskierung und Demonstration gegen die im Maskenträger aufgegebene individuelle Existenz. Sie ist die Erinnerungsschleife jeden Tag im Spiegel an das Geknete.

 

 

  • 1
    Vgl. Sigmund Freud, in: Zur Einführung des Narzißmus, Verlag Volk und Welt, Berlin 1989, 2. Auflage, Seite 547
  • 2
    „Man wird eine Eigenschaft, die man vor allen anderen für das Kennzeichen des Deutschen hält, nämlich die Ordnung, immer zu gering einschätzen, wenn man nicht in ihr das stählerne Spiegelbild der Freiheit zu erkennen vermag. Gehorsam, das ist die Kunst zu hören, und die Ordnung ist die Bereitschaft für das Wort, die Bereitschaft für den Befehl, der wie ein Blitzstrahl vom Gipfel bis in die Wurzeln fährt. Jeder und jedes steht in der Lehensordnung, und der Führer wird daran erkannt, daß er der erste Diener, der erste Soldat, der erste Arbeiter ist. Daher beziehen sich sowohl Freiheit wie Ordnung nicht auf die Gesellschaft, sondern auf den Staat, und das Muster jeder Gliederung ist die Heeresgliederung, nicht aber der Gesellschaftsvertrag.“ Ernst Jünger, in: Der Arbeiter, Herrschaft als Gestalt, Cotta’s Bibliothek der Moderne, Seite 15
  • 3
    Klaus Heinrich, in: Dahlemer Vorlesungen, Band 7: psychoanalyse, Seite 181
  • 4
    „Die formallogische Evidenz besteht in dem Zwang zur Disziplinierung des Bewußtseins, die auf das Bestehen von Sachverhalten, d. h. von Fällen gerichtet ist, die als solche unter der Bedingung der Regelhaftigkeit im Gebrauch von Strukturinvarianzen stehen.“ Bruno Liebrucks, in: Über einige transzendentale und einige dialektische „Implikationen“ der formalen Logik, in: Philosophie als Beziehungswissenschaft, Festschrift für Julius Schaaf, Hrsg. W. F. Nibel und D. Leisegang, Frankfurt a. Main 1971, Seite 11, 12
  • 5
    [der] „Normalzustand des angepaßten und ewig gehorsamen Bürgers. Dies ist ein Seinszustand, in dem der Mensch jedem Aspekt der eigenen Erfahrung, jedem spontanen Aktionsdrang, jedem bisschen Körperbewußtsein von sich selbst (im Gegensatz zum Bewußtsein, daß die Welt von unserem Körper hat) und allen Möglichkeiten sich anbahnender Verwandlung so sehr entfremdet ist, daß man ihn allen Ernstes und ohne metaphorische Umschreibung als verrückt ansehen darf. Die meisten Menschen in der Ersten Welt unterwerfen sich dieser permanenten Liquidierung ihres Ich mit nur schwach vorgebrachtem und rasch wieder vergessenem Protest.“ David Cooper, in: Der Tod der Familie, Rowohlt, Seite 15
  • 6
    vgl. Paul Tillich, in: Der Mut zum Sein, Seite 46, 55 ff und bes. 113
  • 7
    vgl. Paul Tillich, in: Der Mut zum Sein, Seite 46

142, Wollen wir, was wir tun?

Über Willensfreiheit

„Wir tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun.“ Benjamin Libet (link)

Als Akteure handeln wir auf einem Weg, der von unseren Gedanken schon ausgemacht und angewiesen war. Im Modell der Willensfreiheit wird davon ausgegangen, dass unser Tun einem projektiven Willen folgt. Das Zitat dreht diese Auffassung um: Es spricht vom Willen als retrospektive Artikulation. Das wir tun, was wir wollen, entspricht unserem bisherigen Verständnis, in dem unser Handeln im Parcours eines geistigen Vorschusses – ausgedrückt als Wille – entsteht. Unser Tun scheint ein nachhinkendes Gestell unser willentlichen Vorstellung zu sein. Hinken wir wie Hephaistos einem vorgezeichneten Weg nach, unserem Willen? Oder dient der Wille als kompensatorische Rechtfertigung für das, was wir getan haben? Die Vorstellung vom Bild ist fertig, der Plan da. Der Künstler malt sie nur aus? So ist es nicht. Beim Malakt passiert es oft anders: Ich finde Formen, Farben ohne willentliche Klarheit, wie aus einem unreflektierten Inneren strömen – intrinsisch – Formen und Farben auf das Papier. Wenn nichts daran korrigiert wird, es bleiben kann, wie es wurde, dann heißt es retrospektiv: „Ich wollte das so.“
Das ungefähr Vorgestellte während des künstlerischen Arbeitens treibt zur Materialisation, Umsetzung – gibt Gedanken im Nachhinein Rechtfertigung ob ihrer Realisierbarkeit. So kann eingeholt, ausgeglichen werden, um das Vorgestellte in den Begriff, in das am Material zu begreifende zu bringen.

