# 36 / Lieben als Abhängigkeit, Gefühle als evolutionäre Simulation

Variante 1: Dieses „Alles für den Anderen zu geben“ („Ich lege die die Welt zu Füßen…, um dich ein einziges Mal zu küssen“, Nena), oder eben „alles haben zu wollen“ („Ich will alles und zwar sofort…“ Gitte Henning), was nur die andere Seite des Stücks, – so oft besungen, beschworen beschlagert – zeigt vorweg einen in Kauf genommenen Verlust, eine freiwillige Herausgabe von Ich-Teilen, von eigenen Kontroll-Bereichen an. Wie zum Trotz gegen sich, gegen die ungenügende Selbstliebe – zu schwach sich selbst zu lieben, wirft man sich vor andere Füße. Als gelte es, die Selbst-Unterwerfung gegen sich wiederholt am Anderen abzugelten oder gern anzubieten, dienend: mit den eigenen Schwächen und eingeübten Bedürftigkeiten.

Variante 2: Die Abhängigkeit vom narzisstischen Körper, die Bedürftigkeit nach sich selbst, braucht die Hülle des Spiegels, die Haut ein Spiegel, die der Andere mit jeder Pore bereithält. Das Liebesopfer für sich selbst – sich selbst mehr zu lieben als den Anderen – braucht einen Zeugen. Hier wird die eigene, liebende Person im Liebesver­hältnis aus sich heraus, weg von sich abgearbeitet.1„In der Welt des Tausches hat der Unrecht, der mehr gibt; der Liebende aber ist allemal der mehr Liebende. Während das Opfer, das er bringt, glorifiziert wird, wacht man eifersüchtig darüber, daß dem Liebenden das Opfer nicht erspart bleibe. Gerade in der Liebe selber wird der Liebende ins Unrecht gesetzt und bestraft. Die Unfähigkeit zur Herrschaft über sich und andere, die seine Liebe bezeugt, ist Grund genug, ihm die Erfüllung zu verweigern. Mit der Gesellschaft reproduziert sich erweitert die Einsamkeit. Noch in den zartesten Verzweigungen des Gefühles setzt der Mechanismus sich durch, bis Liebe selber, um überhaupt noch zum andern finden zu können, so sehr zur Kälte getrieben wird, daß sie über der eigenen Verwirklichung zerfällt.“ Adorno, Horkheimer, in: Dialektik der Aufklärung, Fischer Verlag, Seite 80  Wie aus Überfluß mit sich selbst wagt man die Lehre des Anderen? Aus Mangel an Liebeserfüllung mit sich wirft man sich vor neue Spiegel, zu neuen Angesichtern, um bekannte Verluste zu bezeugen! Das hungrige Ich kann nicht gestillt werden – nicht mit den eigenen Schwächen, Abhängigkeiten. Jede körperliche Anteilnahme bedeutet doch, Teile vom Ich zu geben, herauszurücken, um den Austausch der Bemächtigungszonen mit dem Herrscher, der Herrscherin einzuleiten, endlich den Verlustrausch zu feiern. Der physisch und psychisch in Wortkleidern versteckte Terror kommt später: In der abhängigen – toxischen – Beziehung. Das Gefühl, sich nicht als angenommen zu bekommen – im Begriff des Mangels nach dem Anderen ausgedrückt – ist stärker, als sich zu verlieren oder sich selbst (mit den eigenen Defiziten) anzunehmen. Was die Eltern nicht als Selbstverständnis des Geliebtseins aufbrachten, ist die Wunde. Ich höre oft sagen: Ich möchte geliebt werden, wie ich bin. Aber erst, wenn du geliebt wirst, kannst du sein, wie du bist.

