„Was anderes ist die Kunst als das Anerkennen unserer eigenen Verzweiflung?“
Kunstwerke als formal funktionierende Verzweiflungstaten!? Das Existentielle unseres Zweifels in der Kunst ist Ausdruck der erkenntnistheoretisch geschulten Spaltung des Beobachtens der Beobachterposition gegenüber, die dem Objekt der Beobachtung und dem Subjekt der Beobachtung zugleich Herr zu werden trachtet. Ich fühle etwas, bilde mir Vorgänge ein und ab und bin auf physisch wahrnehmbares Material, auf Objekte, auf meinen Körper angewiesen. Durch das künstlerisch bedingte Verfahren, Wirklichkeit zu erzeugen – in Überwindung der Spaltung von Objekt und Subjekt – ist man selbst dem methodischen Zwang ausgesetzt, seine Gedanken, Ideen und Verhältnisse als Objekt zu materialisieren. Ich als Künstler bin mein Objekt, das spricht. Der Preis von Erkenntnis (die Erfahrung, Erfahrung aufzugeben), ist ein psychodelischer Beitrag: Ich begebe mich zugunsten des herzustellenden Artefakts, der zu gewinnenden Erkenntnis, als dem Zusammenführen von Gedanke und Körper, in den Spaltungsprozess von Erfahrung hinein, um in ausdrucksfähiger oder formal darzustellender Weise ihn im Kunstwerk zu überwinden. Ich als Künstler bin Teilnehmer wie Beobachter meines Problems, meines Interesses, das in der Differenzierung von Formen, Dingen, Erfahrungen aufgelöst wird. Ich bin das Objekt, das als Subjekt darüber sprechen, malen, meißeln kann. Alles in meinem Körper ist Objekt wie Subjekt, ist Form – ist als formbare Gestaltung zu ergreifen und zu zeigen. Das künstlerische Pendeln zwischen Subjekt und Objekt erzeugt einen sozialen Raum.

Foto: Hans-Georg Köhler
Die Kunst vermag die Tomate aus ihrem nur pragmatischen Zusammenhang herausreißen: Die Kunst kann dem glänzenden Zinnober ihrer Oberfläche eine über das Nahrungsmittel hinausweisende Bedeutung verschaffen. Dafür lasse ich sie aus meiner Hand wachsen: malend auf der Leinwand.
Kommunikation als soziale Interaktion zwischen sprachhandelnden Leuten beginnt mit dem Sich-Einlassen auf den anderen, auf Unsicheres, Zweifelhaftes, noch Ungeprüftes, Differentes, auf das, was ohne Gewißheit schon da ist: die Bedingung der Möglichkeit teilzunehmen und zu reden. Möglicherweise eine Lust, in der Gegenwart eines anderen sich gegen den anderen zu differenzieren, weil der andere da ist. Differenz entsteht durch und mit dem anderen Teilnehmer der Auseinandersetzung. Individualisierung wird ermöglicht durch die Abgrenzung, die der Gesprächspartner bietet. Ohne Differenzierung – Meinungsverschiedenheit – gibt es keinen Grund, zu reden. Differenz als Bedingung für Kommunikation wie ihr Ergebnis. Ja: Wenn man nichts hat, wovon man sprechen kann, müsste man darüber schweigen.Anders im Streit: hier lauert die Gefahr, dass der kontrollierende Intellekt die erkorenen Entscheidungs- bzw. Abgrenzungsparameter stetig an den Widerstreitenden anpasst oder mit sich selbst verfeindet. Eine Unendlichkeit des Streits entsteht. Oder: Die redende Person untergräbt sich selbst und stimmt mit dem Gegenüber – der er selbst sein kann – letztlich überein. Die Bedingung des Gesprächs – Kommunikation durch Differenz auszulösen – löst sich im Zustand der Übereinstimmung, Einigung auf oder fährt sich fest, wenn die Differenz überbordet und zur Verletzung führt. Man hatte einen Grund, zu reden, aber er führte ins Nichts…

© Hans-Georg Köhler
Dann gibt es noch eine Art idiotische Bewegungsreserve, in der ständig zwischen möglichen Entschlüssen und wohlmöglichen Einigungen, neue Differenzen, neu zu beachtende Schwierigkeiten gesucht werden, und das wohlbekannte ‚Aber‘ die Konstruktion der Unentschiedenheit aufrecht erhält. Der prokrastenierende Idiot pendelt in seinen unendlichen Abgrenzungen hin und her und kommt nicht vom Fleck. Differenzen zum Gegenüber, zum Gegenstand verhärten sich zum Alibi, in der Differenz, in der Frageposition, in der Infragestellung aller Positionen zu bleiben, um nicht in die Aktion gehen zu müssen, um nicht wohlmögliche Konsequenzen einer Entscheidung zu realisieren. Der Spalt zwischen dem Sich-Einlassen auf Zweifelhaftes (Unsicheres) in einer Diskussion und der Haltung, sich zweifellos zum Anhänger des bloßen Dabeiseins der Diskussion, des Streits zu machen – ich will mitreden, jedoch ohne Konsequenz – markiert eine Angst-Reserve gegen eine Ent-Scheidung oder ist der auszuhaltende (psychologische) Spagat, um vor der Entscheidung, Aktion zu verharren. Solange man mitredet, braucht nichts entschieden zu werden. Aber nein, aber ja, aber nein. Der Entzug, die aktive Ent-Haltung vor einer durch Entscheidung ermöglichten Erfahrung oder das Nichtzustandekommen von Praxis durch die Beschneidung der Handlungsfreiheit zugunsten nicht vollzogener oder zukünftig zu erreichender Entscheidungskalküle, läuft auf eine Spekulation nichtexistenter Ereignisse hinaus. Denn die vermeintlichen oder befürchteten Folgen einer zu treffenden Entscheidung werden rekursiv in die Entscheidungskriterien einbezogen und beeinflussen die Entscheidung wie ihr Ergebnis. Die Spekulation auf eine Aktie verändert ihren Wert. Die spekulativen Folgen einer Entscheidung manipulieren somit das Fällen derselben. Das spekulierte Vorherwissen arbeitet gegen die Praxis der durch Entscheidung herbeigeführten Erfahrung und lenkt sie zugleich. Man ist resistent – nicht renitent. Die Verengung des Aktionsradius durch Ausschluss angrenzender Bereiche schränkt das Blickfeld ein und radikalisiert die Wahrnehmung.
Diese hier beschriebenen Schwierigkeiten, Praxis, Leben zu gestalten, d.h., Entscheidungen aus einem schier unendlich scheinenden Reservoir von formalen Kriterien – Formen, die jeweils Unterschiede zur gegenwärtigen Rednerposition markieren – zu treffen, geben einerseits ein Einblick auf die latente Überforderung informierter Individuen einer Gesellschaft, andererseits formieren sie die existentiellen Bedingungen für tatsächlich wahrzunehmende Praxis.
Durch meine Abbildungen rücke ich mir meine Wirklichkeit ins Bild – in einen Ausschnitt. Ich kann sehen, was ich sehen will. Ich bilde Wirklichkeit durch meine Ab-Bilder von ihr. Meinen Blick auf die sogenannte Wirklichkeit bilde ich ab bzw. nach. Was ich sehe, blickt mich an.