Einwand gegen das Intensions-Paradox von Benjamin Libet:

Der Mord ist da, aber wer tötet, wenn keine Aktion einem Willen zugrunde liegt? Eine Frage von: Dopaminmangel, Serotoninüberschuß?1Peter Janisch geht in seinem Beitrag „Der Streit der Welt- und Menschenbilder in der Hirnforschung“ explizit auf die wissenschaftlich-methodischen Probleme des hier behandelten Libet-Experiments ein. In: Philosophie und Hirnforschung, Hrsg. Dieter Sturma, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, Seite 87 – 92 Findet sich. Lernen bedeutet, mit Motiven im Nachgang die Tat, die Gewalt zu beschreiben und zuzugeben, dass sie dem Mörder im Töten verborgen waren. Fatal aber selbstverschuldet. Wie ferngesteuert. Da ist eine Schlacht im Gang, endlich das selbstverschuldete Menschsein abzuwerfen. Eigenverantwortung ist Schlacke, kulturelle Asche. Es waren meine Nerven, nicht ich!

Es ist eine Notlage als Körper notwendig zu sein und sich tagtäglich – für kleine Lustprämien2vgl. Gerhard Roth in einem Interview der Zeitschrift P.M., April 2004, oder in Gehirn & Geist, Nr.: 6, Seite 33: Es könne davon ausgegangen werden, „dass all diese Prozesse [„z. B. Imagination, Empathie, das Erleben von Empfindungen und das Treffen von Entscheidungen bzw. die absichtsvolle Planung von Handlungen“] grundsätzlich durch physikochemische Vorgänge beschreibbar sind.“ Sigmund Freud äußerte das noch als Hoffnung [„Unsere Annahme eines räumlich ausgedehnten, zweckmäßig zusammenge-setzten, durch die Bedürfnisse des Lebens entwickelten psychischen Apparates, der nur an einer bestimmten Stelle unter gewissen Bedingungen den Phänomenen des Bewusstseins Entstehung gibt, hat uns in den Stand gesetzt, die Psychologie auf einer ähnlichen Grundlage aufzurichten wie jede andere Naturwissenschaft, z. B. wie die Physik.“ in: Abriß Der Psychoanalyse] und es kam ihn darauf an – so Hermann Lang, in: Strukturale Psychoanalyse, Seite 36 – „psychosoziale Phänomene in physiko-chemischen Gesetzmäßigkeiten aufgehen zu lassen.“ – bereit zu stellen. Auf der Durchreise im ewigen Verkehr. Fahrer eines ihn überdauernden Autos. Dauerndes Einpegeln auf genau den Körper, der auszuhalten ist. Meiner. Ein poröses Gleichgewicht zwischen Erhaltung und Absterben, manchmal Trieb als Zeitvertreib. Keine Störungen durch sich, den eigenen Körper zu dulden als minima Moralia. Bleibt das nicht unlösbar? Überall ist in den Zellen ein Sterben und ein Reden von dem der Körper nichts weiß. Le coeur a ses raisons, qui le raison ne connaît point. (Blaise Pascal) Bis dahin können wir den Willen in sein physikochemisches Zuhause der populären Neurologie schicken. Dort wird die menschliche Schwäche (das Ausgeliefertsein an die körperliche Bedingtheit), die Emotionalität als steuerbar, handhabbar erachtet. Man gibt zu, dass von Außen her Einflüsse ins Subjekt drängen, damit das Subjekt sich seinem Willen ergeben kann, oder sein Wille aufgrund seines Tuns sinnvoll wird. Das Außen, das Reale kommt uns Handelnden als Referenz unseres Willens entgegen. Die erkannte Notwendigkeit zu handeln, sei nur die private Münze des geäußerten Willens, um sich als Individuum zu konstituieren.
Der Überlebenswille nur eine Ableitung der Fatalität chemischer Elemente, hormoneller Einflüsse in unseren Hirnen? So gesehen, sind wir dem (durch die populäre Literatur gepushten Narrativ) Serotoninmangel oder Dopaminüberschss unterlegen – es bliebe uns aber, so zu tun, als würden wir unser Dasein regeln, was schon durch Chemie und Neurologie geregelt gilt. Als wäre das Leben lediglich eine Frage korrektiver Medikamente.
Das Intensions-Paradox beschreibt, dass das Handeln weit weniger einem unterstellten Willen folgen würde und dass das Handeln einer determinierten Handlungsintension unterliegt, die den Menschen als ein zum Willen über sich selbst begabtes Wesen in Frage stellt. Benjamin Libet wird nachgesagt, in seinem „die Willensfreiheit untersuchenden Experiment“ herausgefunden zu haben, dass die Aktionspotentiale für die geforderten motorischen Bewegungen (Bewege den kleinen Finger…) dem gesprochenen Befehl voraus eilen (ca. 500 – 600 Millisekunden). Woraus der Schluss gezogen wird, das wir wollen, was wir tun. Was ist daraus zu entnehmen?