Variante 3: Die fatale, aber praktikable Vorstellung, den Begehrten, Geliebten eng an sich zu fesseln, im eigenen Körper zu verstecken, damit der geliebte Mensch zum erfühlbaren Teil des eigenen Körpers werden kann, als Objekt ihm förmlich anhaftet, mit ihm verhaftet, internalisiert ist und den Angefesselten tatsächlich beeindruckt, erzeugt ebenso eine Angst vor dem Verlust oder Abfall des körperlich eingemeindeten, geliebten Areals. Das liebende Wesen ist ein teilendes Wesen. Das geliebte Wesen kann sich fragen, was es geben kann oder will: „Was willst Du von mir“.
Das, was als Projektion des eigenen Begehrens am Begehrens-Objekt vorweggenommen, vorgezeichnet wurde – selbst der Erfüllungsort des Begehrens des anderen Menschen zu sein – wird im Falle des Scheiterns, der andere begehrt den Begehrenden nicht, am eigenen Leib praktisch nach- oder eingeholt. Es beginnt der Hass gegen die eigene Schwäche, Bedürftigkeit, einen anderen begehrt zu haben ohne die Gewissheit, Hoffnung, sich selbst als liebenswert zu empfinden – also sich nur der hoffenden Projektion ausgeliefert zu haben. Die bedürftige Psyche schlägt in Organität, in pathologisch gewordenes Leiden um: die psychischen Dellen werden sprachliches Organ: Selbst-Zweifel tarnt sich als Melancholie macht sich breit, eine Trauer um das verlorene Objekt vielleicht in der Lyrik. Das körperliche Ergriffensein weicht in einen sprachlich verkürzten Bedeutungsraum aus, in eine sinnlich überschießende Anschlussfähigkeit, die eine Verlustanzeige markiert. Endlich: Das Gefühl unvollständig zu sein, befördert die Verklumpung der Anhängsel, verrührt die ungefüllten Leerstellen des Bedürfnisses nach Zuneigung zum ästhetischen (sprachlichen) Haufen, eingeleitet von der Erfahrung, unvollständig gemacht geworden zu sein: Der andere Mensch hat die eigene Leere gezeigt (erzeugt). Der so eingeholte körperlich sich suchende, sich ausdrückende Mangel an Aufmerksamkeit im Liebesschmerz ist zumindest durch die räumliche Nähe – der Schmerz bleibt bei dir, du bist der Schmerz – abgeschwächt. Der Schmerz will behalten sein. Die sich körperlich ausdrückenden Liebes- und Erfahrungszustände, die sich als körperlich empfundener Verlust der Liebes-Erfahrung breit machen, treiben den klagenden und beklagten Körper zu ausgleichenden Wucherungen. Phantomschmerz oder künstlerische Liebessehnsucht. Hier irgendwo der Umschlagplatz der Liebes- oder Hassgefühle in ästhetische Bewältigungsformen: Expression. Die Aggressionslust gegen das sich wehrende Liebesobjekt scheint natürlich, denn das vereinnahmte, versteckte Liebesobjekt gilt es zu verteidigen wie sich selbst. So von sich losgelöst, außer sich – unvollständig – verteidigt der Mensch nur sich selbst, indem er den anderen Menschen in sich unterdrückt und nicht losläßt. Das „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ ist hier destruktiv: Liebe ihn erst, nachdem du ihn verschluckt hast, dann verteidige ihn sosehr er deine Nahrung ist. Das terroristische Verhalten gegen das eigens zur Liebe gewünschte, begehrte Objekt drückt diese erlebte Unvollständigkeit aus. Im Nicht-Vollzug des Begehrens entwickelt sich ein gewalttätiges Verhalten – auch selbstzerstörerisch – gegen das Liebes-Objekt. Das Liebes-Objekt ist Subjekt im Subjekt geworden. Das Objekt der Liebe, des Begehrens hat den liebenden Körper als Platz, Areal, ja Objekt ergriffen – er ist Objekt der (unerfüllten) Liebe geworden, nicht Herr seiner selbst. Das (objekthafte) Begehren ist in seinen Körper zurückgekehrt. Es ergreift ihn, stürzt fremd und unerklärlich auf ihn ein. Man könnte sagen: Der von Liebe besetzte Körper verlässt sich (geht außer sich), sobald er von Liebe besessen ist. Vom >Objekt< sprechend, befinde ich mich bereits in der Veräußerung des eigenen Begehrens zu einem Objekt hin, dem sich das Begehren ausliefert, aber – wie wir wissen – das Objekt des Begehrens ist der Begehrende selbst.
Die Bildung von Ersatzobjekten des Begehrens – also die Konstruktion einer Zuwendung auf ein Mensch-Objekt ohne dass dieses von seinem Begehrt-Werden erfährt – folgt der immanenten Differenz zum uneingelösten Begehren, das keinen menschlichen Ansprechpartner findet. Wenn aus der Differenz von Begehren und mangelnder Erfüllung sich nichts oder keine Liebe gründen lässt, wird wohl die Projektion auf begehrenswerte Objekte, die Differenz zur Nicht-Liebes-Praxis, als Differenz zur liebenswürdigen Liebe den Körper ausfüllen. Ein Riesenmarkt für Sehnsüchte aller Art gewährt dieser Differenz Aufschub (die Kunst, das Pornografische, die Mode, der Konsum). Das menschliche Begehren ist nicht verhandelbar, es ist existentiell, aber das Bedürfnis kann bedient werden. Sexuelle Verdinglichungen von Menschen – im Sinne des Marktes ist Begehren nur vergegenständlichte Objektivierung von Körperpartien – sind Stellvertreter für uneingeholte Bedürfnisse. Denn jedes (begehrenswerte) Objekt fungiert als Abbildung des nicht eingeholten Liebesversprechens (als Ersatzobjekt) und drückt den zugedeckten Liebesmangel, das unbefriedigte, unbefreite Begehren aus.

 

 

 

 

# 35 / Objekte: trennen und nähen

Das Erkennen von Eigenschaften eines Objekts (Gegenstandes, Phänomens), seine Einordnung in Kategorien (Farbe, Proportion, Nähe und Distanz und andere Qualitäten) erfordert, vollzieht gleichsam eine Trennung des Beobachters von seinem beobachteten Objekt. Die  Emanzipation des Beobachtenden ist in der tiefsten Nähe zum Objekt seine Abnabelung von dem Objekt und dessen Welt, in der das Objekt zu Hause war. Die Objektwahl, das (sinnliche) Sein im Objekt geht wohl mit dem Entrückt-Sein von Welt einher.

„So ist das Ich ein von der Welt mit seinen körperlichen Sinnen getrenntes Wesen, eine
dauernde Naht zwischen Welt und sich selbst und seinen Objekten…“

