Die Uniformierung des Handelns, Konsumierens, Erlebens durch den angebotenen, permanent einbohrenden lifestyle der Massenproduktion in allen Schaufenstern, Werbeplakaten des öffentlichen Raumes umstellt uns, fordert uns heraus, individuell gegen diese Einebnung des Lebens uns differenzierend zu entscheiden. Gleichwohl dient die massenhafte Handelsware als solipsistisches Negativ für die Individuen zur Differenzierung gegen eben jenen Uniformierungszwang, dem sie ausgesetzt sind. In der Figur der Uniform drückt sich das chamäleonhafte Verhältnis dieses durch Produkte deklarierten Differenzierungsprozesses aus. In der uniformen Stilistik, bemächtigt sich der junge Mensch seines erträumten Abbilds – aussehen wie Gaga – indessen stürzt das Spiegelbild auf ihn ein, mit Massenprodukten bemächtigt sich das simulierte Abbild der Sehnsüchte und liefert den Menschen nach ihm ächzenden Waren aus. Soll heißen, das Individuum findet in vorproduzierten Ansprüchen (Uniform, ästhetische Manifeste, Modezeitschriften) und Urteilen Beruhigung, hört aber auf, sich zum Subjekt zu differenzieren, weil es den – wie zum Beispiel in der Reklame zu sehen – ästhetisierten und daher neutralisierten symbolischen Körper annimmt. Der Konsument ist seine Ware. Die Liebe scheint eine Erfindung eines Parfümherstellers oder einer Autofabrik zu sein.
Dass die Innerlichkeit ein von außen Kommendes, Fremdes von ganz nahe stechendes ist, ein Produkt, wird in der Marktgerechten Strukturierung des menschlichen Körpers zu einem marktafinen Körper längst vollzogen und steht im Text jeder Werbeagentur, oder: als Erwartung in psychologisch aufgeladener Literatur entworfen.
Warum? Weil! Schwierig. Mir fiel es nicht leicht. Die Konventionen sind es auch nicht. Stur, trotzig (gegen die Zukunft) habe ich mich, mein Werk geformt. Egal: Ich bin so großartig, dass es eine Frage der Zeit ist. Dass die Zeit mehr Zeit hat als ich, geschenkt. Dieser Icho-Saurier ist ausgestorben. Es ist kein Platz mehr für ihn da. Jetzt stehe ich also vor dem Schrott meines Werks, meiner Zeit: abgelaufen. Noch verteidige ich meine Herz-Kammer mit einigen Tricks und Drinks. Künstler-Sein gehört dazu. Das wußte schon Cypher als er wieder in die Matrix wollte. Mein erster Life-Kontakt mit Kunst war während meiner Armeezeit. 1986 sah ich Duchamps Urinal zum ersten Mal und meistens von Innen: Mit Rasierklinge während der Strafdienste als Soldat. Die künstlerische Überhöhung meiner Ich-Welt brauchte ich zum Überleben. Auf mich war Verlass, die anderen ließ ich nicht mehr ran. Vertrauen war tödlich, Mißbrauch gewöhnlich. Ich konnte das jahrelang nicht abstreifen (kaue heute noch daran).
Die Haltestelle,
Wo aus Insassen
Panzer werden,
Aus Worten
Gefängniszellen,
War noch da,
Aber kein Zug mehr
Fuhr irgendwohin.
Es ist nicht zu ändern, auch wenn es mir manchmal eine Träne füllt. Ich bin zur Kunst gekommen, um mich zu retten: dem Eindruck einen Ausdruck geben können: lebend. Aber ich war nicht bereit für mein Leben. Mit dem Rücken zur Wand/ die Zukunft hieß/ stehe ich vor Trümmern: ein Puzzle für meine Bilder. Es gilt, den U-Bahnschacht zu finden, der mich zur Geld-Arbeit fährt ecetera ecetera
(Das ist natürlich nicht alles.)
Das, was zum Malen, zum Zeichnen, zur Expression, zum Druckausgleich treibt, ist das noch nicht Da-Seiende, aber vorgestellte Bild, nicht das Malen als bloße Tätigkeit. Es ist der eingestandene Mangel an entsprechenden Ausdrucks- und Beobachtungsformen, der mir ermöglicht, überhaupt mit der wahrgenommenen Differenz zur Umwelt klar zu kommen – sie also als Differenz kommunizieren – artikulieren – zu können und als Differenz in das (artifizielle) Kommunizieren selbst eintreten zu lassen: im Bild, in der Skulptur anhand von Formen. Diese geschaffnen Formen markieren ästhetische Differenzen als Form gewordene Unterschiede und ebenso formieren sie potentiell unendliche ästhetische Differenzierungsmöglichkeiten (= Darstellungsoptionen). Malen, Kreation nur Aggregat. Ausdrückbares Leben als Ventil selbsterzeugter Lebendigkeit. Die eigene Wahrnehmungsfähigkeit -oder Begabung wird mit dem, was der Mensch schon künstlerisch zu kommunizieren weiß, stetig durch die praktisch-künstlerische Tätigkeit ins Verhältnis gesetzt. Eine Welt durch den inneren Zustand zu schleußen, heißt, das Innen, das Verinnerlichte wieder in Welt zu überführen, bedeutet, den eigenen Sprachraum in die Beschreibungsweisen der Welt einzubringen.