Das Ich wird sich erst selbst real, wenn es sein Denken, sein neuronales Flimmern hören, sein Darüber-sprechen wahrnehmen kann. Es wird sich durch seinen Willen gewahr. Sofern von differenzierten Arealen, Modalitäten3Vgl. Karl R. Popper, John C. Eccles, in: Das Ich und sein Gehirn, Piper Verlag München: 2002, Seite 513 unten – also von Zentren für bestimmte nervale Aufgaben (z.B. Sehzentrum) gesprochen werden kann, sind die zu benutzenden Wege der Kommunikation, der Gedankenarbeit und damit ihre Raum- bzw. Prozessstruktur – als Einheit von Netz -und Knotenwerk – voraus zu setzen. Die Verteilung von Informationen (Aktionspotentiale als Informationen) setzt Kommunikation in Gang: erzeugt aus der Kulisse vieler Nerven-Stimmen – das oft zitierte Rauschen – wird die Bereitschaft für bestimmte Effekte erwirkt – bis aus dem Rauschen ein Bild, ein Wort, ein Handgriff wird. Wir meinen darüber zu denken. Die Qualität der Wahrnehmung oder die Beschreibbarkeit des Wahrgenommenen hängt von diesen – evolutionär erprobten – Übertragungs- wie Transformationsprozessen und den damit konstituierten Wegen ab. Die Information (es feuert, es feuert nicht) transformiert den neuronalen Zustand in neuronale Struktur (die Information hinterläßt Spuren) und neuronale Struktur qualifiziert, ermöglicht wiederum bestimmte neuronale Zustände. Transport, Transformation und Struktur (Transportwege) bilden eine Einheit. Dass das Gesehene Gesprochenes wird und eine Beschreibung findet, ist als Auslesung der abgebildeten Transport-, Transformations wie -Informationsstruktur vorstellbar. Wie ein sprachhochheitlicher Scan. Weil wir unser Denken hören, aussprechen können, vermuten wir, dass das jeweilige Aktionspotential zu einer möglichen Handlung (einer noch zu bestimmenden, noch gesuchten Handlung) später erzeugt wird, also nach einer Intention, nach dem sprachlich rekapitulierbaren Befehl wie: nimm den Becher. Es erscheint uns daher, dass wir eher – also vor der kommentierten Aktion – darüber sprechen, dass das innerliche Sprechen also auslösende Funktion hat, weil nach dem Sprechen sich der Finger tatsächlich bewegt. In unserer (sprachlichen) Wahrnehmung verläuft die Zeit stringent auf die Bewegung des Fingers zu. Nehmen wir an, dass in der nachgeordneten, postintentionalen Ebene der Informationsumwandlung4Information kühl als Änderung des Erregungszustandes beschrieben – dort wo die Chemie langsam Geist wird – sich das Gehirn sein energetisches Fortschreiten oder Prozessieren (sprachlich) mitteilt; es unterrichtet sich selbst. Das Sprechen berichtet somit selbst, das es nicht Initiator des Berichteten ist, sondern es kommentiert den Vorgang im Gehirn: den Areal- und oder Qualitätswechsel der Aktion – also die Veränderung ihrer Zustandsschwelle und die Änderung des nervalen Ortes. Der Befehl, den rechten kleinen Finger zu bewegen, begleitet wenigstens den (Willens-) Akt der Bewegung, statt ihn auszulösen. Das heißt nicht, dass der Fingerbewegende willenlos sei, sondern nur, dass das sprachliche Einholen (Kommentieren) des Willens auch Zeit für dessen Formulierung bedarf. Das Wollen geht hier nur dem Versprachlichen-können voraus. Oder ist das Aussprechen eines Willens eine Nachreichung? Der Prozess des willentlichen Denkens ist nicht mit der uns gewohnten Vorstellung >>wenn wir sprechen auch zugleich zu denken<< identisch. Sei der Willen vorsprachlich, so doch nicht unbewusst, d. h., wir selbst können uns darüber unterrichten, obgleich wir nicht unseren Willen vor der Handlung sprachlich verifizieren können. Dass wir erst scheinbar im Nachhinein unseren Willen sprachlich aktualisieren können, spricht nicht gegen die Intention bzw. einen vorgefassten Willen. Wir können sprachlich Wollen, sprachlich zitieren, was wir unsprachlich schon neurologisch (gewollt) taten (im genannten Experiment als Aktionspotential gemessen). Der neurologisch intendierte, agierende Wille, läuft zeitlich seiner sprachlichen Fixierung voraus. Es benötigt schließlich Zeit, das Gewollte zu formulieren, es einzudenken, einzusprechen. Der Abstand zwischen Aktion und Formulierung ist nicht zu hintergehen. Dass die Äußerung dem dafür notwendigen Aktionspotential (Bereitstellungspotential) zeitlich versetzt, hinterher hinkt – dass das Sprechen auf die physikalische Reihenfolge der Ereignisse reagiert-, heißt deshalb nicht zwingend, dass der Wille – wie auch immer das genannt werden kann – lediglich an die Instanzen des Gehirns andockt und daher determiniert vom physiko-chemischen Haushalt ist. Die sprachliche Artikulation des Willens kann später erfolgen – abhängig von der Geistesgegenwärtigkeit des Sprechers. Wir sprechen immer hinter dem Denken, dem nichtsprachlich zu referierenden Willen her.