Fotocollage, Ausstellungsprojekt: „Verkehrschilder“ © Hans-Georg Köhler, 1997
Ich-Wirklichkeit wird vollzogen, konstruiert durch eine ästhetische Verrückung, Ver-Wirklichung der Wirklichkeit – durch den Akt der Festlegung eines Ausschnitts und durch das selbstgeschaffene Ausdrucksmaterial aus der Wirklichkeit selbst. Persönliche Ver-Wirklichung ist Ent-Wirklichung, stets Ent-Rückung von anderen möglichen Weltansichten. Ich ent-nehme der Wirklichkeit meine Bilder und ver-wirkliche dadurch meine Wirklichkeit. Langsam, mehr und mehr wird meine Umwelt mit meinen Abbildungen versehen, übersehen, überklebt, überlagert. All das, was als Rohstoff meiner Blicke dient, um sich der Welt wiedergebend auszudrücken, wird ins Abbildhafte überführt, denn in der Fixierung kann es erfasst werden. Der gemalten Sonnenblume, der Seerose, Klosterruine in Oybin kann ich die Wünsche meiner Weltdarstellung offenbaren – wenn ich sie in ein Bild gepresst habe. Die Welt wird mir erst wirklich, wenn sie – durch ein gestaltbares Medium – ausgedrückt, d. h., wieder-gegeben werden kann. Das Ausdrückbare/ Kommunizierbare in meinem Welt-Abbild entsteht durch den Unterschied zwischen meiner Welt-Abbildung und anderes möglichen Welt-Abbildungen. Unsere verschiedenen Abbilder, Ansichten sind Voraussetzung, um über das, was Welt sein kann, zu kommunizieren. Wir sprechen, streiten, einigen uns, weil wir Teile einer Welt sind – ihre egoistische Puzzlestücke.
Wenn ich mich in den Abbildern nur selbst suche und keine Welt mehr darin erblicke, wenn die durch Abbilder gewährte Fixierung sich zur Fixierung auf bestimmte Abbilder entwickelt – ist es dann ein Tic, ein narzisstischer Käfig?
Wir definieren uns aus formalen, ausdrucksmäßigen Decodierungen des Wahrnehmungsmaterials, aus anschaulichen Formen der Differenz – oder einfacher: aus der Konstruktion eines Bildes, eines Satzes, als sinnlich vollzogene Nachstellung von Welt. Wir müssen reden! Oder malen. Ein Bild, Foto, Audiotape ermöglicht fassbare Nähe, konkretes Vorstellen; es reduziert die Distanz, macht das jeweilige Weltstück eines anderen greifbar. Jedes verwirklichte Bild ist eine Konstruktion, eine Verwirklichung des Bildproduzenten. Die (künstlerisch) abgebildete Gegenständlichkeit der Welt verspricht einen Rückgriff auf einen sinnlichen Körper-Zustand und eine An-Maßung, Bemessung des Akteurs auf sein Gegenwärtig-Sein. Abbildungen sind Verkörperungen meines Blickes auf die Welt. Kunstwerke sind Blickspeicher, sie dauern, sie vergehen nicht mit dem Augenblick, denn sie halten den Kontakt mit dem ursprünglich unmittelbaren Vorgang des Erblickens, Ergreifens, mit dem Da-gewesen-sein.
Spiegel – verkehrte Welt?
Der Blick in den Spiegel als eine erste Erfahrung des eigenen Abbilds. In diesem flachen Spiegelraum kann ich mich sehen, im Tausch der Seiten, seitenverkehrt, als Ausschnitt. Über Spiegel-Bilder wird Wirklichkeit als Different-Sein zwischen Blick-Varianten der Nähe oder Ferne reformuliert. Die Welt, wie sie im Spiegelbild erscheint, stellt nicht nur einen Ausschnitt dar, vielmehr noch ein (in die Spiegelfläche) Eingeschnittenes. In diesem Rahmen, in dieser Weise des Hineinschneidens wie Reduzierens meines Blickes in die globale Welt kann ich sie partiell sehen und sehe zugleich meinen Blick in ihr. Wieder dient der Spiegel als Metapher einer Weltrekonstruktion, die man sich aus farbigen Schatten vorstellt und durch Spiegelbilder zusammenträgt, erschließt. Über Spiegelgestalten entsteht so eine Erzählung über die Welt, die durch deren abbildliche Rückkopplungen (Rückschlüsse) emphatische Vorstellungen über Wirklichkeit erzeugen hilft. In der erfahrungsgemäßen Rückkopplung auf Gewußtes wird eine Umwelt trotz vorhandener Differenzen zum Ich-Beobachter rekonstruierbar. Der Erfahrungszusammenhang, der aus Wahrnehmung, Rekonstruktion, Analyse und Interpretation entsteht, kann anderen Bewertungsmodellen unterzogen, d. h., in andere formale Ausdrucksebenen transformiert werden. So ist es in der Psychoanalyse Praxis: hier können die Interessen, die Intentionen, die einer Erfahrung, einem Trauma, einem Traum zu Grunde liegen, bildvoll dargestellt und daher sprachlich decodiert werden. Individuelle Welt-Abbildungen sind für andere Weltensichten, Interpretationen erschließbar, weil der andere Blick den eigenen herausfordert und sucht.
Alles Abbilden ist intentional. Das Intentionale des Handelns, das sich ausdrücklich – in Körpern, Sprache, in Sprach-Bildern, – niederschlägt, bricht in Texten, Bildern als erfahrene Wirklichkeit aus ihr wieder heraus. Selbst wenn Abbilder einen spezifischen Blick aus der Welt destilliert haben, können sie ihr Vor-Bild, ihren Blickwinkel, ihre eingenommene Position zur Welt nicht verbergen.
Die sinnliche, ästhetische Materialisierung – Formung – der Abbildungen und Einbildungen über die Welt führt schließlich zu Veränderungen in der Wahrnehmung von Welt. Die Insassen der Welt entfernen sich von ihr durch die Abbilder, die sie sich von ihr machen. Die Abbilder beginnen ein Eigenleben, schaffen Kontexte selbständiger, sich selbstverstärkender Weltansichten.
Naturalistische Verzerrung
Die Verrückten, die Künstler sind Spezialisten, eine eigene Welt aus einer anderen heraus-zu-rücken. Es ist kreativ, Realität durch formale Veränderung ihres Abbilds neu zu besetzen. Erfahrene Realität – als Abbild, Wissen, Gestalt festgesetzt, transformiert – wird gegen den Einfluss der Realität ausgespielt, mit den aus ihr gewonnenen (künstlerisch aufgebohrten) Abbildungen konfrontiert, überschrieben, erweitert. Der Umwelt – als eigener Erfahrungsbereich – werden Abbilder aufgezwungen, die sie verändern.
Ein (Ab-)Bild ist eine andere Realität. Es ist aus der Welt genommen, entwickelt. Man kann sich nicht auf die Wahrheit des Sehens verlassen, indem man das Gesehene abbildkonform – treu der Oberflächen – wiedergibt. Wiedererkennbarkeit als bloße Qualität gefasst, ist nichts, sie feiert Seh-Muster, nicht Erkenntnis. Naturalismus in der Kunst ist kein Realismusersatz.Ähnlichkeiten von Abbildungen mit ihren gegenständlichen Vorbildern als realistisch zu titulieren, verzerrt nicht nur die abgebildeten Gegenstände, sondern auch den Bezug des realistisch-seins zu individuellen Erfahrungen. Eine Abbildung über Realität ist eben nicht real, sondern erzeugt eine neue Ansicht zur Realität. Das formal-ästhetische Erfinden von glaubhaften Zusammenhängen zur Realität im Kunstwerk anhand analoger Verweise auf sie, ist natürlich nur ein formales Experiment, um in symbolisch-formaler Verwandtschaft zur Realität sie selbst zu domestizieren. Hier blickt Erfinden aufs Fangen. Wir erfinden kleine große Welten in Bilden, Texten, Gesten, um die Welt zu verstehen, aus der wir kommen, um vielleicht mit einer Inszenierung eines Anfangs, eine mögliche Geschichte uns selbst erzählen zu können. Verstörend daran ist, als Akteur der Beschreibung zugleich das Objekt der Beschreibung zu sein. Dieser Riss macht uns aus. Das, was dazwischen passt, ist real, Licht oder Schmerz. Wirklich ist, was weh tut. Dieser realistische Schock führt nicht zur Erstarrung der Beschreibung noch des Beschriebenen, denn aus der immanenten formalen Fixierung dieses Spalts wird der ästhetische Schrecken in Bildern, Gesten, Ausdrücken abgeleitet: als Leiden, als gefundene Form, als Bildentwurf, als Pirouette, als Form einer möglichen Differenz zu anderen Formen, die dadurch wieder wahrnehmbar, beschreibbar werden. Der Ideengehalt eines Bildes, eines Ausdrucks, einer Skulptur wird nicht durch den Augias-Stall bloßer Abbildlichkeit geleitet, sondern durch den eigenen Körper des künstlerisch Schaffenden erlangt die aufgefangene ästhetisierte Form eine bildliche Realität. Bildliche Realität als gefundene Differenz, als gemaltes Modell von Differenzierung. D.h., dort, wo ich Differenz (Leiden) in Form bringen, ausdrücken kann, kann ich zugleich die Differenz (das Leiden) als Form beschreiben. Im Bild, im Kunstwerk liegt diese Differenz mir vor. Durch mich kann ich sie sehen. Also was heißt dann Realität? Was kann gesehen werden?
Sich in Realität/ Wirklichkeit zu finden, zu emanzipieren, heißt, sich in ihr von ihr zu differenzieren.
Der Widerspruch, dieses alltägliche Drama – sich nur in der Realität (Umwelt, Gesellschaft) sich gegen sie individualisieren zu können, ist der Motor von Kreation.
Die Transformation der Differenz von mir zur Welt in die Bilder, Texte hinein entspricht dem empfundenen und herausgearbeiteten Zwiespalt des malenden Körpers (im Beschreibungsakt) zum erblickten Objekt (Beschreibungsobjekt). Das ist Empfindung: wenn der sinnliche Blick zur Form gerinnt.
(Analoge) Ähnlichkeit – die verführende Gewähr auf gesellschaftliche Referenzen durch deren symbolische, metaphorische Nach-Bildung. Der (künstlerische) Realismus wird so zur Re-Projektion einer Idee von Realität: Das Bild stützt stürzt sich auf seine Ableitungen, das reale Reservoir seiner Umwelt und ist zugleich ihr Objekt. Man kann diese Mauer – Subjekt der Beschreibung und zugleich Objekt der Beschreibung zu sein – schwer durchbrechen. Jeder neue Meißel, um die Realität zu behauen, verweist auf die Hand, die ihn hält, auf den Blick, der ihn führt.
(Wiederholung durch Wissen : Wissen durch Wiederholung)
Wenn Modelle aus beobachteten Wiederholungen von Ereignissen und Erfahrungen künftige Erwartungen ableiten, so erwachsen aus sich wiederholenden Beobachtungen abrufbare Strukturen der Erfahrung: Muster. Sie helfen Orientierung herzustellen und Erwartungen zu stabilisieren. Die Wiederholung kulminiert in der Erwartung der Wiederholung und: die Erwartung der Wiederholung provoziert Wiederholung. Durch die Wiederholung kommt es zur Gewöhnung ans Wiederholte. Die Sinne flachen ab. Theorien, Modelle, Weltbilder beschreiben nicht lediglich voraussagbare Ereignisse, Erfahrungen, sondern richten sie auch ein. Das Erkennen von Mustern geht über in deren Konstruktion. Erfahrungen entstehen also auch als synthetische Konstruktionen und erschaffen ihren Beobachtungsgegenstand selbst. Sternzeichen und Wolkenbilder. Farbe, Formen, Ordnungen, analoge oder homologe Vergleiche sind Netze, um die Gegenstände zu fangen, um sie in den Blick zu bekommen. Theoriebildung als Modellierung schafft synthetisierte Aussagen über das Beobachtete. Die Wiederholung wird durch die synthetische Konstruktion als Modellbildung kenntlich, als Beobachtungsstruktur synthetisiert. Ohne diese Konstruktion von Welt würde konstatierbare Wiederholung seltener erscheinen und erkannt werden. Die Methode, vergleichbare Tatsachen durch die synthetische Vergröberung der unbekannten Phänomene herzustellen, führt dazu, die Wiederholungen von Strukturen, Ereignissen nicht nur zu erkennen, sondern auch zu bilden.