Das erfahrene Anderssein wird durch diesen Prozess der Differnzierung bewußt. Die Formung zum Individuum ist eine Trennung von der Welt durch deren Aufspaltung (Transfromation) in seine Objekte – sie werden vom beobachtenden Individuum aus ihr herausgezogen und damit trennt, emanzipiert es sich stückweit von der Verbindung mit der Welt: Objektivierung als Spaltung von Welt findet statt – eine omnipotente Wahrnehmung, alles sehen hören riechen, erschwert die Scheidung zwischen Sinnlichkeit und Objekt. Für die Dünnhäutigen verschwimmt die Grenze. Jedoch brauchen wir die Differenzierung zum Umunsher, zur Welt, um uns selbst zu finden: gegen das Andere – mit den Anderen. Differenzierung wird durch unsere Sinne vorangetrieben, d. h. die Welt in unseren Differenzierungen wird durch unsere Sinne erst gefunden, dann sortiert, (versprachlicht) eingeteilt. In der Wahrnehmung der Naht zwischen der Welt und uns erkennen wir die von uns, durch uns getrennten Objekte, Dinge, Phänomene und: uns selbst. Wir erkennen uns nicht selbst ohne die Markierung des Anderen.
So ist das Ich ein von der Welt mit seinen körperlichen Sinnen getrenntes Wesen, eine dauernde Naht zwischen Welt und sich selbst und seinen Objekten, und ist ein durch seinen wahrnehmenden Objektivierungssinn losgelöstes Objekt selbst geworden, das sich selbst aus der Welt harausriss. Ja, das Objekt der Beobachtung wird das Subjekt der Beobachtung, wird in ihm – als der Sinn für es – aufgenommen. Die Verschmelzung – oder: Empathie – für das Objekt, das Andere, und dem Subjekt der Beobachtung (der Beobachter) gelingt nach der Trennung, der Differenz von ihm. Alle Objekte, Dinge, die dieses Ich sehen, hören, schmecken, sprüren kann – so schön und farbig, unerklärlich – sind nicht (nur) Ich, nicht es selbst. Die Konstituierung des selbstischen Individuums erfolgt durch seine gegen sich selbst geführte sinnliche Objektivierung.1Vgl. Max Bense, in: Ausgewählte Schriften, Band 1, Verlag J. B. Metzler Stuttgart Weimar, Seite 34
Das Ich ist das, an dem der Riss durch es selbst geht. Die Erfahrungsstrukturen eigener sinnlich konstatierten Objektivierungen annektieren das Ich, den Körper selbst – (seine Sinne) als Kapital eigener Entfremdungsleistung. Unsere Sinne sind an die von uns entfernten Objekte gebunden. Sie repräsentieren unsere Sinne. So präsentiert mein Kleid oder das Auto nicht nur meinen Sinn für dieses Objekt, sondern es re-präsentiert auch das Objekt meines Sinns als Status meiner Sinnlichkeit. Wahrscheinlich daher die Schwierigkeit, Gelerntes, das einmal eroberte Objekte durch neu provozierte Sinnzusammenhänge aufzugeben: In der Verknüpfung von Wahrnehmungssinn und Sinn für das wahrgenommene Objekt besteht die Schwierigkeit, die Kinderstube der Sinne zu verlassen, also die ersten Sinn-Erfahrungen durch abgeklärte Begriffe, Sprache zu ersetzen, zu überwinden. Der unendliche Seidenfaden des Wissens in den Nervenstrecken kokoniert das Objekt, macht es sprachlich fest. Das Objekt ist uns ausgeliefert, es ist vor uns bewegungsunfähig, kann unseren Sinnen wie Worten nicht entwischen – aber vielleicht fliegt der sich entlarvende Schmetterling einfach davon.

 

 