Wenn der Wille als determiniert entlarvt wird (G. Roth u. a.), entsteht die Schwierigkeit zu erklären, dass dieses mit nicht kalkulierbarer Willensgewalt ausgestattete d. h. beschränkte Wesen, das von einer unbewussten Willkür beherrscht scheint, imstande ist, zu lernen. Lernen nicht als Vollzug einer logischen Technik oder technischen Logik aufgefasst. Versinnbildlicht: jede Operation – alles Handeln – bedingt neuronale Zuwächse, Zustände. D. h. jeder neuronalen Operation wird ein bestimmtes physiko-chemisches Potential als neuronaler Zuwachs, Nicht-Zuwachs zugewiesen.5Arbeit, die von entscheidender Bedeutung war. Sie trug den Titel „A logical calculus of the ideas immanent in nervous activity“ und handelte von der Funktionsweise und Impulsaufnahme und -weitergabe von Neuronen. McCulloch und Pitts zeigten, daß eine einzelne Nervenzelle die merkwürdige Eigenschaft besitzt, daß sie, wenn ein Reiz sie erreicht, entweder reagiert oder nicht reagiert, aber nichts tut, was zwischen Reaktion und Nichtreaktion liegt. Sie feuert oder sie feuert nicht, schickt über das Axon einen elektrischen Impuls oder schickt eben keinen Impuls. Wenn dieser elektrische Impuls nun eine zweite Zelle erreicht und wenn diese Zelle womöglich noch von anderen Zellen Impulse bekommt, dann entstehen merkwürdige Kombinationen. Und wieder gilt: Diese zweite Zelle, die von verschiedenen anderen Zellen Impulse bekommt, feuert oder feuert nicht. McCulloch und Pitts haben gesehen, daß sich diese Aktivität einer Zelle als die Errechnung einer logischen Funktion begreifen läßt, die da lautet: Ja oder Nein! Feuern oder Nichtfeuern! Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wurde es schließlich möglich, sich Nervennetze vorzustellen, die alle logischen Funktionen errechnen. Und dann begann man weiter über diese Nervennetze zu spekulieren, die doch eigentlich, so glaubte man, in der Lage seien, über die Gültigkeit oder Nichtgültigkeit eines Satzes zu entscheiden. Man gibt einen Satz in ein Nervennetz hinein – das letzte Neuron, das von dem Impuls dieses Satzes erreicht wird, feuert nicht: Der Satz ist also falsch! Oder es feuert: Der Satz ist also wahr! Das Nervensystem läßt sich, ausgehend von diesen Annahmen, als eine Art Rechner interpretieren, der ein logisches Kalkül durchführt. Und ein Neuron erscheint aus dieser Perspektive als ein Operator, der solche logischen Funktionen berechnet. Diese faszinierenden Ideen und phantastischen mathematischen Gebilde gestatteten es schließlich, künstliche neuronale Netzwerke zu bauen.“ Heinz von Foerster im Gespräch mit Bernhard Pörksen, in: Heinz von Foerster und Bernhard Pörksen: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker.“ Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg: 2019, Seite 109 Willentlich zu agieren, ließe sich mit dem statischen Vermögen interpretieren, das aus der konstruktiven Arbeit des Lernens, des Erfahrens gewonnen werden konnte. Es ist nur das zu wollen, was jene Statik aushält, oder: Nur aus dem Gelernten ist ein Wille zu bilden. Lernen als hinkommen, nicht ankommen. Etwas zu wollen, ist dann als vorgestelltes, antizipierendes Ankommen auszudrücken. Der Wille insistiert auf Erfahrung und Erfahrung generiert Willen zur Entscheidungsfalsifikation. Mit dem Vorschuss des Gelernten aufs Neue gehen: Ist dies nicht als Wille begreifbar? Die Möglichkeit des Erreichens einer Bewegung (Bewegung des Fingers), eines Begriffs – aneignend, oder mimetisch, oder Aneignung durch Mimesis – ist der Willensäußerung inhärent.6mehr zur Diskussion bietet Peter Janich an, in: Der Streit der Welt- und Menschenbilder in der Hirnforschung, aus: Philosophie und Neurowissenschaften, Hrsg. Dieter Sturma, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2006, Seite 87 bis 92, und Dieter Sturma: Ausdruck von Freiheit, ab Seite 187, sowie Herbert Helmrich mit seinem Essay „Wir können auch anders: Kritik der Libet-Experimente“, in: Hirnforschung und Willensfreiheit, hrsg. von Christian Geyer, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2004, ab Seite 92

