296, Komplexität

Unsere Reaktionen auf die Komplexität der Ereignisse, Situationen und Gefühle besteht meist darin, dass sie vereinfacht, eingeschachtelt oder perspektivisch eingeengt werden: Mit logischer und medialer Gewalt werden sie trivialisiert – durch induktive oder deduktive Paralyse, durch Entnahme oder Weglassung von Details aus dem Blickfeld oder durch die Zerstörung von Wahrnehmungsmaterial. Individuelle Konzentrationsorte der Gestaltung von Zerstörungswut sind im Krieg im Staunen an Explosionen und in der Kunst in der Ästhetisierung der Zerstörung zu finden. Die Ästhetisierung der Gewalt, um Abstand zur Gewalt zu gewinnen, schlägt um in Gewalt gegen sich selbst.

Trailer zu >>Physis<<, 2009

Kunst als menschliche Form des Krieges gegen sich selbst: Das positiv gerichtete Arbeiten auf ein Ziel hin ist eine Belagerung dessen, was außerhalb dieser Konzentration liegt. Wenn z. B. individuelle Geschichte nur unter bestimmte Ereignisse subsumiert wird – als Storyline stilisiert, dann wurde sie bereits in Fluchtpunkte, Betrachtungsziele aufgelöst: Es ist zu komplex, um alles zu erzählen – und es interessiert auch niemanden.