© Hans-Georg Köhler
„Ich bin der Meinung, dass Organismen nicht passiv auf Wiederholung eines (oder mehrerer) Ereignisse warten, um ihrem Gedächtnis Regelmäßigkeiten oder regelmäßige Verbindungen einzuprägen oder aufzudrängen. Vielmehr versuchen die Organismen ganz aktiv, der Welt vermutete Regelmäßigkeiten (und damit Ähnlichkeiten) aufzudrängen.
Wir versuchen demnach, Ähnlichkeiten in unserer Welt zu entdecken, und zwar im Lichte von Gesetzmäßigkeiten oder Regelmäßigkeiten, die wir selbst versuchsweise eingeführt haben. Ohne auf Wiederholungen zu warten, machen wir Schätzungen, stellen Vermutungen an; ohne auf Prämissen zu warten, springen wir zu Schlüssen. Diese müssen vielleicht aufgegeben werden; und wenn wir sie nicht rechtzeitig aufgeben, werden wir womöglich mit ihnen beseitigt. Genau diese Theorie aktiv angebotener Vermutungen und Widerlegung (durch ein Art natürliche Auslese) möchte ich anstelle der Theorie der bedingten Reflexe vorschlagen und anstelle der Theorie, es gebe auf natürliche Weise wiederholbare Reize, die der Organismus zwangsläufig als dieselben ansehen müsse. Für uns sehen sich zwei Spatzen außerordentlich ähnlich, aber wohl kaum für Spatzen.“