 

 

  • 1
    Peter Janisch geht in seinem Beitrag „Der Streit der Welt- und Menschenbilder in der Hirnforschung“ explizit auf die wissenschaftlich-methodischen Probleme des hier behandelten Libet-Experiments ein. In: Philosophie und Hirnforschung, Hrsg. Dieter Sturma, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, Seite 87 – 92
  • 2
    vgl. Gerhard Roth in einem Interview der Zeitschrift P.M., April 2004, oder in Gehirn & Geist, Nr.: 6, Seite 33: Es könne davon ausgegangen werden, „dass all diese Prozesse [„z. B. Imagination, Empathie, das Erleben von Empfindungen und das Treffen von Entscheidungen bzw. die absichtsvolle Planung von Handlungen“] grundsätzlich durch physikochemische Vorgänge beschreibbar sind.“ Sigmund Freud äußerte das noch als Hoffnung [„Unsere Annahme eines räumlich ausgedehnten, zweckmäßig zusammenge-setzten, durch die Bedürfnisse des Lebens entwickelten psychischen Apparates, der nur an einer bestimmten Stelle unter gewissen Bedingungen den Phänomenen des Bewusstseins Entstehung gibt, hat uns in den Stand gesetzt, die Psychologie auf einer ähnlichen Grundlage aufzurichten wie jede andere Naturwissenschaft, z. B. wie die Physik.“ in: Abriß Der Psychoanalyse] und es kam ihn darauf an – so Hermann Lang, in: Strukturale Psychoanalyse, Seite 36 – „psychosoziale Phänomene in physiko-chemischen Gesetzmäßigkeiten aufgehen zu lassen.“
  • 3
    Vgl. Karl R. Popper, John C. Eccles, in: Das Ich und sein Gehirn, Piper Verlag München: 2002, Seite 513 unten
  • 4
    Information kühl als Änderung des Erregungszustandes beschrieben
  • 5
    Arbeit, die von entscheidender Bedeutung war. Sie trug den Titel „A logical calculus of the ideas immanent in nervous activity“ und handelte von der Funktionsweise und Impulsaufnahme und -weitergabe von Neuronen. McCulloch und Pitts zeigten, daß eine einzelne Nervenzelle die merkwürdige Eigenschaft besitzt, daß sie, wenn ein Reiz sie erreicht, entweder reagiert oder nicht reagiert, aber nichts tut, was zwischen Reaktion und Nichtreaktion liegt. Sie feuert oder sie feuert nicht, schickt über das Axon einen elektrischen Impuls oder schickt eben keinen Impuls. Wenn dieser elektrische Impuls nun eine zweite Zelle erreicht und wenn diese Zelle womöglich noch von anderen Zellen Impulse bekommt, dann entstehen merkwürdige Kombinationen. Und wieder gilt: Diese zweite Zelle, die von verschiedenen anderen Zellen Impulse bekommt, feuert oder feuert nicht. McCulloch und Pitts haben gesehen, daß sich diese Aktivität einer Zelle als die Errechnung einer logischen Funktion begreifen läßt, die da lautet: Ja oder Nein! Feuern oder Nichtfeuern! Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wurde es schließlich möglich, sich Nervennetze vorzustellen, die alle logischen Funktionen errechnen. Und dann begann man weiter über diese Nervennetze zu spekulieren, die doch eigentlich, so glaubte man, in der Lage seien, über die Gültigkeit oder Nichtgültigkeit eines Satzes zu entscheiden. Man gibt einen Satz in ein Nervennetz hinein – das letzte Neuron, das von dem Impuls dieses Satzes erreicht wird, feuert nicht: Der Satz ist also falsch! Oder es feuert: Der Satz ist also wahr! Das Nervensystem läßt sich, ausgehend von diesen Annahmen, als eine Art Rechner interpretieren, der ein logisches Kalkül durchführt. Und ein Neuron erscheint aus dieser Perspektive als ein Operator, der solche logischen Funktionen berechnet. Diese faszinierenden Ideen und phantastischen mathematischen Gebilde gestatteten es schließlich, künstliche neuronale Netzwerke zu bauen.“ Heinz von Foerster im Gespräch mit Bernhard Pörksen, in: Heinz von Foerster und Bernhard Pörksen: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker.“ Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg: 2019, Seite 109
  • 6
    mehr zur Diskussion bietet Peter Janich an, in: Der Streit der Welt- und Menschenbilder in der Hirnforschung, aus: Philosophie und Neurowissenschaften, Hrsg. Dieter Sturma, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2006, Seite 87 bis 92, und Dieter Sturma: Ausdruck von Freiheit, ab Seite 187, sowie Herbert Helmrich mit seinem Essay „Wir können auch anders: Kritik der Libet-Experimente“, in: Hirnforschung und Willensfreiheit, hrsg. von Christian Geyer, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2004, ab Seite 92

141, Sudan: Die Wüste der Wirklichkeit, die Wüste der Aufklärung

In den Enkeln wurden die Großväter wiederhergestellt. Die schmeißen mit Bomben oder teuren Häusern um sich. In das Ungeborene hineingegangen, mit Gewalt sich selbst besamt, bleiben die Kinder in der Haut der Toten stecken. Immer wieder die gleiche Scheiße, immer wieder institutioneller Narzissmus in patriarchalen Prostataten. Man hat beschlossen, wer Es und Ich sein wird. Aber geliebt wird hier nicht. Das ist eine Dienstleistung.
Erfolg wird geschöpft, aufgewogen mit Folter und Objekten ist er an den Tod gekettet, an die Mutter mit Kind in der sudanesischen Wüste.

 

1BahrEl-Ghazal Sudan, Abbildung aus dem Sammelband World Press Foto 2002, Thames & Hudson, Autor mir nicht bekannt,

 

 

  • 1
    BahrEl-Ghazal Sudan, Abbildung aus dem Sammelband World Press Foto 2002, Thames & Hudson, Autor mir nicht bekannt,

140, Tod

Der Tod ein Geisterfahrer, aus dem Nichts kommend, crasht er frontal ins Leben: maskiert mit einem Auto auf der falschen Spur. Nicht fahren ist keine Lösung. Schön rechts halten, nicht überholen. Helm und Gurt sind meine Maske, dass er mich nicht erkennt.1Vgl. Paul Tillich ebenda, Seite 86

 

 

  • 1
    Vgl. Paul Tillich ebenda, Seite 86

139, Buchhaltung & Begriff

Die Weise der Ausübung und Durchsetzung sprachlicher Herrschaft, herrschaftlicher Sprache erfolgt wertend, qualitativ einordnend, gleich, ob es um Personen, Lebewesen, Naturdinge oder Gegenstände geht. Alles Lebendige, jedwede physikalische oder organische Organisationsform wird in analogisch kaltes Erscheinen gepresst. Nach dieser phänomenalen Operation sind es nunmehr isolierte Phänomene, zu Begriffen gepresste Sensationen, kalte Kategorien, die sich diagrammisch zueinander verhalten. In der errechnenden, statistischen Übersetzung gehen die Umstände der Gegenstände nicht gänzlich in den ihnen zugemuteten Begriffen auf, auch wenn deren Eigenheiten sprachlich beschreibbar bleiben.