„Die Chronifizierung der depressiven Symptomatik ist als Folge langdauernder wiederholter schwieriger Lebenssituationen zu sehen, zu der neben der familiären Problematik die Arbeitslosigkeit (mit vielen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Praktika ohne Erlangen einer festen Anstellung) nach dem Ende der DDR hinzukam. Hier kann von einer Interaktion zwischen den oben genannten Faktoren der Umgebung und mangelnden Problem-Bewältigungsfähigkeiten – im Sinne von „Erdulden“ von Situationen statt aktiven Handelns – sowie negativen Attributionsmustern (stabil und internal: „Es ist meine Schuld, weil ich mich nie durchsetzen kann.“) mit Selbstvorwürfen zu sehen. Die Folgen der körperlichen Erkrankungen führten zu weiterer Verfestigung der Depression. Die Patientin erlebt sich ihren Beschwerden hilflos ausgesetzt, schafft es gleichzeitig nicht, ihr Selbstbild und ihre Aktivitäten in positiver Weise an die körperlichen Krankheiten anzupassen.“
„Der Patient beurteilt sich selbst als fehlerhaft, unzulänglich, krank oder benachteiligt. Er neigt dazu, seine unangenehmen Erfahrungen einem psychischen oder körperlichen Mangel seiner selbst zuzuschreiben, und hält sich wegen seiner angeblichen Mängel für wertlos. Oder aber er (bzw. sie) legt extreme Wertmaßstäbe an und beurteilt das eigene Verhalten als moralisch verwerflich oder unzureichend. Es folgt eine stetige Selbstunterschätzung und überzogene Selbstkritik.“
Eine unendliche Sinnsuche nach Negativität?
„[…] Das zeigt sich in einer mehr oder weniger aggressiven Abwehr des Umstands, dass es außerhalb des eigenen Selbst eine konkrete Wirklichkeit gibt, die das Selbst immer schon (und immer wieder neu) bestimmt. Diese Abwehr verbindet sich mit der Anklage ans Außen, dass, gemessen an der eigenen Unendlichkeit, keine Wirklichkeit je gut genug sein kann. Die Kehrseite einer solchen Aggression ist ein Gefühl innerer Leere. Kierkegaard nennt es Langeweile.“
Spieglein, Spieglein…
Aus mir kriecht die Normalität, Menschengeheul. Mit Systemkritik konnte ich einen Schirm spannen. Ich Narr, im Steinhagel hielt ich zuletzt den Stiel in der Hand – statt den Hammer. Das System habe ich mir wie ich mich betten wollte, zurechtgelegt. Das System konnte ich überall anschreien: mit meiner beschissenen Kindheit, die ich als Ideologie für mein Versagen mißbrauchen konnte. Von der Randnotiz zur Fußnote – mehr ist nicht rauszuholen. Forscher, dann Künstler geworden, um den blauen Flecken, Kopfwunden, Massakrierungen, der Angst einen Sinn zu geben. In meiner Kunst konnte ich mein Geheimnis gefangen halten, dass ich die nicht töte, die in mich rein ritzten – solang ich malen, zeichnen, spritzen konnte. Mit mir hätte ich anfangen müssen. Geworden bin ich: aggressiv, lautlos, arbeitend – bipolares Tier; im Schrei nach einer Eigentumswohnung. Heimlich in der Nacht, im Kunstknast, habe ich alle zerfleischt, AUSGETRETEN. Ich muß Krieg führen für die Margarine im Discount. Prognosen werden nicht erfüllt, dunkel im Maulwurfsbau – die Idee war teuer.
Und jetzt mit Adorno:
„Antithese. – Für den, der nicht mitmacht, besteht die Gefahr, daß er sich für besser hält als die andern und seine Kritik der Gesellschaft mißbraucht als Ideologie für sein privates Interesse. Während er danach tastet, die eigene Existenz zum hinfälligen Bilde einer richtigen zu machen, sollte er dieser Hinfälligkeit eingedenk bleiben und wissen, wie wenig das Bild das richtige Leben ersetzt. Solchem Eingedenken aber widerstrebt die Schwerkraft des Bürgerlichen in ihm selber. Der Distanzierte bleibt so verstrickt wie der Betriebsame; vor diesem hat er nichts voraus als die Einsicht in seine Verstricktheit und das Glück der winzigen Freiheit, die im Erkennen als solchem liegt. Die eigene Distanz vom Betrieb ist ein Luxus, den einzig der Betrieb abwirft. Darum trägt gerade jede Regung des sich Entziehens Züge des Negierten. Die Kälte, die sie entwickeln muß, ist von der bürgerlichen nicht zu unterscheiden.“
„Etwas ist lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten.“
Die kognitive Arbeit an einem Widerstand, einem Ereignis, inmitten einer Erfahrung verheißt eine Verarbeitung, Verabredung mit sich, um mit den neu einstürzenden Erfahrungen, mit neu aufkommendem Äußerlichen – wie es auch immer in Konfrontation mit unbekannter Erfahrung zustande kommt, zum Anderen sich ereignet – klar zu kommen. Sobald ich beobachte, wird das Beobachtete ein mir Äußerliches, ein Anderes, ein Außer-mir – in der Differenz zum Anderen bezeugt. Zugleich ist dieser Prozess ein Versprechen: sich abzuarbeiten an sich selbst mit dem anderen (Menschen, Ereignis, Phänomen). Das mir Äußerliche, meine Hände, Füße, Haare – das ist alles mein Körper, ist mit meinen Sinnen zu mir verbunden. Mein Leib ist mein Beobachtungsgegenstand. Mehr oder weniger durch mich kontrollierbar: entäußerbar und ausdrücklich. Beobachtung leitet Differenz ein: zu mir, meinem Gegenstand (der Beobachtung) oder zum sogenannten Anderen als bewußten Differenzierungsprozess im Beobachten selber (Beobachtung 2. Ordnung). Beobachtung ist schon Spaltung, Widerspruch zwischen Beobachtungskörper und (mutmaßlicher) Beobachtungsdifferenz. Ich kann nicht das sein, was ich sehe: Das Meer die Wellen dein Hals die Haut. Gerade, wenn man nicht bei sich wohnt, markiert das Andere das eigene Nicht-bei-sich-selber-sein.