# 34 / Träumen mit Walter Benjamin

Bei Walter Benjamin gehören die Methode der Montage und die Inszenierung des Traumes, in dem abrupt arrangiert-montierte Zitat-Materialien des Erelebens erscheinen, zusammen: Gedanken als Bilder oder Bilder, Dinge als mögliche Darstellung von Gedanken, Erinnerungen. In der Montage, also in der Isolierung gewohnter Bilder zu Bruchstücken von sinnlichen oder historischen Verweisen, in der konstruktiven Zwangsverklebung konkreter Phänomene (Dinge, Gerüche, erinnerte Ereignisse), wird das montierte Material ver-träumt, neu verklebt, versinnlicht: Die neu arangierten Teile, Formen, Gegenstände… werden aus der Patina ihrer herkömmlichen (biografischen) Verwendung – aus ihrem bisherigen Kontext – heraus-gezogen und assoziativen, spontanen Überlegungen, (Traum-) Erlebnissen zugänglich gemacht: Eine Idee zu haben, ist ähnlich einem Traum: Du assoziierst Gestalten und hoffst darauf, sie in eine eigene Ausdrucks-Realität zu übersetzen, um sie für dich sprachlich verlebendigen zu können. Der methodische – ästhetische – Trick, die Wirklichkeit in den Traum, in ein Traum-Ideengeflecht zu heben, hofft darauf, die erinnert-geträumte Welt der gewöhnten Kontexte in einem neuen Traum-Kontext als pur, nackt wieder vor- und nachzuerzählen und damit zu rekonstruieren, was durch Alltäglichkeit oder in alltäglicher Welt als vergessen galt. Es gilt „mit der Intensität eines Traumes das Gewesene durchzumachen, um die Gegenwart als die Wachwelt zu erfahren, auf die der Traum sich bezieht.“1Walter Benjamin, in: Das Passagen-Werk, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1982, Erste Auflage 1991, Fünfter Band, Erster Teil, Hrsg. Rolf Tiedemann, Einleitung des Herausgebers, Seite 20  In der traumatischen Wiederholung des Alltäglichen steckt Erkenntnisgewinn: die träumerische, vielleicht traumatische Wiederholung der Erlebnisse ist als eine Übung zur biografischen Konstruktion zu verstehen, wartend auf den Nerven-Kick. Im Augenblick des Erwachens kommt die Hoheit der Gegenwart als Rechtfertigung gegenüber durchlebter Vergangenheit zum Vorschein.2vgl. Walter Benjamin, in: Das Passagen-Werk, ebenda, Seite 608 Die möglichen Kontexte, die willkürlich aufgeworfenen Sequenzen des Traums werden als Botschaft, Hypertext in eine beiläufig interessante Alltagspsychologie eingebaut. Verstörende Träume kommen nicht ohne die Reflexion auf die Praxis ihrer Veröffentlichung aus: Ich versuche, mir alle Vorgänge (in Bildern) nachzuerzählen. Die Praxis des Traumes besteht gerade darin, sein Veröffentlichtwerden, im Sich-selber-Nacherzählen zu reflektieren. Befreit vom Begriffsstaub der zwar wach, aber bewusstlos, schlafend erlebten Wirklichkeit, können die (montierten) Dinge, Begriffe, Ereignisse der Traumdeutung, bzw. einer neuen – die Trauminhalte assoziierenden – gestalterischen Ordnung unterzogen werden. Die aus dem Traum geborgenen Dinge, Geschichten sind von ihrem gewöhnlichen Gebrauch befreit und oder neuen Geschichten ausgeliefert. Alles Mögliche ist im Traum möglich. Die (psychoanalytisch) geschulte Neugier, hinter dem geträumten Material etwas wie die Wirklichkeit Entlarvendes zu vermuten – was der Alltag nicht leicht verrät, legt das Erträumte frei –, birgt das verträumte, so montierte Material vor seinem Verschwinden und stellt es als geschichtliches, biografisches Material par excellence auf. Verkrustung und Vergessen aufbrechend. Die Dinge, Produkte als vergegenständlichte Geschichte, die gemacht wurde, welche die Menschen aber nicht mehr kennen, weil sie sie vergessen haben,3„Dem bewusstlosen Tun des träumenden Individuums ist die Geschichte unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen jedenfalls darin vergleichbar, dass sie zwar von Menschen gemacht, aber ohne Bewusstsein und Plan [scheinbar], gleichwie im Traum, gemacht wird.“ Rolf Tiedemann in Walter Benjamin, in: Das Passagen-Werk, Einleitung des Herausgebers, ebenda, Seite 17, Einfügung von mir sind im doppelten Sinne traumatisch zu qualifizieren.4In der zur Absolutheit gesteigerten Entfremdung der menschlichen Welt gegen sich selbst (auftretend als Vergegenständlichung, Verdinglichung, Instrumentalisierung usw.). lauert eine pathologische Umkehr des Erwachens: das „plötzlich“ eines Tages alles fremd erscheint. Aufwachend in einen bösen Traum hinein: Die Wirklichkeit. Hier bleibt die Dialektik des Träumens dem Erwachenden verschlossen. Die lebendig eingeholte entwirklichende Wirklichkeit im Traum, wird durch die Zuversicht im Traum selber, das es Traum ist, was darin als Träumender beobachtet werden kann, wieder in den eigenen Diskurs geholt, gegenwärtig gemacht.5„Die wahre Methode, die Dinge sich gegenwärtig zu machen, ist, sie in unser[m] Raum (nicht uns in ihrem) vorzustellen… Die Dinge, so vorgestellt, dulden keine vermittelnde Konstruktion aus >>großen Zusammenhängen<<.“ Es gelte beim Angesichtigwerden (großer vergangener) Dinge, sie in unserem Raum zu empfangen. „Nicht wir versetzen uns in sie, sie treten in unser Leben.“ Benjamin, DPW, Fünftes Buch, Erster Band, Seite 273 Der Traum ist eine erlebte Einheit aus Existenz und deren Beobachtung. Der Traum macht möglich, was im Wachen sonst als psychotisch gilt: Existent sein (etwas tun) und zugleich es als Beobachter 2. Ordnung zu beschreiben. Es gilt die Träume durchs Erwachen in die Wirklichkeit zu holen, durchs Erwachen sind sie zu verwirklichen = zu konstatieren. In der Wahrnehmungsnach­bildung des Traumes – ich erzähle mir am Morgen, nach dem Erwachen, was ich geträumt habe – wird wiederholt, was der Durcharbeitung harrt: Also der Versuch, das im Traum Erlebte in die selbstische Konstruktion eigener Wirklichkeit einzubauen. Der Traum als Einlösung der angelegten, aber nicht zum Zuge gekommenen Ideen-Wirklichkeit, als Sehnsuchtsort – ICH kann a posteriori entscheiden, wohin mich der Traum führt.
Utopie hängt wesentlich damit zusammen, die Gegenwart träumerisch, träumend gegen den Strich zu bürsten und „träumend auf das Erwachen hinzudrängen.“6vgl. Benjamin, DPW, Seite 59 Die Werft der eigenen Biografie ist der Traum: er gestattet im Schock des Erwachens, glimpflich aus dem Vergangenen heraus zu kommen. Dort, wo die träumende Erinnerung einkehrt und Erzählweisen über das Geträumte anbietet, findet die Vorstellung, die Imagination über sich selbst ihren süßlichen Hafen. Die Sehnsucht nach der zum Guten geschliffenen Vergangenheit, fordert gewisser­maßen ihre Wiederherstellung. Die in Träumen gekennzeichnete Haltung zu Personen, Orten, Geschichten etc. beschreibt weniger ein Status, ein zu erreichendes Ziel, sondern die Differenz zu ihm.