1Autopsie cas 7, Morris Louis, 1982, Atombombenabwurf Japan 1945

„Die Auflösung aller Produkte und Tätigkeiten in Tauschwerte [als Transformation in monetäre Begriffe] setzt voraus sowohl die Auflösung aller festen persönlichen Abhängigkeitsverhältnisse in der Produktion [d.h.: der Mensch, der mit dem Ausklinken der Bombe getötet wird, ist dem Piloten unbekannt] als die allseitige Abhängigkeit der Produzenten voneinander [ – es ist mein Bruder, meine Schwester].“2Marx, Grundrisse, MEW Band 42, Seite 89, 90

 

 

 

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    Autopsie cas 7, Morris Louis, 1982, Atombombenabwurf Japan 1945
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    Marx, Grundrisse, MEW Band 42, Seite 89, 90

138, Konditionierung (Lernen 0)

Ein Kind lernt vor allem, wie es für bestimmte Erfahrungen belohnt wird. Damit wird ihm eingeschliffen, was es erfährt, was ihm widerfährt, wenn es für bestimmte Erfahrung bereit ist. Die durch abhängiges Lob konditionierten Belehrungen machen es für bestimmte Erfahrungen erst bereit.

 

 

137, sprachliche In-Sozialisation

Beschreibung setzt dem Beschreiber nah seiende Prämissen voraus. Wenn wir sprechen, realisieren wir durch Sprache die jeweilige Umgangsform gesellschaftlich vorherrschender Vorschrift: In das Vorherseiende als vorher Geschriebenes treten wir ein: Wir werden Teil aktueller Sozialisation. Wir bewegen uns in ihren Sprachraum hinein und lernen zugleich unsere Bewegung darin. Versprachlichte Handlungsweisen, einmal in Gang gesetzt, führen eine Sperre mit sich, die es erschwert, Rekurs auf sich als Individuum zu halten, aber dessen Anpassung erleichtert. Das Sperrige nicht nur als eine über Jahrtausende währende Schrumpfung des Oralen zum (visuellen) Zeichen, sondern auch als Determination: Sobald wir in einen uns vorgesetzten, sprachlich fixierten Raum geworfen werden, sind wir dem Sog von öffentlicher Grammatik und ihren Formalitäten ausgesetzt. Die rationalisierte Relevanz des Handelns in Anweisungen, Vorschriften, Gesetztexten oder auch die sprachliche Verkürzung in Befehlshierarchien.1Vgl. Ernst Jünger, in: Der Arbeiter, Herrschaft und Gestalt, Cotta’s Bibliothek der Moderne, Seite 15 f schützt den Einzelnen vor seiner menschlichen Erwartung: Denn er füllt die Erwartungen der anderen mit ihren Anweisungen aus. Der einzeln Handelnde agiert, indem er im Prozess seiner In-Sozialisation mit deren formalen Übersetzungen arbeitet, ja: verhandelt. Eine Verweigerung gebotener In-Sozialisation führt in ein Leiden an ihr. Sie wird ästhetisch abstrahiert.2Hier Dilemma wie Reservoir in der Kunst verknotet: Das einzelne Leiden in seiner allgemein verstrickten Situation ist für die totalitäre Gesellschaft nicht relevant – das Kunstwerk müßte versuchen, die soziale Totalität, das, was Leiden macht, in sich aufzunehmen. Der interpretatorische Freiraum zeigt an, wie weit das Ziel verfehlt wurde. Vorbilder: Hieronymus Bosch, Pergamon Fries (Gigantomachie). Kaum möglich der Ausdruck von totalitären Prozessen der Realität in stillstehenden Abbildern. Nur das Prozessieren selbst gegen diesen Zustand der Wirklichkeit kann Ausdruck finden. Uninteressant der Prozess des Malens, kann er nicht zum Prozess des Betrachtens werden. Die Aufgabe bleibt, das Prozessieren gegen Malerei, Bildhauerei, um das ästhetische Feld den Rezipienten zu öffnen. Wahrhaftigkeit bemessen an der Veränderbarkeit des eigenen Handlungsraumes.

 

 

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    Vgl. Ernst Jünger, in: Der Arbeiter, Herrschaft und Gestalt, Cotta’s Bibliothek der Moderne, Seite 15 f
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    Hier Dilemma wie Reservoir in der Kunst verknotet: Das einzelne Leiden in seiner allgemein verstrickten Situation ist für die totalitäre Gesellschaft nicht relevant – das Kunstwerk müßte versuchen, die soziale Totalität, das, was Leiden macht, in sich aufzunehmen. Der interpretatorische Freiraum zeigt an, wie weit das Ziel verfehlt wurde. Vorbilder: Hieronymus Bosch, Pergamon Fries (Gigantomachie). Kaum möglich der Ausdruck von totalitären Prozessen der Realität in stillstehenden Abbildern. Nur das Prozessieren selbst gegen diesen Zustand der Wirklichkeit kann Ausdruck finden. Uninteressant der Prozess des Malens, kann er nicht zum Prozess des Betrachtens werden. Die Aufgabe bleibt, das Prozessieren gegen Malerei, Bildhauerei, um das ästhetische Feld den Rezipienten zu öffnen. Wahrhaftigkeit bemessen an der Veränderbarkeit des eigenen Handlungsraumes.