Um über sich nachdenken zu können (z. B. als Simulation einer Erfahrung, als Empathie, als Sicheindenken in einen Anderen, als Empfindung), d. h. um einen Gegenstand für-sich aus sich heraus zu produzieren, zu begreifen, ist das kognitive System (Körper + ZNS + Gehirn + x) genötigt, in eine innere Kommunikation mit seiner leiblichen Begriffsarbeit zu treten. So kann der kognitive Körper sich selbst zuhören oder aus sich heraus malen, musizieren etc. In einer Art Beratung mit sich selbst, so dass in dieser Selbsterzeugung erst das genügende Potential geschaffen wird (die Differenzen oszillieren mit Informationen zwischen den Körperteilen = Wahrnehmungssinnen) bis schließlich eine Art stehende Verbindung, der oft begangene Trampelpfad, der (erfolgversprechende) Vorgang des Begreifens, der Entscheidungsfindung zustande kommt. Wird die kognitive Produktion vom vernunft- wahrnehmungsbegabten Körper getrennt, ihm abgeschnitten, weil es z. B. nur als reagierendes Element im Produktions- oder Kommunikationsprozess benutzt wird, findet er sich nicht wieder. Dann besteht die Gefahr, dass solcher Geist sich selbst befällt, verrückt wird und das kognitive Streben fällt in der Suche nach einem Ausweg, Auslass auf sich zurück oder über sich her. In intrinsischer Selbstbeschäftigung implodiert der Körper als schwarzes Loch. Er schmort im eigenen Saft.
Aus dem Mangel des Außen (Differenz kann nicht etabliert und produziert werden) wird die Abwehr des Außen generiert (Differenz wird vernichtet oder nicht zugelassen), um die erlittene Situation zu rechtfertigen. Das System ‚Bewußtsein‘ kann kaum mehr Differenz ertragen erzeugen und bricht zusammen, vor zu viel Neuem, vor dem Anderen, weil es durch die mangelnde Selektionsarbeit keine Differenz und in Folge dessen, keine Komplexität herstellen kann, die das System am Laufen hält.
Subjekt-Objekt-Schranke: Projektion, Vorstellung als Realitätstest.
Etwas – ein Objekt, einen Menschen, eine Sehnsucht – sich vorzustellen, impliziert Fehlstellen des Beobachters zum Beobachteten, als füllte man mit Vorstellungen aus, was in der Selbsterklärung von Umwelt noch nicht zustande gekommen ist. Vorstellungen sind gedanklicher Vor-griff aufs noch Nicht-Begriffene, Nicht-Gemachte. Eine Annäherung. Ein Ausdruck mangelnden Kontakts mit dem gegenwärtigen Sein (des Objekts), der Wirklichkeit. Vorstellungen, Annahmen beschleunigen, verformen die Dinge der Lebenspraxis, das Liegengelassene, die unfertige Materie in neue Zugriffs-Formen der Kommunikation. Vorgestellte, synthetische Erfahrung entpuppt sich als Spekulation über den gegenwärtigen Zustand des Objekts, des in Projektionen eingewobenen Anderen. Vorstellungen sind dann der Ausdruck unzureichender Anschlussfähigkeit eigener Erfahrung im Hier und Jetzt mit dem Anderen, aber vielleicht kann ich genau deshalb in der Zukunft anschließen? Eine Vorstellung unterstreicht die Subjekt-Objekt-Schranke zwischen Beobachter und Beobachtetem. Die Vorstellung eines Objekts, über das Objekt, geht über das Objekt hinweg: Jene Frau weiß noch nicht, das ich mir eine Beziehung mit ihr vorstellen kann, aber ich handele und behandele sie nach meiner Vorstellung.
Die Vorstellung über das So-Sein von Maria klebt den mangelnden Kontakt mit Maria – die Nicht-Erfahrung zu. Die Vorstellung wird Maria angeklebt. Die Person Maria wird vor der Erfahrung schon zugerichtet.
Aus einem anderen Blickwinkel ließe sich sagen, dass projektierte Zukunft (Pläne, Wünsche) erst gegenwärtiges Handeln provoziert, was auch heißt, dass eine Praxis in der Gegenwart nur mit Hilfe einer sich zugebilligten Zukunft gestaltbar ist. Also, wie soll man eine Beziehung, eine Familie planen, wenn auf deren Zukunft nicht vertraut wird?