 

 

 

# 33 / Collage und Zitat – Geschichte und Kunst

15.08.2021

Der Sinnes-Schock, das Seherlebnis, die Irritation als eine Funktionsreserve in der künstlerischen Arbeit begreifen, um einen Bewegungsspielraum für neue, ungeprobte (technische, formale) Annäherungen zu testen.
Ein künstlerischer Stil, ein handling, ein Brand, eine Handschrift von Künstler, Künstlerin XYZ scheint dagegen eine Art ästhetische Renitenz zu sein, die die Erfahrungsphönomene (die soziale Umgebung) in gewohnter ästhetischer Manier abarbeitet. XYZ antwortet auf neue Umgebungen mit einem eingeübten ästhetischen Formengebrauch und reagiert nicht oder reagiert mit gewohnten Form-Monövern, verweigert eine „ästhetische Anpassung“. Denn was bedeutet eine artifizielle Aufarbeitung von Un-Erfahrung mit gewohnten technischen Konzepten anderes als stilistische Erstarrung, wenn sie lediglich mit gewohnten, eingeübten malerischen, konzeptuellen Mitteln auf die Totalität schockhafter Veränderungen reagiert? Die Abwehr manifestiert sich ästhetisch im alten, angewöhnten Formgebrauch: könnte man sagen. Oder steckt genau darin der Versuch, das Neue, das unbekannte Phänomen auf ein formales Gebaren, auf einen ästhetisch abbildbaren Konsens (Handlungsraum) wieder zurückzuführen und damit in Bewegung zu halten? Es bleibt erstmal nur der Versuch, das Unbekannte, das Neue, die ungewohnte (sinnliche) Erfahrung in alten, vertrauten Vokabeln neu zu vermessen.
Durch die Montage „unzweck­mäßiger“ Gegenstände wie in der Collage, dem ready-made oder anderer formaler Narrative kann ein neuer Kontext etabliert werden, ein Erkenntnis-Schrecken – ein unerhörter Moment – hervorgerufen werden, der ästhetische Interessen provoziert und anspricht. Das Herausreißen von Formen aus ihrem angewohnten Gebrauch – wir denken an das Urinal, das Duchamp 1917 ausgestellt hat – ist stets ein Herausreißen aus ihrem historischen Umfeld. Das Zitieren einer Form, eines Gegenstandes, eines Bildes markiert den Bruch, eine Trennung von seinem geschichtlichen Zusammenhang. Kunst machen heißt also auch Kunst zietieren.1vgl. Benjamin, Das Passagen-Werk, Gesammelte Schriften, Band V-1, Hrgb. Rolf Tiedemann, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main, 1991,suhrkamp taschenbuuch wissenschaft 935, Seite 595, N 11, 3 Die provozierte schockhafte Montage von Formen, Gegenständen, von historisch bzw. sozial verbürgten Zitaten, erfordert wie ermöglicht geradezu das Herausreißen aus ihren gewohnten Kontexten.

2Walter Benjamin, Das Passagen-Werk, Gesammelte Schriften, Band V-1, suhrkamp taschenbuuch wissenschaft 935, Seite 595

 

Die aus alten Gebräuchen neu herausgeschnittenen, inszenierten Formen gewinnen eine ästhetische Sprengkraft aufgrund ihrer Losgelöstheit von ihrem bis dato gültigen Kontext. Künstlerische Montage-Technik als formale Korrumpierung von Geschichte brüskiert die Beobachter, reißt sie aus ihrem historisch-erfahrungsmäßigen Kontext. Die entfesselten Montage-Akte können durch ihre nackten, noch interpretationsfreien Tatsachen aus sich selber treten, wenn es methodisch vermocht wird, “die Bedeutung einzig durch schockhafte Montage des Materials hervortreten zu lassen.“3T. W. Adorno, in: Über Walter Benjamin, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main, Erscheinungsjahr: unbekannt, Hrsg. Rolf Tiedemann, Seite 26 Aus den schroffen qualitativen Differenzen der Materialien (Formen) zueinander und den provozierten Analogien quillt genug Stoff zur Konfrontation mit den besetzten Gebieten, Begriffen usw.4„Ja in der Analyse des kleinen Einzelmoments den Kristall des Totalgeschehens zu entdecken.“ Walter Benjamin, in: Das Passagen Werk (= DPW), stw 935, Seite 13 Dass die kognitiv strukturierte Erfahrung „demnach auf der Gabe beruht, Ähnlichkeiten zu produzieren und wahrzunehmen“5Rolf Tiedemann in der Einleitung: Walter Benjamin, Das Passagen Werk, Band V – 1, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main, 1991, stw 935, Seite 18– was wiederum zu weiteren Ereignisbeschreibungen inspiriert – steht einer planbaren Wirkung von artifiziellen Provokationen entgegen. Gelingt es nicht, die Gewohnheit im Erfahrungmachen zu überwinden, so läuft das Bestreben nach Gewissheit auf ein Gewohnheitsargument hinaus. Die Kreativität besteht darin, Ebenenübegreifend permanente Analogien zu bekannten, gewohnten Abbildern, Vorbildern zu finden. Die Rückführung der unmittelbaren Phänomene auf vermeintliche, vorausgesetzte Kontexte zu bekannten künstlerischen Positionen, also inszenierte, sozial kontextualisierte Ähnlichkeiten, steht der voraussetzungslosen Neugier des Rezipienten, Beobachters entgegen. Diese absichernde Routine der Verweise (Kontexte) auf Bekanntes verschafft Ruhe vor der noch ungewohnten sinnlichen Provokation und könnte als Verteidigung von Beschreibungsnarrativen beschrieben werden, als eine (Angsthafte) absichernde Ruhe vor sinnlichen Extravaganzen. Stets wieder bei sich, dem Bekannten, dem common sense, den schon vorhergebrachten Erfahrungen, abgesicherten Kontexten anzukommen, scheint ein Elixier zeitgenössischer wie prekärer Kunstredeschreiber zu sein. Alles und jede Neuigkeit wird analogisches Material, das auf die Anpassung an schon Gewußtes, Gesehenes geprüft wird. Diese Hyperkontextualiesierung erzeugt einen nivellierenden Erfahrungsraum: In einer Art Horoskop werden nach allen Seiten Deutungen empfohlen, um in allem sich als Beobachter seiner zugemuteten Anpassung mit bekannten, vertrauten Mustern zu versichern und (wieder) zu erkennen. Die Motivation dieser Beschreibungskultur rekuriert auf der Produktion von konstruierten Analogien, Ähnlichkeiten, d. h. sie überhaupt zu finden, zu assoziieren oder zu postulieren: Thomas Scheibitz und Picasso oder: Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson. Und von hier aus muß man nochmal springen: diese gefunden sinnliichen Wirklichkeiten aufeinander los zu lassen.