© Hans-Georg Köhler
Die Grenzen des sinnlich Erkennbaren, also die menschlich fassbaren Qualitäten des Hörens, Sehens, Fühlens usw., als die Grenze der ästhetisch bestimmten Wahrnehmung werden durch die methodisch-konstruierte – synthetische – Sprengung überwunden. Rein vernünftig kennen wir das Rote, weil wir es wissen.
Ich habe oft beobachtet, dass sich die Gäste während ihres Partymachens permanent ab-fotografieren. Sie schießen Fotos oder filmen sich gegenseitig. Es schien, dass sie mehr in der technischen Reproduktion, im Auge der Apparatur zugegen sind als bei sich selbst, im Ereignis.
Als würde die Party erst real, wenn oder weil sie dokumentiert werden kann. – Realisierung durch Dokumentierbarkeit? Als Nachweis des Vollzugs, dabei gewesen zu sein? Das Fotografieren ratifiziert also das Gerade-im-Ereignis-Sein – sonst würde der Foto-Apparat nicht bedient werden können, denn er garantiert das Erleben des Momments. Der Moment des Stattfindens wird durch die reproduzierbare Abbildlichkeit mit-konstruiert: In der Dopplung des Stattfindens als erlebtes Ereignen durch die fotografische Erregung (- dem Bedienen des Auslösers) und des dokumentierten Stattfindens (durch die fotografische Abbildung). Das Erlebte wird in zwei Zeitformen gespalten: In die Gegenwart des Erlebens und in die Vergewisserung dieses Erlebens mittels fotografischer Erlebnis-Archive, wo abgelegte Gegenwart als gesicherte Vergangenheit jederzeit vergegenwärtigt werden kann. So können Fotos das Ge-lebte als Wieder-zu-Erlebendes konstruieren. Die Ratifizierung des Erlebens (in der Party) wird durch Frameraten gepresst, Verschlusszeiten zerteilt, in eine unendliche verkleinernde Erweiterung gedehnt und schließlich durch die technische Apparatur des Mediums aufgesogen, auf die Reproduktion hin abgelenkt. Ein eigenartiger Loop hat sich durch die Popularität technischer Medien entwickelt. Der Vorgang zeitnaher fotografischer Dokumention schiebt sich vor das mögliche Erlebnis: Ohne Foto, Multi-Selfie hast du keine Party gehabt, warst an keinem Ort.

Fundstück in Berlin © Hans-Georg Köhler, 2011
Die technische Determiniertheit der mitgeschleppten Apparatur bestimmt die Formen der Teilnahme am Dabeisein und ebenso bestimmt die Beschränkung der Repro-Technik selbst eine Art technischen Solipsismus des Wahrnehmungsgehalts. Die Wahrnehmung der Unmittelbarkeit eines schönen Augenblicks, das Von-ihm-Getroffensein, ist an die technische Prothese seiner Realisierung gekoppelt. Wahrnehmung geht über in ein unmittelbar vorhandenes und allzeit betriebsbereites Gerät und erweitert mein Gedächtnis um tausende Abbildungen. Mit dem Abblitzen des Geschehens – auf Baryt- oder Flashspeicher – kann der Mensch zum Betrachter seiner Erfahrung, zum Modelleur seiner Vergangenheit, zum Meister seiner Biografie werden. Im stets bereiten Posieren vor zahllosen Motiven wird die allgegenwärtige personifizierbare Abbildung zur medial-sozialen Form der Person – sie wird sich selbst zum Medium ihrer Selbstdarstellungsgeschichte. Die Pose schiebt sich als Maske vor die Person. Ja, die selbst-angeknipsten Inszenierungen werden schließlich zum selbst-definierten Rahmen der Selbstdarstellung. Der Mensch-Medien-User formt sich zu seinem Bilde, das durch die medial genutzten Codes zustande kommt und von deren Algorithmen abhängig ist, die das Bild gewähren. Die medialen Algorithmen sind immer bereit, bei dir dabei zu sein.