An den Mond
Umarmt von
Haut
Offenen
Lippen und Wunden
Blicke werfend
Vom Balkon
In das Zwielicht der Bäume
Spät Nachts
Rauchend
Im Rausch
Bereit
Für
Die letzte
Formel des Glücks:
Offen für Liebe
Oder
Wenn nicht:
Halte den Augenblick!
In Hautspalten der
Hoffnung
In Kelchen der Worte
Wie Bienen
In schönsten Blüten
Tranken wir durstig
Berührten
Einen Sommer lang
Alles Farbige
Als
Rot tiefblau umzäunt
Der Mond
Eine Orangenschale
Zu uns kam
Am Ufer
Wo wir saßen

Das Jetzt eines Moments begrüßt in uns etwas, das vorher anfing. Es stößt uns dazu.
Getroffen von der Sprache vorgefundener Augenblicke stottern wir in die Zukunft.
Wie kann den Maschinen ein Zugang zum Denken, das Malen, Schreiben nahe gebracht – der Umgang mit ästhetischen Formen ermöglicht werden? Wie können wir unsere Objekt-Beziehung zu Maschinen überwinden, um sie endlich als Prothesen in unsere Körper aufzunehmen? Wir probieren es zuerst mit einer Simulation: Turingtests.
Umso mehr scheint die Simulation erdachter Aussagen von KI-Systemen unserem sprachlichen Denken ähnlich, weil die von und für Menschen technokratisch instrumentalisierte Ratio unserer Sprachspiele in Algorithmen als Simulation von niedergekämpftem Denken daherkommt: die offerierten PC-Maschinen werden als intelligent beworben. Aber sind es nicht unsere weiten, flexiblen Kontexte, unsere Begabung, mehrmals „um die Ecke zu denken“, die uns einen so großen Möglichkeitssinn gewähren, dass wir auch entfernten Aussagen, die Bedingung der Möglichkeit gestatten. Um so leichter kann selbstreferentielles Denken, sogenannte „Autonomie“ von Maschinen dargestellt – simuliert – werden, sobald das Sprach-System Mensch auf wenige zu befolgende Handlungsoperatoren reduziert werden kann, und sein beobachtetes Verhalten simuliert wird. Verblüffend werden dann nicht Allgorithmen, Turingmaschinen sein, die menschliches Verhalten antizipieren und kaum unterscheidbar zum erwartbaren menschlichen Verhalten agieren, sondern Menschen, die sich mit Verhalten von Turingmaschinen tarnen, je mehr sie formal technokratische Ratio für sich reklamieren. Die sich hier darstellenden Beschreibungsschwierigkeiten bestehen darin, dass der Beschreibungsstandpunkt nicht vom Beschreibungsgegenstand zu trennen ist. Die kognitiven Anforderungen an das Denken sind nicht von seiner Selbstbeschreibung zu trennen – es kommt über seine Grenze nicht hinaus. Die Paradoxie dieses Zustands vielleicht so formuliert: Die Welt erscheint dir so, wie sie ist, weil du bist, wie du bist und dein Smartphone benutzt.
Die Apps auf Smartphones als allgorithmisch agierende Befehlshaber von Sozial-Network-Maschinen (FB, Insta, Tik-Tok, Browser, Massenger-Dienste etc.) und deren Bediener sind ein Sinnbild für Turing-Maschinen ohne Künstliche Intelligenz, denn sie agieren nach einer vorgegebenen Anweisungs- bzw. Beschreibungsstruktur, die als Allgorithmen zielgruppenorientiert die jeweilige Beobachtungs-Syntax und Gewichtung ermittelter Informationen implementiert sind. Es sind Daten-Systeme, die eine Blindheit über sich selbst – und: deren Nutzer erzeugen. Von anderer Seite betrachtet, könnten normative, sich wiederholende, zwanghaft logistische Entscheidungsstrategien (in Verwaltungsapparaten) als Turing-Maschinen dargestellt werden, denn die bürokratischen Kommunikations-Akte sind vom menschlichen Agieren entfremdet. Natürlich erzeugen die Regularien von Administation eine Entmächtigung derjenigen, die sie unterschreiben (wie auch derjenigen, denen die Unterschrift gilt), weil die Entscheidungsmacht im Büroturm von den Personen, über die sie entscheidet, weit entfernt operiert. Unter der Beschwörung eines maschinell abgesicherten Ursprungs der Entscheidungskriterien (z. B. in der Organisation des gesellschaftlichen Lebens nach bürokratischen Richtlinien oder wie sie in Gebrauchsanweisungen festgelegt werden) wird die technische Metapher dieser Hypersysteme in einen vom Individuum einzuholenden rationalen Vollzug gebannt: Es galt, die Maschine zu bedienen, den Zug zu fahren. Die Anpassung des Menschen an seine ihn übermächtigenden Lebenspraxis, an die ihn konfrontierenden technischen Medien der Kommunikation (google, amazon, facebook, instagram…), also die Aufhebung, Nivellierung seiner Widersprüche zur Umwelt durch deren digitalen Konsum, wird der permanenten Verwertung zugänglich. Hier trifft sich das Bewußtlose der Maschine mit dem erzwungenen Einverständnis zu ihrer Existenz: Als Richtigkeit formaler Kommunikation.