 

 

# 32 / permanent change – vor dem Lernen kommt die Angst

Dass durch vielfältige berufliche, örtliche, soziale Veränderungen gepresste Ich, dass sich auf jegliche Veränderung seiner Lage sich andauernd bereit hält, um flexibel seine empfangenen Treffer zu umschlingen, ist genötigt, die Löcher mit sich selbst zu stopfen und schreit sich zur steten Reformulierung, Erneuerung, Anpassung. Wenn das Pflaster zu klein oder kein Arzt der hilft, dann findet es irgendwann keine Beruhigung mehr, das ihm Gewohnte, das ihm Auf-gewöhnte, anerzogen Bekannte wieder im Neuen zu erkennen, weil ihm die Fäden zwischen seinem Erfahrungsraum und dessen Anwendbarkeit durch das auf ihn einstürzende Neuhinzukommende zerschnitten sind. Dann gräbt die Furcht vorm Verlassensein, vor dem aus der eigenen Geschichtskontinuität Heraus-geschleudert-werden Gräben zwischen dem gewussten – durch Erfahrung stabilisierten – Gestern und unbekannten Heute. Und darin wächst nichts, geht nichts hinein, unfruchtbar. Furchtbar. Ein Paradies für Datenbanken, denn sie können alles von Gestern, von mir wissen, aufzeichnen.
Die Wahrnehmung des Neuen durch den Schock der Veränderung, einen rekursiven Zweifel, vermag die Kontinuität des Gegenwärtig-seins als das Gewohnte „In-der-Welt-Sein“ aufbrechen1Vgl. Albert Zacher, in : Zur Tiefenpsychologie und Psychotherapie der Angstkrankheit, in: Das Phänomen Angst, stw 1148, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, Seite 209, oder weicht einem „Vorbereitetsein“ (einer Erfahrungsresistenz) gegen das Neue, oder was an Schrecken noch lauert. Apathische Coolness: „ich habe keine Ahnung“, wird dann oft gesagt. Die distanzierte Beobachtung reicht nicht aus, das Neue, das erschreckend auftritt, in die Kontinuität der eigenen Erfahrung einzuordnen, zu integrieren. Das neu zu Erlernende als Anpassungsforderung markiert den Riss zwischen der biografisch eingebetteten Erfahrungskontinuität – was bisher als Gewusstes für das Leben ausreichte – und stetig wechselnder wie zustürmender Anpassungsforderung. In diesem Zustand stellt jede Veränderung unmittelbarer sozialer Umgebung die Person in Frage. Um sich der eigenen Erfahrung zu vergewissern, sie als identitäre Konstruktion zu behaupten, zu retten, wird mögliche, neue Erfahrung abgelehnt, aktiv abgewehrt. Diese Lern- bzw. Erfahrungsresistens ermöglicht eine Fixierung, einen Widerstand auf die gefürchteten, deshalb drohenden Veränderungen als hemmendes Areal: Das Neue ist der Feind, der die Person von ihrer Vergangenheit, von ihrem investierten Einsatz in die ehemalige Gegenwart trennen will. Die mögliche Zukunft ist eine Hemmung und wird nicht in neue Erfahrung transformiert, aufgelöst, stattdessen in Abwehr ausagiert. Diese Abwehr (Renitenz) gilt dem Ungewohnten, weil es die bisherige Erfahrung in Frage stellt. Es ist das Nicht-Eingeständnis, das Nicht-zu-geben-können, dass die bisherige Erfahrung nicht als Reaktionsraum für das Neue, Ungewisse ausreicht. Alle gemachte Erfahrung, gelebte Biografie scheint zu nichte. Man reicht nicht aus und mag es nicht zugeben. Die langsame, mühsame und deshalb gewohnte, die sonst übliche Bewegung… ist durch den Erfahrungsschock eine behindernde Bewegung geworden und sie wird in dessen Abwehr gänzlich still gelegt, eingefroren.

 

CHOR
FATZER KOMM

I
Verlaß deinen Posten.
Die Siege sind erfochten. Die Niederlagen sind
Erfochten:
Verlaß jetzt deinen Posten.

Tauche wieder unter in der Tiefe, Sieger.
Der Jubel dringt dorthin, wo das Gefecht war.
Sei nicht mehr dort.
Erwarte das Geschrei der Niederlage dort, wo es am
lautesten ist:

In der Tiefe.
Verlaß den alten Posten.

Ziehe deine Stimme ein, Redner.
Dein Name wird ausgewischt auf den Tafeln. Deine
Befehle
Werden nicht ausgeführt. Erlaube,
Daß neue Namen auf der Tafel erscheinen und
Neue Behehle befolgt werden.

(Du, der nicht mehr befiehlt
Fordere nicht zum Ungehorsam auf!)
Verlaß den alten Posten.

Du hast nicht ausgereicht
Du bist nicht fertig
Jetzt hast du die Erfahrung und reichst aus
Jetzt kannst du beginnen:
Verlaß den Posten.

Du, der die Ämter beherrscht hat
Heize deinen Ofen.
Du, der nicht Zeit hatte zu essen
Koch dir Suppe.
Du, über den vieles geschrieben ist
Studiere das ABC.
Beginne sofort damit:
Beziehe den neuen Posten.