135, Sein

Das Verb ‚Sein’ vermittelt ein prädikatives Reservoir für die Dinge, für die Subjekte und Objekte der Beobachtung, und ist der ontologische Kitt zwischen den Begriffen, stellt Verbindungen von Beobachtung und Beobachteten her. (mehr …)

134, fehlende Worte

Wir können nicht reden. Ein Schock. Da ist was unterbrochen. Das Drama findet ohne seine Erzählung – ohne seinen sprachlichen Übersetzer – kein Gehör. Es wühlt im Kopf. Die Sehnsucht findet keine fremde Statt, keine Zungen, nur Schlangen in der Magengrube. Die Sprache macht keinen Laut ohne Zuhörer, ohne Luft kein Ton. Panzerplatten aus Buchstaben quetschen Worte zu Realität, bis ein Stück Lesbarkeit fertig ist. Worte schrauben die Griffe an die Realität.1Ich habe mich hier an einen für mich der mir schönsten Sätze von Wolfgang Herrndorf gehalten: „Ich schlafe mit der Waffe in der Faust, ein sicherer Halt, als habe jemand einen Griff an die Realität geschraubt.“ Wolfgang Herrndorf, in: Arbeit und Struktur, Rowohlt Berlin 2013, Seite 247
Fehlende Worte, Schweigen, Lücken, Lücken nur: verschluckte Schreie.

 

 

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    Ich habe mich hier an einen für mich der mir schönsten Sätze von Wolfgang Herrndorf gehalten: „Ich schlafe mit der Waffe in der Faust, ein sicherer Halt, als habe jemand einen Griff an die Realität geschraubt.“ Wolfgang Herrndorf, in: Arbeit und Struktur, Rowohlt Berlin 2013, Seite 247

133, Choreografie und Entropie

Die Zeichen der gelebten Zeit, die Laufspuren quer durchs Leben als deren ereignishaften Falten, eingegraben in letzte freie Hautzonen: an Händen, in Gesichtern. Wie bildet sich der Lauf der Zeit, das Laufen durch die Ereignisse im Körper ab?
Statt: Ich verliere Zeit zu sagen, müßte es heißen: Ich bin die in einzelnen, aufgereihten Ereignissen sedimentierte Zeit: Eine herausgeschlagene Figur. Erst mit dem Altern wird sie sichtbar.
Mein Körper gab sich jedem Moment hin, um an dem Ort zu sein, wo die Zeit für ihn da war. Um in der Zeit zu bleiben, vergisst man sie. Ich habe Zeit in meinen mir zu Teil gewordenen Ereignissen gehabt und nun ist meine Körperzeit nicht mehr Teil des Ereignisses.
Ich verliere die Zeit in meinem Körper. Er brauchte sie. Er tilgte sie. Jetzt weicht sie ihm, reicht nicht aus. Er verfällt, Falte für Falte fängt er sie noch. Entropie als Abnutzung: Arthrose. Die Gestalt des Menschen als entropistische Ausweitung? Verkörpert in gehäuteten Verfall-tungen. Jede Bewegung eine Form, eine Figur des Verschwindens, eine Fluktuation zum finalen Sternenstaub auf der Tanzbühne des Lebens. Eine Choreografie der Entropie – mit verschlissenen Knien, kaputten Füßen. Die Entropie des Körpers beschleunigt die Bewegungen im Jetzt – tanzen gegen den künftigen Entzug von Beweglichkeit. Unsere Ausdrucksfähigkeit: Unser Begehren gilt dem Moment, eingefaltet in die Sehnsucht nach einem Pas de Deux der Körper.
Wie lange kann man sich anfüllen, um schmerzfrei erkalten können, um durch das Loch der Erkenntnis zu stürzen?

 

 

132, Kommunikation mit Freitag

Wenn nichts zwischen uns steht, so gibt es Nichts zwischen uns – d. h. für uns. So sind wir nicht Für-uns, sind gegeneinander gleichgültig, ohne Vermittlung, weil ohne zu Vermittelndes.
Kommunikationstechnik, die das technische Verschlingen – Speichern – von Sprache vorantreiben hilft, stellt heute die phänomeno­logische Breite dar, sie ist das, was die Erfahrung vermittelt, überbringt. Medium und Message. Cool ist, wie – über welche Medien – kommuniziert wird, kaum was. Die Möglichkeit zu kommunizieren, wird zunehmend vom Verständnis technischer Medien bestimmt – was deren Inbesitznahme voraussetzt. Zu den Bahnen der Kommunikation, zur Erfahrungsweiterleitung: Die schiere Möglichkeit des Erfahrungsaustausches von Erlebnissen in Echtzeit verhindert deren entstehen, stillt das ohnmächtige Schweigen und lässt zum Verinnerlichen wenig Platz. In den technoiden Abläufen der Kommunikation wird menschliche Erfahrung vernichtet, weil sie nicht zugleich kompatibel zum (neuen) Medium der Kommunikation sein kann. So ergießt sich das ungehörte Echo unangepasster Erzählweisen als ein hörbares Rauschen. Es entsteht eine Verstopfung, die als Speicherkapazität der Cloud begrifflich besetzt wie deutlich wird. Die Selektion – also die Beschränkung von Informationszugängen und die Konvertierung von Informationen in Informationsformate – gewährt Transport und Transformation von Informationen und schlägt orale und oder visuelle Besonderheiten ab. Selektion wahrt Komplexität, die das jeweilige System braucht, um sich zu erhalten.1Vgl. Niklas Luhmann, in: Soziale Systeme, Suhrkamp Verlag, Seite 94

Die mediale Monopolisie­rung entzieht Sinn vom Kommunizierten. Es ist Vehikel. Was nützen die Toten in Schiffen, Flugzeugen und in Bebengebieten? Kann ich mich als einzelnes Subjekt dazu verhalten? Sind wir vom Kapitalismus so vereinsamt, dass wir uns mit der Simulation von Kommunikation durch Turing-Maschinen (Siri, Alexa, Cortona) unterhalten fühlen.
Ohnmächtigkeit produzieren und abstrakte Menschlichkeit erzeugen. Ja.