Die Emotionen beginnen erst wieder zu pochen, wo etwas nicht funktioniert, wo die Anpassungen nicht mehr schützen. Du mußt Dich nur scannen lassen, dann ist alles wieder wie vorher und Du kannst den Stream geniessen… konsumieren.

Ratten-Nervenzelle auf einem Microchip, Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15. Dezember 1999, Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme: Fromherz, MPI Biochemie
Der produktive, der in der Produktion tätige Mensch wird entsprechenden produktionsimmanent durchgeführten Beobachtungsinstanzen übergeben (z. B. in statistischen Untersuchungen, Erhebungen durch Cookis) und sicher gestellt. Er dient dazu, zu zeigen, dass die Maschinerie funktioniert. Wenn das Subjekt schon so eingezwängt wurde, ist es ein Leichtes für von Machtfantasien besetzten, druchdrungenen Allgorithmen, von maschinisierten Machtverhältnissen mit künstlicher Intelligenz, dieses funktionale Verhalten nachzuahmen. Das Web wird mehr und mehr zum Wirklichkeitsersatz entwickelt und übernimmt die eingespeiste Wirklichkeit als quasi evolutionärer fake – Realityness. Als Bio-Adapter, als Überbrückung unserer Körper. Die Zurückführung des Menschen auf sein automatisierbares (instinktives, tierisches) Potential ist eng an das intensiv beforschte Reservoir kognitiver Vorgänge im Gehirn gekoppelt. Verschiedene Experimente können zeigen, wie die Einfühlung in den eigenen Körper auf einen Dummy übertragen werden kann, so dass ein Messerstich am Dummy als am eigenen Körper erfahren wird. Diese falsch-richtigen, ja man kann sagen: emphatischen Fremderfahrungen werfen ein neues Licht auf den alten Begriff der Einfühlung. Vielleicht ist die menschliche Einfühlung selbst auf Maschinen als Simulation übertragbar. So kann er der Maschine gerecht entgegen kommen und ihr seine eigene Intelligenz später in Turingschen Sinn unterstellen? Oder: Die Emphatie ist nicht maschinell fühlbar, jedoch: die Maschine kann Emphatisch-Sein durch die Simulation von Emphatie entgegenkommen und die menschliche Intelligenz, Wahrnehmung dadurch manipulieren. Eine Annäherung von beiden Seiten.
Wo der Mensch die Beherrschung, das Beherrscht-Sein über sich verliert, gilt er als authentisch, individuell motiviert. Zuweilen werden im TV die Gäste zu solcher Performance provoziert – so im Dschungel-Camp – falls sie nicht nur als mitspielende Staffage gebraucht werden. Die neue ästhetische Form medialer Aufmerksamkeit verlangt, sich in einer Performance, Happening des eigenen Mangels auszuliefern: Authentizität als unkontrollierte oder absichtsvolle Verletzung normativen Verhaltens. Die ästhetisch aufgeladene Geste des unvorbereiteten spontanen Agierens, oder die öffentliche Inszenierung – zur Schau-Stellung – von Intimitäten kann da nicht lange warten. Die Authentizitätsfeier der Emotionalität markiert den verkrüppelten sozialen Körper – eine Entlastung vom Leistungsanspruch biografischer Optimierung. Selbstinszenierung ist Selbstverwirklichung geworden, die Notation des Wahrgenommen-Werdens in den sozialen Medien ist zum Habitus der Person, ihre verwertbare Maske geworden. Für diese Art Selbstfindung oder Identitätsversicherung braucht es Aus-Stellungen. Das Publikum hat ein Stück, ein Skript nicht nötig, es spielt sich selbst und schaut ergötzt sich in die eigenen Masken.
Was für eine Party überall: die soziopathische Vervollkommnung der kapitalistischen Gesellschaft durch konsumtionelle Attidüden. Die Modellierung des soziopathischen Aufmerksamkeitskörpers – Selbstverwirklichung must be – im kapitalen Produktionsproszess als werbewirksames Narrativ für verstörte Konsum-orienterte Verwirklicher wird als selbstbezügliche Attidüde ratifiziert. Der Kampf gegen die Eltern wird mit den von ihnen bezahlten Sneakers beglichen.
Krankheit und Produktion gehören zusammen, selbstverständlich: persönliche Authentizität wird als Liebe, Zuneigung zu Brands vermarktet, gebrandmarkt.