Reprofoto einer Leiterplatte © Hans-Georg Köhler, 2008
Eine Hochzeit von Apparat und Bedienung. Als abgebildete und damit beobachtbare – fotografisch inszenierte – Chronik kann der Netzwerk-Mensch eine Differenz zum Prozeß seines Lebens erzeugen. Jedes neue Posting bestimmt die Differenz zum aktuellen Leben neu. In diesem Sinn gehört das Foto-Machen bereits zum Ereignis dazu und ist von ihm nicht loszulösen. Das Fotografieren und Posten gehört zum Erleben des Ereignisses. Bevor es zu dieser neuen medialen Einheit kommt und bevor wir bemerken, dass es so ist, wird zunächst die vergewissernde Abbildungs-Erfahrung durch den Fokus des Fotoapparats eingeleitet, bis es schließlich als wiedererkennbares Substitut existiert. Mit der Bedienung des Auslösers erscheint das Ereignis gemacht – bevor es sinnlich als leibliches vollzogen werden kann. Der Verdacht, dass das Erfahrung-Machen unmittelbar ansteht, noch bevor es eintritt, verführt dazu, alles Passieren in ein jederzeit abrufbares Medium auszulagern. Damit ist die fotografisch überführte Erfahrung regelbar, allzeit aufrufbar, wieder-animierbar geworden. So werden Ereignisse in der Network-Zeitleiste verifizierbar. Das Erfahrungssubjekt ist Dirigent wie Musiker des eigenen Stücks und taumelt zwischen Erfahrung und Ereignis und einer vom technischen Apparat geforderten Bedienung. Die in dieser Struktur gewonnene Beobachterposition schafft Differenz zum Beobachteten ohne selbst sinnlich betroffen gewesen zu sein. Die Beobachtung 2. Ordnung – ich sehe, dass ich sehe – scheint hier ohne den ersten Schritt des Erlebens auszukommen.
Das kommerzielle Network treibt die technisch-medial bestimmte Normierung von Erfahrungmachen voran. Wenn ich soziale Netzwerke nutze, muß ich sie bedienen. Ich möchte dein Feind sein, aber kann nur like klicken. Die vertrackte Möglichkeit, eine inszenierte Biografie zu verfolgen, führt in das Paradox, das sie nicht mehr stattfindet oder eben fließend wie ein Schicksal, wird der aktuelle Lebenstatus der Vergangenheit angepasst: Man hat es jetzt mit der (distanzierten) Inszenierung, einem Image zu tun, anstatt vorzufindender, zu entdeckender Existenz. Schicksal wird durchs Network-Styling abgelöst. Schillernd und leer. Die medial bestimmte Befugnis über die Gegenwart löst die Konstruktion der Vergangenheit aus. Technik als negative Dialektik. Das gut-gemachte Foto schiebt sich als Fratze vor die Gesichter. In der Verifikation technisch ableitbarer Parameter wird Aufmerksamkeit generiert. Googlecharts sind der Schlagschatten blendenden Lichts in der Kommunikationshöhle. Verxingt bin ich meine eigene Wette auf das Erreichen der Rente – gegen den Einsatz, den Download der Anderen.
Die eigene Referenz auf das Wahrgenommene wird durch wiederholendes Konstatieren von like-buttons relevant. Die Verstärkung des Augenblicks zum medialen Ereignis nimmt existentielle Züge an. Die reproduzierbare Zeitleiste im Feed als Pfand gegen eine Teilnahme am Leben, das ein Verschwinden von Zeit ist, weil sie verschwendet wird. Die Wiederholung, das Wieder-Erkennen von sich selbst in Fotos, Chroniken etc. treibt Realisation an und bremst zugleich die Initiation von analoger Realität (= Beziehung), weil ein wesentlicher Inhalt des Lustgewinns (Gewinn als Anwendung der Lust) in der permanenten angestrebten Befriedung des Wiederholten und in der Befriedigung durch das Wiederholen – das, was schon einmal Befriedigung verschaffte – liegt. Die Phänomene werden durch deren saubere technische Reproduktion einer verlustfreien visuellen Wiederholbarkeit unterzogen (= digitale Realität). Verlustfrei deshalb, weil kaum oder keine Informationen erzeugt werden, denn die werbende Form der Selbstdarstellung konstatiert sich selbst: Die selbstverliebten Selfi-nist*Innen bestätigen (mit ihren harten Image-bildenden Wiederholungsprogrammen) ihren Status quo ego. Sofern das Wahrgenommene – ohne das es sich dem Unbekannten offen stellt – sich des schon Gewussten übergibt, sich ins stillende Urteil eines Fotos flüchtet, ist es pathologisch: festgesetzt, erstarrte Form. Angebunden, versponnen im Wann, Wo, Wohin und Wer. Fixierung setzt ein. Stil als Befund ist gefundene Form – sie ändert sich nicht mehr. Form dann als Symptom, als Insel, die Unterschiede abwehrt. Festgesetzt. Das Leben entwickelte sich aus visuell wiederaufrufbaren Erinnerungen, aus intendierter Vergangenheit, die sich auf gemachte (technisch-fotografische) Urteile beruft. Diese Vergangenheit ist das, was durch gewählte Bilder (Texte) bezeugt werden kann, sonst nichts. Im Wiederwahrnehmenwollen des Schon-Erlebten, Vergangenen schlummert die Begierde zur Wiederholung selbst. Die Quelle ist dasjenige Objekt (und davon erzählt die durch Reproduktionstechnik wiederauffindbare Wahrnehmung), das schon einmal Befriedigung verschaffte. Das Glück ist, dass die Kugel immer wieder ins selbe Loch fällt, die Erfahrung retrospektiv bestätigt wird, und dadurch ratifiziert erscheint. Aber diese Logik erscheint nur richtig, weil sie durch eine retrospektive Konstruktion des Gegenwärtigen vollstreckt wird.
Die Wiederholbarkeit von Erleben, von Erfahrung scheint eine Bestägigung wie Beruhigung des waghalsigen Lebens inmitten wackliger Existenz zu sein. Für Melancholikerist die Möglichkeit des lustvollen Wiederauffindens ihrer objekthaften Ersatz-Erfahrung konstitutiv fürs Begehren. Der sichere Ort solch geglückte Erfahrungsobjekte wiederzufinden, die dem sich äußernden Bedürfnis anheimgestellten Objekte zu finden, ist die Erinnerung in der Gestalt einer festgehaltenen Vorstellung. Der Zweck solche Erinnerungen in einem fotografisch festgehaltenen Partymoment zu initiieren, gilt mehr der Wiedereroberung von durch Erinnerung bestimmter Wahrnehmung, anstatt um die Vermittlung von neuer, noch unbestimmter Realität, die noch keinen Erinnerungswert besitzt. Als hätten die Gäste die Gegenwart schon verloren. Aus dem „es wird nie mehr so sein wie jetzt“ ist ein Nie-mehr-werde-ich-ein-im-Jetzt geworden. Aber es liegt noch mehr darin: Jetzt 2010 – die Zukunftsfähigkeit eines planbaren Berufslebens schwindet. Mittelfristig kontinuierliche monatliche Geldeingänge können nicht mehr erhofft werden.
Die Angst frisst am ängstlich erklommenen Ast nicht getroffener Entscheidungen. Die Läuse zermalmen das Blattwerk beruflicher Sonnenfläche. Ein Ich wie ich reicht nicht über das sich täglich pflanzende Eintagesgewächs hinaus. Noch grün am nächsten Tage/ steht dies Ich nur ein für Erinnerungen an sich selbst.
In dieser kurzen Abfolge von Fristen zum beruflichen Erfolg entsteht die retrospektivistische Zeitmaschine. Noch in der abgebildeten Erinnerung kann ich mich mir versichern: Als Gewesenes zwar, aber mit lebendiger Erinnerung.
Ein Foto. Mein letztes Paradies.
Die stete Reproduktion während allerlei unspektakulärer Tätigkeit wird so zur Selbstinszenierung und damit zur Rekonstruktion eines Lebensbildes, das nicht mehr stattfindet, aber zumindest wiederauffindbar ist – entgegen der verschwundenen Zukunft. Wenn in der heutigen Arbeit kein Anker für meine Miete für Morgen gelegt werden kann, wird sie sinnlos. Für das sinnlose Geldverdienen gibt es kaum mehr offene Stellen. Die Gegenwart ist zur Frohn für das erinnerbare Gestern geworden. Das Leben geht in dessen Repräsentation unter.

Architektonische Vedute, (zugeschrieben:)Francesco die Giorgio Martini (1439-1502), 131 x 233 cm
Die Entdeckung der geometrischen Anwendung der Zentralperspektive in der Renaissance findet in der Fotografie der Gleise, die in der geometrischen Flucht auf das Eingangstor von Auschwitz führen, eine barbarische Entsprechung.

Die in den Bildkörper zeichnerisch hinein getriebenen Linien werden zur Landkarte der Eroberung. Kunstwerke sind symbolisierte Eroberungszüge. Die Linien sind ein Gleichnis des kolonialistischen Vollzugs, der Warenströme in noch unbesetzte Ländereien hinein schneidet und weiter treibt. Die Menschen, Produkte, Ideen, Landschaften werden – wie im perspektivisch organisierten Bildkörper schon angewendet – einer unterwerfenden, erobernden Geometrie ausgesetzt. Dem Fluchtpunkt wird das Wahrgenommene untergeordnet. Im Vordergrund steht Zweckbestimmung und nicht Raumerfahrung. Rampe Endstation.

Autobahnbau-A38 bei Rötha. Foto: Karl Weise, 2006
Miese Jobs: Die in der Herstellung von Waren aufgewendete Zeit, ist die dem Werktätigen oder seine Arbeitskraft verkaufenden Menschen verloren gegangene Zeit – im Leben fehlende Zeit – sie ist dem sich verkaufenden Menschen abgezogen. Man schmeißt ein Pensum Zeit für Andere – Produkte, Waren, Personen – weg, um ein Stück für sich zu haben. Sozialer Austausch zwischen den Angestellten, Arbeitenden, Freelancern folgt der Zeit-Struktur der Arbeitsverhältnisse. Die Zeit, die jemand braucht, um z.B. zu essen, oder der Zeit-Bedarf von menschlichen Kommunikationsintervallen passt sich der vorgegebenen industriellen Strukturierung persönlicher Verhältnisse ein. Man produziert nicht nur seine Zeit für die Anderen, sondern der soziale Raum wird von Arbeitsverhältnissen –und Strukturen okkupiert oder wird durch die Abhängigkeit zum Arbeitsverhältnis diskriminiert. Es werden Freundeskreise nach Berufsgruppen bestimmt. Ich beobachte Individuen im ständigen Zurückweichen vor den Besetzungen ihrer angestrebten bzw. gewohnten Lebens-Räume. Hiermit findet eine Kontigentierung ihrer sozialen Zeit- bzw. Lebensräume statt, als ein Vorantreiben ihrer vakanten Existenz. Eine Art unendlich verlangsamte aber ständig vor Augen geführte Verengung, Verstopfung und Veräußerung eigener Lebensräume bis zur sozialen Begegnungsarmut. Trennungsangst, die Angst sozialen Kontext zu verlieren, beschreibt den drohenden Verlust der gesellschaftlichen Basis des eigenen Lebens.Die neoliberal geforderte Performance der Persönlichkeit zugunsten einer Massen-Markt affinen Abhängigkeit, Selbstzerstörung durch Arbeit und Konsum, zeigt sich besonders in der narzisstischen Kollektivierung sozialer Medien. Ein beängstigender Prozess der Funktionalisierung von Beziehungsverhältnissen höhlt die Menschen aus. Der trotzige Versuch gerade durch ein enges Beziehungsgeflecht dieser Situation zu entkommen – sich mit diesem dichten Netz aufgefangen zu wissen, schlägt fehl, weil die anderen Netzpunkte denselben Bedingungen unterworfen sind. Die Niederlage gewöhnt uns an den Realismus. Der Realismus gewöhnt uns an die Niederlage