Der Kampf um die Verfügungshoheit über Wissen, Information findet nicht mehr nur in, oder zwischen Universitäten, Hochschulen etc. statt, sondern in Servern, zwischen Providern, zwischen Algorithmen, Firmen und politischen Interessen. Die Verwaltung der Formationen aus Informationen, aus denen das Wissen abrufbar ist, ist das, worauf die ganze Anstrengung systemischer Macht, der modernen Kommunikations-Konzerne geht. Aus ihnen kann der Bedarf an Produkten abgeleitet bzw. erzeugt werden. Die Produktion von Informationshierarchie -und Selektion tritt an die Stelle von (bloßer) Wissenserzeugung. Der Kampf um „Wissen als Macht“ führt in den Kampf um Informationskanäle über Wissen. Das Wissen allein wird sinnlos ohne sein Transportmittel: Ohne dessen Medium, ohne dessen steter Kontextualisierung = Selektion. Wer nicht kommuniziert, fliegt raus! Wer das elektronische Netzwerk nicht nutzt, wer keine Spuren hinterläßt, läuft Gefahr, ausgeschlossen zu werden.

„Wer nicht dabei war, wer nichts gesagt hat/ Wie soll der zu fassen sein!/ Verwisch die Spuren!”
(Brecht, Gedicht I, in: Lesebuch für Städtebewohner)

Ein Beispiel medialer Macht wie Abhängigkeit:
„Was wäre, wenn Sie morgen keinen Zugriff mehr auf Ihr Google-Konto hätten?“2Google Werbekampagne Die Drohung wird weiterausgeführt:
Sollten Sie nicht mehr auf Ihr Konto zugreifen können, bedeutet dies unter Umständen, dass Sie keine E-Mails mehr an Ihre Freunde senden, keine online erstellten Fotos oder Dokumente mehr öffnen und nicht mehr auf die Informationen zugreifen können, die in Ihrem Google-Konto gespeichert sind. Sorgen Sie dafür, dass Sie diese wichtigen Daten nicht verlieren, und richten Sie noch heute Optionen zur Kontowiederherstellung ein. Weitere Informationen über die Optionen zur Kontowiederherstellung.“3Google-Text aus der Werbekampagne zur Kontowiederherstellung  Man braucht den Satz nur umdrehen: Wenn man nicht auf sein Konto zugreifen kann, dann nur, weil man keine Spuren hinterlassen hat. (Natürlich auch: dass man es nicht durch online gestellte Fotos etc. genutzt hat.) Die Mobilnummer möchte Google auch in seinen Besitz bringen.

 

 

  • 1
    Vgl. Niklas Luhmann, in: Soziale Systeme, Suhrkamp Verlag, Seite 94
  • 2
    Google Werbekampagne
  • 3
    Google-Text aus der Werbekampagne zur Kontowiederherstellung

131, V-Ego – Verfremdungseffekt: Narziss im Spiegel

Das Ich als Verfremdungseffekt, als sein V-Effekt. Das Ich begriffen als sein eigenes Verfrem­dungsobjekt. Als sein narzisstisches Gegenbild – im Faschingskostüm. Stets im Kostüm; Entzweiung durch die Maskerade permanent und die Welt nur als Publikum. Im Zwang, sich von sich zu entfremden (über die Eigenliebe zur Weltvernichtung) macht die inszenierte Ich-Rolle sich die Welt Untertan. Alles soll mir zum besten dienen. (Brecht, Fatzer) Wehe, es schaut niemand zu. Von der Aufführung zum Führungsanspruch ist es nur ein Blick. Der psychische Auswurf ist das Ergebnis erzwungener Entfremdung – ich will nicht mit meinem Schmerz zusammen sein! Der erste Zuschauer von Narziß war er selbst. Was für ein fantastischer Furor, in allem sich zu erkennen und nicht hinaus zu kommen. Der narzistische V-Effekt ist ein Doppeltes, ein das Ich teilendes Ver-sprechen. Leben als stete Aktion, um auf der Bühne des eigenen Lebens das Kostüm zu flicken.

Jeder Zeit bereit,
das mit Welt
Autos Gerüchen
erstickte Leben
umzustoßen. Den Verzicht
auf die Narben
des Lebens zu üben:
Kein Woher
nur Wohin.
Überall ist zu lesen: Leugne deine Schwäche, steh dafür nicht ein!
Steh einfach auf, so ist okay!
Ausweichen bedeutet,
nicht erkannt zu werden.
Alles Qual.
Die Furchtlosen
stehen einer leeren
Welt gegenüber.
Da ist nichts, was
Angst machen könnte,
nichts Störendes mehr, kein
Schrecken.
Nur: Das Spiegelbild.