Die ideale Konstruktion der Entwicklungsgeschichte des Bewusstseins in Hegels Phänomenologie des Geistes: An-sich-sein, Für-sich-sein, An-und-für-sich-sein. Der Weg vom bloßen An-sich-Sein – wie eine Form, ein Gegenstand als Hülle – zum An-und-für-sich-Sein: ich bin jetzt Hülle und sie ist mein Äußeres: ich bin mir meiner Form bewusst. Die Übergänge als Schnittstellen des Lernens oder Tunnel ungewisser Dunkelheit. Die Vermittlungstätigkeit zwischen sich selbst, einem Körper in der Welt und der Welt im Körper: als Leiden – im Unbekannten zu sein und noch nicht für sich mit eigenem Wissen da zu sein. Der Leidensprozess als Vermögen des Menschen, Erfahrung zu gewinnen auf Kosten der Objekt -und Subjektisolation (der Begriff der Aneignung: Das Subjekt als wahrnehmendes Wesen, als Wahrgenommenes ist es Objekt) – das unsichere Wissen wird mit der Annektion der Objekte beglichen. Das Leiden zugleich als Versprechen, um aus der Spaltung von Subjekt und Objekt, Körper und Welt, Vergangenheit und Gegenwart rauszukommen: zu sich. Der autistische Rückzug scheint das Gefühl der Gespaltenheit zu überwinden: man trägt die Unsicherheit nicht aus, sondern in sich. Aber setzt nicht das Lernen (die Erfahrung) eine Spaltung der wahrzunehmenden Welt in Unterschiede, Formen, also Weltteile voraus, um einzelne Weltteile als Erfahrungsmaterial fürs Subjekt zu erzeugen? Die Welt ist alles, was Form ist. Psychologisch angeknockt: Der Geist als Selbstverschlingungsprozess (cogito ergo sum). Was ist Selbstkritik?
Die Konfrontation gewohnter Lern-Erfahrung mit neuen Verhältnissen der Anpassung durch andere, neu hinzu kommende Lernkontexte – im Schulalltag alltäglich – kann als ein Erfahrung-Machen-Müssen gegen die schon erkämpfte, gewonnene, etablierte Erfahrung, als Erschöpfungszustand gegen die neu zu erbringende Anpassungsleistung gedacht werden. Dieser Zwiespalt könnte wie ein Leiden über den Verlust von gewonnen Lernerfahrungen vorgestellt werden: als Erleben des Widerspruchs zwischen neuem Lernkontext und der Zerstörung bisheriger Lernkontexte, Anpassungen. Der Lernkontext etabliert eine Bindung an das Gelernte. Gefangen in zu starker Fixierung, d. h. nicht erfolgter Ablösung oder Aufhebung der erlernten Anpassung, droht eine Aufspaltung des In-der-Welt-seins, eine Abspaltung vom sozialen Raum: in ein Innerhalb-des-Rahmens und ein Außerhalb-des-Rahmens des Anpassens. Das Beobachten des Nicht-Beobachten-Könnens stellt sich zwischen Welt (sozialer Raum) und Körper (Beobachter). Ausgeworfen aus dem bisher gelernten Erfahrungs-Rahmen, aus der etablierten und bisher gültigen Verhaltens-Norm gemäßer Erfahrung, gestresst bis unglücklich, etabliert sich die Orientierung am gewohnten Erfahrungsraum.
Ervin Goffman: „Hatte er [= jemand, ein Mensch, Hinzufügung HG Köhler] einen Platz in einem wohlgerahmten Reich einzunehmen erwartet, so steht ihm jetzt kein bestimmter Rahmen unmittelbar zur Verfügung, oder der Rahmen den er für anwendbar gehalten hatte, scheint es nicht mehr zu sein, oder er kann in dem Rahmen, der zu gelten scheint, selber nicht Fuß fassen. Er kann keine brauchbare Reaktion mehr zustandebringen. Er kommt ins Schwimmen.“
Wahrnehmen
Versuchen wir uns vorzustellen, jemand sähe seine Umgebung in Rot-Grün Abstufungen, ein anderer vielleicht in Graustufen von Weiß bis Schwarz – sei es nun wegen optischen, krankhaften Beeinflußungen oder der bloßen genotypischen Möglichkeit nach. Entspräche dann nicht das Wahrnehmen, oder die geistige (nervale) Bewegung nicht einer vor-gegebenen, determinierten (genotypischen) Einschränkung, Grenze von maximal möglichen Wahrnehmungsqualitäten? Aber die Welt des Maximal-Möglichen-Wahrnehmens existiert für den Farbenblinden nicht, wenn die Welt im Schwarz-Weiß codiert ist. Gleichwohl lernen wir, dass das Wahrnehmen gelernt werden kann. Wir liefern uns dem Verdacht aus, einige Dinge zu „übersehen“. Diese Art zu beobachten, wird von einem Ausdruck der körperlichen Unzulänglichkeit vor unermeßlich anderen Möglichkeiten begleitet. Resultiert daraus nicht das Gefühl des Verlusts von Gewißheit, anderes nicht wahrnehmen zu können, aber doch davon zu wissen? Ein Zweifel, nicht alles sehen zu können und: nicht zu sehen, was man nicht sieht? Kann man von Beobachtungsrichtigkeit vor Denkrichtigkeit sprechen, wenn doch beides ineinander verwoben ist? An der Wahrnehmungs -oder Erfahrungsstruktur könnte noch festgehalten werden, ohne dass diese Ergebnisse jenseits von mir ausstößt und mich als Beobachter hinters Licht führt. Formalisierungen, wie: Wenigstens sehen wir zweifelsfrei einen Baum, ob nun grün, dick, schwarz usw. – aber dieses grobe Sehen erzeugt eine notwendige Fatamorgana, um die wie auch immer ermittelten Wahrnehmungsschwächen als Entkopplungen von Ich-Körper und Umwelt-Körper zugunsten formaler Gemeinsamkeiten zu egalisieren. Hier ensteht Zurichtung.