realism habituates us to defeat. Ehemaliger Blumengroßmarkt Berlin. Fotoanimation, © Hans-Georg Köhler, 2008
Die Invasion medialer Aufmerksamkeitsmaschinen auf das Ich, auf das Autonomie beanspruchende Ich, auf seine wohlmögliche bestimmbare Freiheit, führt es auf seine Beliebigkeit zurück. Ein Ich – so anders wie alle anderen – passt sich an die Angebote an: individuelle Wahl im Regal. Dieser permanent verlockende Wahrnehmungsdruck durch die produktbezogene Kommunikation beengt das Blickfeld, gemeindet den individuellen Geschmack in die Waren orientierte Gesellschaft ein. Das führt zu einer allmählich schleichenden Nivellierung, Eindimensionalität der Wahrnehmungsphänomene.Der Möglichkeitssinn menschlicher Sinne wird auf erzwungene produktimmanente Ent-Äußerungen reduziert. Es wird zum Zielgruppenmutanten geschrottet. Eine (ästhetisch-therapeutische) Gegenwehr wird in der bürgerlichen Gesellschaft zur Kunst deklariert, wenn sie sich im juristisch gefälligen Kontext bewegt. Kunst als therapeutischer Schutzraum – nicht nur für ihre Produzenten. Die ins Ästhetische gehobene Form des Widerspruchs scheint geradezu Ausdruck juristischer Formung und richtiger Folgenlosigkeit. Die etablierten Kontextgefängnisse sind der gedeckte Scheck des Kunstmarkts. Unter diesem Mantel bricht und schützt dieses System ihm gemäße Kunst.
Das Zusammenbrechen unter der dem Individuum angetragenen Last kann die Psychiatrie pharmazeutisch begleiten. Gefängnisempfängnis. Künstlertum gilt als unendlicher Umweg vor der Einlieferung. Der Traum der Avantgarden – Kunst und Leben zusammen zu schweißen – geht in Erfüllung: Das individuelle Leben ist so ausgequetscht, das es (therapeutische) Rettung in der Kunst findet. Lebens-Empfängnis als Verfolgungssituation wie Fluchtreaktion. Im Sinne von: Nur das ästhetisch Reizvolle kann verfolgt werden. Das sinnlich Erscheinende ist als rücksichtsvoller Fluchtpunkt ausgemacht. Denn der lebenspraktische (Un-)Sinn der vorgefundenen Welt stellt die Differenz (Entfremdung, Uneinigkeit) zum gegen sie opponierenden Individuum desto klarer heraus.
Die künstlerische Verrücktheit stellt ein Widerstandssymptom dar, an der so unauffällig wie möglich festzuhalten ist. Die Grenze der Normalität ist nicht der Wahnsinn – am Lauf der Dinge werden wir scheitern. Das Wachsen zur bürgerlichen Persönlichkeit ist zu verstehen als Abbau von Persönlichkeit, als Distanz von ihren menschlichen Voraussetzungen. Dieses Wachsen führt fort vom menschlich respektablen Leben. Unsere Häute waren Inseln, die zerfetzt wurden, weil wir zu uns selbst durchbrechen wollten, um ein Leben zu retten: das eigene! Ein Parcours im gesellschaftlichen Minenfeld verlockender Verhaftungen. Ein Leben retten: Das eigene.
Wenn wir zu uns herausbrechen, außer uns sind, außerhalb unserer uns eingeprägten Gewöhnungen Aufenthalt erlangen, dann sind wir nicht mehr weit von uns entfernt: bald frei. Vorher aber ein Leiden am Außen, am eigenen Außer-sich-Sein und zugleich im Leiden gefangen, außer-sich-zu-sein, weil man nicht bei sich ist? Im Aus-sich-Herausdrücken, in der künstlerischen Reduzierung wird es aushaltbar. Im Inneren ist der auf sich selbst-geworfene Schmerz nicht auszuhalten. Im Außer-Sich-Sein – in der Beobachtung, Projektion des eigenen Körpers – besteht die Möglichkeit, näher an sich heran kommen: über die Kunst. Das erfahrene Gespaltet-Sein – die produktive Trennung des Menschen in sein Objekt-sein (als Bewußtsein des Körpers) und Subjektsein (als Bewußtsein durch den Körper) – kann der Beginn einer aktiven menschlichen Existenz werden. Das Gespaltensein (das Bewusstsein vom Körper und als Bewusstsein durch den Körper) wird präsent durch allerlei Macken, Vorlieben, durch Kranksein und die das Leben einschränkenden formalen Überforderungen. Künstlerischer Ausdruck als eine Art erzwungene wie angenommene, zugeworfene Rinne zwischen den Lebens-Kontinenten. Diese Schnittstelle, Grenze – die Verstörung, Entfremdung, Entwertung – einerseits wahrzunehmen und zugleich in ästhetischer Form zu kanalisieren, ist nichts anderes als die Konstituierung menschlicher Daseinsform zu ästhetisch lebendigen Ausdrucksformen: Kunst als Lebensentwurf. Als Künstler arbeitet man an seinen Grenzen selbst: Die Klinge des Ausdrucksbegehrens schneidet schlägt aus der Existenz eine (biografische) Skulptur: hämmernd, den Berg hochschleifend, den Berg sprengend – das ist schmerzhaft – suchend wie hoffend, sich zu gestalten und als Mensch Gestalt zu gewinnen. In den Spalten, Schnitt-Mengen, Widersprüchen, Grenzen formen, entwickeln wir unsere Menschlichkeit. Ein Modus, sich mit sich bekanntzumachen. Der künstlerische Akteur, die Künsterin wird für sich selbst Medium: stellt sich selbst als einen ausdrucksmächtigen Körper zur Verfügung: Jetzt endlich stellt der Körper sich dar und vor. Er stellt sich sich vor. Er begreift, ergreift sich.