Der Geschlagene entrinnt nicht
Der Weisheit.
Halte dich fest und sinke! Fürchte dich! Sinke doch!
Auf dem Grunde
Erwartet dich die Lehre.2Bertolt Brecht, Der Untergang des Egoisten Fatzer – Bühnenfassung von Heiner Müller, edition Suhrkamp 1830, Neue Folge Band 830, Erste Auflage 1994, © Stefan S. Brecht 1967, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, Seite 116 f

 

 

# 31 / Löcher und Maschen der Erkenntnis

Die weißen Flecken, die unbesetzten Landschaften, das Unbekannte, das noch nicht Erklärliche ist der Ausgangspunkt wie Brücke oder Sprungbrett zugleich, das so noch Nicht-Gesehene, Ungewusste in sprachlich bekannte Bezüge, Kontexte einzuordnen; also in eine eigene Beschreibungswelt zu transformieren, d. h., zu integrieren. Man gibt nicht einfach seinen Sprachraum auf. Die theoretischen Annahmen – erste sprachliche Proben, Spaziergänge ins Dunkle – versuchen, mit alten wortgewandten Maschen das Neue mit gewohnter Weltkenntnis, Erfahrungswelt zu beschreiben. Sie geben daher stets Auskunft darüber, wie sie neue Fragen, ungelöste Probleme (Phänomene) in gewohnte Modelle pressen, erfassen oder einfangen. Sie konstruieren ein Netz um das Problem herum, vernachlässigen mit groben Maschen, dann feiner werdend andere Gründe, Möglichkeiten bis eine Lösung, eine Antwort sich darin verfängt. Diese groben Maschen, Löcher sind anfänglich notwendig, damit Theorien, Annahmen – mit und gegen die etablierte Erfahrung – (im gewöhnten Erfahrungsraum) geltend gemacht werden können. Auch großzügige Raster schränken die Möglichekten von Aussageräumen hinreichend ein, damit die Annahmen innerhalb oder zwischen den Löchern, einen Handlungsraum ermöglichen und ihn damit als vorläufig existent konstituieren. Die Unwägbarkeit des neuen Geländes ist eine Art Prüfung alter Erfahrung: aber sie sind die Bedingung für die Brücke, die über dem unbekannten Sumpf konstruiert wird. Der theoretische Sinn wird „als Behelf zur Überbrückung eines Mangels an formaler Kapazität“1Vgl. Oswald Wiener, in : Schriften zur Erkenntnistheorie, Springer Wien New York, 1996, Rolf Herken im Vorwort, Seite VIII konstruiert.

 

 

 

# 30 / mehr Licht

Das viele Licht in meinem Auge, kommt ohne eine Tür nicht aus ihm heraus. Discus nervi optici: Der Ausgang ist der blinde Fleck hinten in der Netzhaut. Dort werden die lichten Ereignisse als nervale Informationen gesammelt, weitergeleitet. Die Weiterleitung von Licht-Reiz-Informationen braucht eine Öffnung des Netzes, bedingt einen Eingang in das Netz. Die Öffnung, die Sammellinse ist das Loch, das Kabel ist der Verlust genau an der Stelle, wo die Licht-Ereignisse ankommen. Sie müssen verschwinden, abfließen, um Platz für neue Lichter zu machen. Die Erregungen (Informationen) sind nicht losgelöst von ihrem Netz, dass sie fängt. Es existiert kein Reiz ohne Reaktion, ohne Differenzial zu seinem Null-Punkt bzw. erregungslosen Ausgangspunkt – bevor die Reiz-Information zustande kam. Je nach Beobachtungspunkt oder je nach Selektionskriterium werden die Reiz- Informationen als Differenz modifiziert. Diese Vertrübung, Beschränkung auf Differenzierbares zugunsten manifester Wahrnehmung ist jeder Selektion immanent.


©Hans Georg Köhler

Man weiß, dass man nicht alles sehen kann.
In der Unschärfe suchen wir noch den Vergleich mit bekannten – schon gesehenen – Gestalten, so flüssig, und formlos sie sein mögen. Eine Überprüfung des Sichtfeldes macht für den Blinden keinen Sinn. Man kann das Nicht-Wissen wissen, aber nicht orten. Das Wissen um die Leerstelle hilft nicht, sie zu füllen, jedoch sie zu bezeichnen. Man kann also die Lücke, die Leere verkleinern in unendlichen Annäherungen. Unsere Wissens-Kontexte bilden sich um sie herum. Die Produktion von Kontexten als Rettung vor dem Unbekannten setzt ein. Das Bezeichnen fängt niemals das Bezeichnete ein. Oder: das Projektil als Wahrnehmungssinn wird Projekt der Wahrnehmung – man zieht, was man sieht in Zweifel. Jetzt ist nichts mehr sicher. Die unerwarteten Treffer werden als Ziele ästhetisiert, oder das Unerwartete ist im Ziel, das Treffer wurde, maskiert.

Könnte der mit Blindheit geschlagene sich vor ihr schützen? Vor dem Sinnzusammenhang nur deshalb, weil alles zusammenhängt? Vor so vielen eiternden Angeboten und verkauften Eitereintrittskarten? Kann er leben malen lieben ohne die Lieder aufs eigne Ausrutschen? Könnte dieser Mensch sich davor schützen, dass er schwach ist, weil er menschlich ist? Könnte der Mensch im Stillen schreien, versteckend seine Einzelheit? ER WILL NICHTS LERNEN ABER AUCH NICHT SCHIEßEN.