Beobachten
Die Umwelt wird rationalisierend auf diejenige Struktur angepasst, angeschlossen, modifiziert, funktionalisiert, die den Prozess systemischer Selektion voranrteiben kann. Die Erzählung einer bestimmten Beobachtung wird am Beobachteten wie Beobachter exekutiert: Was du nicht siehst, ist dein Problem, denn was du nicht siehst, ist das, was du nicht sehen kannst. Die Kriterien und Umstände der Beobachtungen werden in das Beobachtete hinein gesehen. Beobachtung vollzieht Fiktionalisierung am Beobachteten – mit dem Begriff der Projektion auch beschreibbar. Der soziale Beobachtungsraum determiniert das Objekt. Wie soll das Objekt der Beobachtung unabhängig vom Beobachter sein? Das Objekt ist stets in der Beobachtungsposition eingeschlossen. Die sogennante Nüchternheit, Sachlichkeit oder gar Unabhängigkeit des Objekts (als wertfreier, sachlicher Gegenstand der Untersuchung) gegen dessen Beobachtung, Behandlung ist ebenso unwahrscheinlich wie die Unabhängigkeit des (wissenschaftlichen) Beobachters gegenüber seiner Beobachtung, der sein eigenes Objekt sucht. Die Beobachterposition strukturiert den ihr entsprungenen Beobachtungs-Prozess selbst – das Kleinste-Gemeinsame-Vielfache hilft vor der Unübersichtlichkeit, macht alles mit allem teilbar. So reduzieren wir uns auf ein vereinbartes Schwarz-Weiß, um wenigstens darüber gemeinsam reden zu können.
Verhalten zu Verhältnissen
Wenn man ein Verhalten am Beobachteten (ein Gegenstand, ein Ereignis) konstatiert, konstatiert man das Verhältnis zwischen Beobachter und seinem Gegenstand (dem Beobachteten). Das beobachtete Verhalten eines Gegenstands, Phänomens drückt in der Beschreibung des Gegenstandes, Phänomens etc. das Verhältnis des Beschreibenden zum Gegenstand seiner Beschreibung aus. Die durch den Beobachter auf den Gegenstand zugewiesenen Funktionalen aus Bedeutung und Sinn (semantischer und kontextueller Bezug) ermöglichen eine darauf gründende Beschreibung. Deshalb erscheint das beschriebene Verhalten zum Beobachteten dem Beobachter als eines, dass durch den zugewiesenen kategorischen Bezug auf das Objekt verursacht wird. Letztlich beschreibt der Beschreibende seine Beschreibungsstruktur mit (in der Syntax, in der Codierung). Die Beschreibung eines Verhaltens (vom Gegenstand x, was gerade beschrieben wird) drückt stets auch das Verhalten zur eigenen Beschreibungsweise aus. Wie mein psychisch, kultureller und sprachlicher Apparat meine Beschreibungsstruktur determiniert, was also meiner Beschreibung zugrunde liegt, verankert meine Beschreibung/ Beobachtung ebenso, wie den zu beschreibenden Gegenstand. Eine Verstärkung der Kopplung zwischen Beobachter und Beobachtetem. Das beobachtete Verhalten (eines Gegenstandes), ist das, was ich in meiner Beobachtung über einen Gegenstand erzeuge, und sagt zugleich etwas über mein Verhalten (zum Gegenstand) wie Beobachtungstandpunkt aus. So ist die Beschreibung/ Beobachtung des Gegenstandes auch ein Gegenstand meines Eigen-Interesses. Das (zu beschreibende) Verhalten des Gegenstandes ist nicht losgelöst von meinem Verhalten zum Gegenstand. Beschreiben heißt interagieren. Ein Verhalten von ‚X‘ zu konstatieren, erfordert die Konstituierung dieses Verhaltens zu ‚X‘ durch die Beschreibung (also die Konstituierung des Konstatierenden wie die Produktion von Verhältnissen des Verhaltens in der Beschreibung). Es entsteht somit als Verhältnis zwischen Beobachter (oder: Beschreibenden) und Beobachteten (Beschriebenen). Wenn man so will, ermöglicht eine vorliegende, fixierte sprachliche Beschreibung wieder die Rekonstruktion dieses Verhältnisses und fließt rekursiv in den nächsten Beschreibungsvorgang mit ein. Es ist eine strukturelle Kopplung. Re-entry.
Anders aber bei Hegel: Der Beschreibungsvorgang als psychische Kopplung und daher als widersprüchliche Kopplung mit dem Beschreibungsobjekt im Beschreibungssubjekt: Was richtet der Gegenstand in meinem Geist an? Wenn das Ich selbst sein Gegenstand ist, nehmen die Zweifel überhand. Das Ich ruft nach sich selbst, es ist sich selbst das größte Objekt und widersetzt sich gegen sich, wo es nur kann. Es kann sich selbst nicht fassen.
Auserwähltsein
Sich berufen fühlen – von wem, wodurch? Auserwähltsein: sich zu etwas erklären, bereit fühlen. Aber von woher kam der Auftrag? Aus dem Inneren des genotypischen Selbst oder kam er von den Anderen, die sagten, es wäre gut, wenn du ein großes Einzelnes bist – und schlossen dich damit als jenseitig Einzelnes aus der Gemeinschaft aus: gegen die Anderen! Eine Art Befreiung und Bereifung des Ich im (sozial konsturierten) Erfahrungsraum, um in ihm durchzurauschen? Rasend auf der Straße oder mit Worten im Gepäck.