Ein stetiges Bekanntmachen und Durchdringen: sich lebendig halten und abtöten. Aufzehren, niederringen, sich leben und lieben. Sich wieder zu bezeugen im vergeblichen Verschmelzungsakt mit Mama.
Die Differenz, der produktive Spalt des Wahnsinns ist markiert: Es würde mir genügen, knapp neben mir zu stehen, um Platz für mich zu haben.So geh ich durch meine Kleidung ganz aus mir heraus. Diese Fluchtbewegung zu sich, um aus sich heraus zu kommen, mutet wie eine ästhetische Kampfreserve des Künstlers an: „Für die heroische Stilisierung und Ästhetisierung des Wahnsinns gebe es eine Reihe von Gründen, die auch das umgekehrte Phanstasma verständlich machen, daß die psychotische, insbesondere die schizophrene Produktion die eigentliche Präfiguration künstlerischer Hervorbringung sei, daß der Psychotiker anstrengungslos und jenseits von Kalkül eben dies erreiche, worum der Künstler, oft genug vergeblich, ringen müsse.“Die eigene Expression als ein Als-Ob der Erkenntnis. – Man kann es ja mal probieren. Manchmal gehe ich übers Seil, um irgendwas raus zu kitzeln, heraus zu finden. Aber der Versuch, mich von der anderen Seite zu beobachten, mich als Gestalt im Stein, den Sternen oder Worten zu entdecken, verschlingt mich noch mehr in mich hinein. So entdecke ich mich in den entferntesten Gegenden und bin doch nah vertraut mit ihnen. Als Astronaut im eigenen Körper war ich der erste, der ihn vergessen und verlassen hatte. „Je mehr er [der Künstler] daran glaubt, Phänomene zu inszenieren, die er selbst womöglich nicht beherrscht, desto mehr wähnt er, Macht über Dinge und Personen zu besitzen, die diese Illusion mit ihm teilen wollen.“
Was bedeutet Identität? Eine Übereinkunft mit der Biografie, den erlittenen kulturellen, sozialen, sexuellen, finanziellen Beschränkungen/ Möglichkeiten oder die gelebte Differenz, die Abgrenzung von all dem?Als Übereinkunft und Verknüpfung des Ich-werdenden-Subjekts mit seinen gewohnten Strukturen verstanden, wäre Identität lebenslange Konstituierung des Mangels, eine selbstauferlegte Beschränkung, um mit Beschränkungen, Erwartungen (regulierend) auszukommen. Der identitäre Mensch ist gefordert, sich sein am gesellschaftlichen Erwartungs-Design perfektioniertes Spiegelbild als Gegenbild seiner Erwartungen in sich auslöschend einzubrennen. Identität ist nur Futur – ein etwas zu Erreichendes, eine Art Struktur permanenter Differenz. Identität – mit sich selbst? – kommt nicht zu Stande. Der Begriff der Identität ist eher Ausdruck von stabilisiertem Mangel, permanenter Differenz und nicht Übereinkunft, oder eben als Übereinkunft zur gelebten Differenz. Etwas nicht zu wollen, jemand nicht zu sein, das Feuer zu löschen, Brandflecke bekommen, das Sterben verhindern, die Zeit mit dem Schönen zu töten– ist das Identität? Markiert das Aufbegehren, das Abgrenzen Identität? – Als eigenes Begehren? (Feuerwehr, Polizei, Medizin – Berufsfelder, in denen etwas nicht gewollt wird: Feuer, Unordnung und Krankheit/ Sterben). Befreiung von ein- oder vorgeübten Mustern als Probe auf einen selbstischen Gang offenbart sich dem Individuum als Schnitt gegen das Gewohnte und kläckert schweißtropfend in das soziale Umfeld hinein. Im Kampf des Ich gegen sein gesellschaftlich produziertes Spiegelbild, gegen die ihm unterstellten Identitäts-Muster, erwächst das von ihm errungen Abgeschlagene zu einem ihm entrissenen Lebensraum. In fremder Umgebung geht man wieder in die Kirche. Das glücklich abgeteilte, sich abteilende Individuum trägt noch die Teilung – das Abschneiden, Kappen – als Mal bei sich weiter. Wer kann schon von sich loslassen und seinen verwundeten Körper liegen lassen. Mich ereilt nicht nur die Stunde der geteilten Nabelschnur, ich trage fortan die Narbe und verweile an der geschlagenen Verbindung. Loslassen ist Geschnittenes. Nicht: a = a, sondern: a/a (a geteilt durch a).

Meine Fäuste im Kopierer, © Hans-Georg Köhler, 1999
Alle Buntheit der Welt
war einmal
Im Bonbonpapier
Eine Verkündigung
Der Vorfreude auf Trost und Maximum
Durch Süßes
Mit glitzernden Augen
In Kistchen behutsam gelegt
Versteckt
Zum Austausch bereit
Mit anderen Versprechen

Der Herstellungsprozess eines Kunstwerks als hoffnungsvolles Sinnbild humaner Produktions-Ästhetik hat sich nicht erübrigt. Das Künstlerische am Werk ist Entschlossenheit zum humanen Gebrauch seiner Formen – auch seiner Produktionsformen. Die Angabe einer technisch bestimmten Herstellungsweise sollte für das Kunstwerk nicht entscheidend sein, sondern seine ethischen Prämissen (als Vollzug humaner Methoden der Produktion). Der Begriff künstlerischer Technik ist irreführend, weil jedwedes Handeln als technisch beschreibbar ist und in der Kunst ist technische Verfertigung von Material immanent. Die Technik ist kein Subjekt und hat kein Eigenleben, sie ist eine Verlängerung von uns selbst – als in Material gegossene, geformte Ausdrucksgestalt – und entsteht unmittelbar im künstlerischen Prozess. Natürlich sind auch technische Vorgänge für die künstlerische Formgewinnung ergiebig. Das künstlerisch motivierte Produzieren ist weniger an technischer Strukturalisierung seiner Produktionsmethoden interessiert – vielmehr an der Produktion nur, insofern sie komplexen Bedeutungsraum baut, also Spielwiesen von möglichen Kontexten entwirft. Braucht künstlerisches Handeln technische Gewissheit, um seinen Bedeutungsraum abzusichern? Nein! Man durchschießt ja gerade mit/ in der Kunst die gewohnten Erfahrungskontexte, indem die technischen Möglichkeiten in einen anderen – wieder erfahrbaren – Rahmen gesetzt werden. Ein Hochofen kann deshalb als ästhetisches Objekt entdeckt werden, der malochende Arbeiter entwickelt seine Tätigkeit zur Choreografie. Im Gegensatz zur Industrie: Das Schwein ist Verwertungsobjekt aus Fleisch, Fett, Knochen und Borsten. Die Herstellung empirischer Gewissheit dient hier als Voraussetzung der Beschreibbarkeit und Rationalisierung der Welt. Rationalisierung von Bedeutungszusammenhängen = Schrumpfung von sinnlich erfahrbaren Kontext.
Schnittstellen/ Außen
– Warum Kunst, wie entsteht sie, weshalb treibt es Menschen zur Kunst (Herstellung und Partizipation), die Sprache als Fehlstelle oder Übersetzungswiderstand
– Kunst als transformatorisches Modell zwischen den sozialen Ebenen, vertikal
– Formale Sprache als Verständigungsproblem oder Schnittstellen-Reservoir künstlerischer Ausdruckstechniken
– Hypertext & Hieroglyphe: Die Komplexität der Kontextproduktion geht in Unkenntlichkeit über (Code, Metapher & Fragment)
– Identität durch Ausschluss, Ausschluss durch Konformität ist auch möglich
– Kapitale Provokationen narzisstischer Identitäten
– Systembildung setzt Selektion voraus (die Erzeugung von Mangel an Information, Geld, Teilhabe)
– Intransparenz und Abhängigkeit (kontrollierte Korruption) als Bedingung für Netzwerkbildung/ soziale Beziehungen/ Kommunikation
– Ästhetische Pathogenese: die Anwendung ästhetischer Kategorien auf das gesellschaftliche System als Furor kapitaler Bewerbungs-Kommunikation der Produktion
Schnittstellen: Innen
– Kunst als Lebensentwurf
– Ästhetisierung des Schicksals (ästhetische Repräsentationen des Subjekts als Überlebensmetapher), Repräsentationstechniken des Subjekts zwischen Selbstdarstellung & Selbstbeobachtung, die offene Stelle bist du selbst, zwischen Produktion und Verwertung ein Nadelöhr
– Selbstdarstellung als Selbstzerstörung
– Hegels Traum (Linien zu Hegel)
– Erkenntnis als funktionelle Fiktion, Zerfaserung oder: Die Wirklichkeit als Durchbruch zum Nichts, zum Konfliktfeld
Was das spekulative, sich selbst narzisstisch projizierende, sich durch fremde Selbst-Beobachtung ausgehöhlt enervierende Ich durch die antizipierten oder vorgestellten Blicke der Anderen sieht, zu sehen glaubt: es sind die gestohlenen Augen der Anderen, mit denen das narzisstische Ich auf sich selber starrt. Als Schlund wie Öffnung ist das ersehnte, erkaufte Gesehenwerden eine Bohrstelle nach Aufmerksamkeit. Selbst die physischen Qualitäten der Phänomene werden bestritten – die schöne Blume wird neidvoll erblickt. Wenn die Welt sich nur mit den Blicken der Narzissten entdecken lässt, ist sie verloren. Überall Spiegelsplitter des Aussaugens und Erschauerns. Die im Zusammenprall mit (Konsum-)Phänomenen zum narzisstischen Körper verdichtete Grenze des Ich, ist das bevorzugte Absatzgebiet industriell erzeugter psychischer Mangel-Zustände. Die Medikamente zur work-life balance dienen der Verhärtung, stabilisieren die Norm und treiben das narzisstische Karussell kapitalen Konsums voran. Sie dämpfen die Zweifel. Die Flucht in das narzisstische Spiel der Selbstbeschäftigung mutet wie ein Mit-Spielen aus Selbstschutz an. Die Haut ist die Schnittstelle, wo Produkt-Kolonisation und Ich-Verteidigung (Selbstdarstellung) zusammentreffen:

Nike-Werbung, Hank Williams (USA), Courtesy of the artist and Charles Guice fine art photography
Als die gesetzgebende Ver-Dichtung der Arbeit zur Diktatur rasend die Häute erreichte, konnte das ehemalige Individuum zu einer Zahlenkolonne unterm Oberarm abgeleitet werden, während sich die herfallende Meute sich in eitle Uniformen schickte. „Die kapitalistische Entwicklung führt das Individuum zu einer neuen Höhe subtilen Selbstbewußtseins und zu einem raffinierten Reichtum von Subjektivität, macht aus ihm aber zugleich einen räuberischen Egoisten.“ Metzler Stuttgart, Weimar, Seite 230
Woher haben sie mich.
Wo war ich
Während meiner Inkubationszeit. Wer
Bevor ich zu mir
In die Welt kam.
Aus welchen Orten zusammengetragen?
Wie gelagert,
In welchen Stoffen,
wie zusammengefasst – designt?
Abgedrückt.
Was ist das, was mit mir ausbrach?
Wer ist es, der in mir mit mir ausbricht?
Wer sind sie?
Was für welche, die in mir verdauen,
Sammeln und fließen.
Und täglich verschwinden.
Mein Körper
Längst durch mich gewichen
Hält nichts aus
Kann mich nicht halten
Zu schwer, zu gierig
Eine Last, ein Laster
Voller Wünsche
Voll
Voller Voll und Über
Ende
Sommer wird er kalt gemacht
Die Löcher
Im System
Sind mein Schlund Stiefel im
Sumpf
Weiches Hirn
Bricht im Discount
Durch
Erpresste Billigware
Zu Tränen
Zwischen Krieg und kriegen aus.
Marschiere in Schaufenster
Sie zu treten
Das soll kaputt gehen
Was ich nicht habe
Soll falsch sein
Krieg mein Versteck
Schlüpfe hinein
Krieg ich
eine neue Hose?
Die bürgerliche Familie erscheint als Gefängnis-Modell. Sie hat durch sich selbst am meisten unter sexuellen Übergriffen zu leiden. Vielleicht liegt das an der Enge der Zelle? Ein Zwangsmotor ohnegleichen: Monozelle. Batterie. Klein, eng, verschwiegen. Die äußerste Verlegung der Mit-Täterschaft um das Individuum herum, Laokoon, durch Verwandtschaft, eigenes Blut, familiär beschmierte Bande. Die von Produktion abhängig definierten Familien-Mitglieder werden durch das vorhandene Arbeitsverhältnis ersetzt und diskriminiert, zusammengeschweißt oder zerhackt und als familiäre Funktion in der Produktion mißbraucht. Ausgangssituation. Die Implementierung von familiären Strukturen in Fabriken, Kliniken, Armeen ist zu beobachten wie auch die industrielle Instrumentalisierung der Familie. Einerseits die Spiegelung familiärer Strukturen in hierarchisch gegliederten Arbeitsprozessen, andererseits der einschneidende Zugriff moderner Arbeitsstrukturen auf die Familie, geradezu deren Abbildung in herrschenden Techno-kratien erschwert dem Individuum seine solipsistische Chance, sich tatsächlich einzeln zu fühlen. Die Nutzung familiärer Instanzen im System institutionalisierter Autorität als Abschwächung und Vertausendfachung des herrschenden Vaters, um den Schuldzusammenhang ein- bzw. weiter zu führen, aufrecht zu erhalten und auszubeuten. Eine Instrumentalisierung und Ausbeutung narzisstisch geprägter Defizite kennzeichnet die hierarchischen Verhältnisse. Die ehemals mangelnde Mutter- und Vaterfunktion verfestigt sich und kehrt in gesellschaftlicher rationalisierter Arbeitsgegend wieder. Diese Familisierung gemahnt in der institutionellen Wiederholung an den totgesetzten, tabuisierten und in die Familie eingesperrten Inzest – gerade mit dem über die Familie belegten gesellschaftlich-produktiven Bann. Ein Mißbrauch oder die Selbstliebe aus Mangel an Aufmerksamkeit zieht seine Bahn.
Das gemünzte Leben, ein falsches, um Beziehungen zur Welt zu erhalten und um sie unterhalten zu können, löst die Beziehungen, Verhältnisse zur Welt, zum Fremden auf: zur Nicht-Beziehung, zur Äußerlichkeit. Dialektik und kein Meer. Wir wollen einander kennenlernen. Der Verkehr der Geschlechter (weniger aber in der Familie) ist Umschlagplatz der Utopien, der Versprechen – sie sind sich selbst nur da genug. Nur hier und jetzt: Die Liebenden.