Ein Doppelleben. Die Befindlichkeit einer im Maschinenraum des Bewußtseins versteckten Realität, im Körper, man spürt es, man weiß es für sich – „Ich bin berufen“ -, aber schreit es nicht heraus, im stetigen Widerstreit gegen die ideale Konstruktion des Selbst: Wann endlich kann aus Flüstern Schrei werden?
Wer ist das tatsächliche Subjekt im Subjekt in Hegels „Phänomenologie des Geistes“? Wer ist der Auserwählte zum absoluten Wissen? Im Film MATRIX sollte es NEO sein – MORPHEUS, der Wächter des Traumes und des Schlafes wählte ihn aus. Welche Zumutung, sich frei von allen Kontexten der bisherigen Erfahrung zu neuen Erkenntnissen druchzuringen? NEO und JESUS mussten erst sterben in der uns bekannten Welt, um in einer anderen fortan – für uns – auserwählt zu sein.
Wer ist der Konstrukteur der Atome in den Nerven auf ihrer Bahn zum Selbstbewusstsein? Oder ist es bei Hegel eine ideale Konstruktion des Textes auf seinem unbeschreitbaren Weg zum ichigen, absoluten Wissen? Auf dem Weg zur Ich-Wahrheit den Weg zu pachten, ist dann konsequent: so kann man sagen: so mußte ich ihn gehen.
Vielleicht wird man auf diesem Weg sich selbst zum Erlebnis, weil man sich so sehr in die Objekte, die Bäume der Anderen mit den eigenen Nerven verstrickt hat.
Schnittstellen markieren Übergänge zwischen unterschiedlichen medialen – also auch sinnlichen – Qualitäten. Sie schaffen Verbindungen zwischen sinnlichen, meist visuellen und habtischen Oberflächen und uns: Inter Faces. Schnittstellen bilden sinnlich wahrnehmbare Übersetzungen – Transformationen – von medialen Differenzen ab: Das Geschriebene wird hörbar, ein sprachlich formulierter Operator („Sprachbefehl“) wird auf Knopfdruck animiert. Wenn wir uns aus-drücken, übersetzen wir uns sinnlich selbst, schreiben auf ein Blatt, was wir fühlen oder bewegen uns im Raum nach Tönen.

„Informator“ (drücken, sehen, hören), mit freundlicher Genehmigung von: © Yaron Zimmermann
Schnittstellen ermöglichen die Aufrechterhaltung von Kommunikation zwischen unterschiedlichen Sinntätigkeiten (Sehen, Hören, Schreiben, Sprechen) und technischen Medien, z. B. am Fahrkartenautomaten – und ermöglichen uns, ein sinnlicher Körper zwischen anderen Körpern zu sein. Schnittstellen sind gleichsam Fähren: sie ermöglichen den Transfer, aber sind nicht das Transportierte selbst (auch wenn sie sich selbst mitschleppen müssen). Sie können als Medium verschiedene sinnliche Qualitäten transformieren. So betrachtet, ist eine Leinwand (surface!) zugleich Schnittstelle und Medium zwischen künstlerischer Arbeit und visueller Wahrnehmung. Auch ein Gesichtsausdruck kann eine Transformation zu gedanklichen Interpretationen auslösen – als Kommunikation inter faces.

„Der fruchtbare Augenblick“, S-Bahn Station Schönhauser Allee, vom Bahnsteig aus fotografiert © Hans Georg Köhler, 2020, VG Bild-Kunst Bonn
Unsere Sinnestätigkeit wird anhand zunehmender transformatorischer Schnittstellen-Praxis in Stadträumen auf ein funktionales Moment der Wahrnehmung getrimmt. Dieses funktionale Moment ist als visuelle Überformung von Bedeutungen, Gesten und sozialen Codes vielfältig in erstickender Werbung zu erkennen. Das Wahrzunehmende, besonders in urbahnen Arealen wie Bahnhöfen und zentralen Plätzen, wird kontextuell, funktional auf „rein formale Werte“ und Produkte umgedeutet, abgestellt. Wir sind irritiert oder erleichtert, wenn wir etwas wahrnehmen (können), das nicht als Schnittstelle definiert ist, noch ohne äußerliche Funktion ist.
Die menschliche Wahrnehmungsbegabung – unser evolutionärer Vorteil – wird an Werbeplätze vertickt, funktional besetzt vernetzt.
„Die herrischen Buchstaben und Bilder zwingen uns zum Lesen, während die Dinge der Welt unsere Sinne um Sinngebung anflehen. Letzere bitten; erstere kommandieren. Unsere Sinne Schaffen den Sinn der Welt. Unsere Produkte haben schon – flache – Bedeutung, die um so einfacher wahrzunehmen ist, je weniger elaboriert, je näher dem Abfall sie sind. Bilder, Gemäldemüll; Logos, Schriftmüll; Werbung, Blickmüll; Werbespots, Müllrückstände der Musik. Diese einfachen und niederen Zeichen drängen sich von selbst der Wahrnehmung auf und verstellen die schwierigere, diskrete, stumme Landschaft, die oft daran zugrunde geht, dass sie nicht mehr gesehen wird, denn es ist die Wahrnhemung, die die Dinge rettet.“