 

 

 

# 29 / Psychogramm I / Nörgeln leicht gemacht

Paranoia – Irrweg und Erkenntnis

Das Schicksal ist eine Täuschung, das mit steten Veränderungen wartet und Neues ins Leben schmeißt. Es nährt den Zweifel. Kontrolle ist besser.
Ja!
Nichts soll bleiben und
Nichts zu Ende gehen.
Dem Nebenbuhler konnte man noch heroisch in die Fresse springen, doch was im Leben unentwirrbar mit jedem neuen Tag lauert, bildet einen Schatten über alles, an allen Bedürfnissen klebt er, ist Fingerabdruck in jedem menschlichen Verhältnis – hinter den Plakaten unerkannt, die Verbrechen unter Deckung, warten die Masken des Irrtums, der Zweifel auf seine Saat. Alles könnte anders sein.
Ich lutsche an der Ananas. Ich kann das Glück nicht fassen, warum wird es mir zuteil?

Das Misstrauen gegen die Anderen, die ständige Sorge der stete Zweifel am Handeln Anderer – was beabsichtigen sie? -, als die Angst vor Verfolgung, Kontrolle, Durchleuchtung durch die anderen Verrückten, als Prozess, der in den Anderen böse Absichten kreiert: Paranoia. Ihr explosiver Kraftstoff: Verschwörungstheorie. Man kann paranoides Verhalten als Ermächtigung, als übergriffige, kontrollierende, zwanghafte Erkenntnis-Struktur begreifen, die sich gegenüber anderen Erkenntnisweisen erhebt, die sich ihnen voraus sich wähnt: als Imagination der Verfügung über die Sichtweisen, die andere Beobachter auf den eigenen Beobachtungsstandpunkt ausüben. Der Paranoiker glaubt zu wissen, was der andere über ihn zu wissen glaubt und welche Handlungsintentionen sich daraus ergeben. Er bemächtigt sich der Pläne, den unterstellten Intentionen, die die anderen schmieden – er weiß es vor ihnen, er will es kontrollieren. Das ermöglicht, die eigenen para-projektiven Konstruktionen als Konstruktion der Anderen gegen sie selbst zu setzen. Das ist die Watzlawick-Story mit dem Hammer.1Paul Watzlawick, in: Anleitung zum Unglücklichsein
Der Verfolgte folgt den imaginierten Verfolgern, will ihnen zuvorkommen – damit nicht nochmal passiert, was dunkel im Körper wütet, aber vorbei ist, was als Verlust noch gährt. Die Zukunft muss kontrolliert werden, so dass sie in die Gegenwart eingesperrt werden kann. Es soll nicht wieder vorkommen.
Der Verfolger oder die (vermeintlichen) Absichten der Anderen sind ideale Verkörperungen eigener – verschwörerischer – Kritik zu einem Menschen-Objekt, an dem eine potentielle Täterschaft abgeleitet werden kann. Diese Projektionsflächen bzw. Inszenierungen von Verfolger-Objekten (es kann ein Himmelsstreif oder eine gelbe Möhre sein) dienen mit jeder Fluchtbewegung, die sich im Misstrauen ausdrückt, der Stabilisierung der Position des Zweifelns, um das Trauma, den Auslöser der Flucht nach vorn, den Schmerz durch die Nicht-Anerkenntnis zu vernichten. Denn was anderes ist denn der Zweifel am Verhalten der anderen als die Abwehr, Infragestellung der anderen? Verschwörungen sind abhängig von solchen Ziel-Objekten. Jede Person, jeder Gegenstand kommt in Frage und wird mit Misstrauen markiert. Die Tat, das Trauma, das mögliche Opfer-Sein soll getilgt werden, indem die Täterrolle auf alles andere, auf andere Personen übertragen wird. Auf alles andere deshalb, weil das ursprünglich konkrete Trauma erfolgreich isoliert, versteckt wurde und der Kontext verschwommen ist – man tappt im Dunkeln, vor jedem ist die Furcht. Daher oft eine Generalisierung von „symbolischen Tätern“, der allgemeine gemeine Verdacht gegen alles neu herein Flutende, sich Ändernde. – So, als könne man mit Misstrauen die Möglichkeit des Betrugs im Zaume halten. Man möchte niemals mehr betrogen sein.
Der paranoide Terminator kehrt schließlich an den Tatort zurück, vor allen anderen, vor den Tätern, um seine Zukunft zu retten, indem er in die Vergangenheit zurückkehrt. Solang dieses Feuer nicht gelöscht ist, ist der Ort, „wo alles begann“ nicht gefunden. Es ist argumentativ leichter, sich als Opfer zu definieren und sich hinter bezichtigter Täterschaft zu verstecken.
In der Hoffnung, den Armen, den Zungen der Vergangenheit zu entkommen. Auf der Flucht vor der furchterregenden Welt lerne ich zu überleben, lerne ich die Furcht besiegen, indem ich selbst das Fürchten lehre.
Man will diesem paranoiden – durch Vor-Stellungen konstruierten – Welt-Haushalt unbedingt zuvorkommen, um eine selbstische Aktivität sich selbst gewähren zu können – um aus dem Verfolgt-Sein rauszukommen. Paranoia (Misstrauen) scheint ein Zustand zu sein, der die (spekulative) eigenmächtige Konstruktion von Weltzusammenhängen braucht, um diese als selbst-inszenierte Weltmodelle (als gültige Realität) gegen andere Weltmodelle zu setzen und sie zu untergraben, zu hintergehen, zu überlisten. Wenn etwas den konstruierten – angstbesetzten – Erwartungen/ Vorstellungen nicht entspricht, beweist das umso mehr, das für sich selbst entwickelte Misstrauen, den Zweifel, die Angst und berechtigt die eigene paranoide Vor-Sehung. Das Leben wird zum Fantasia-Tatort: Als Versuch, das zwanghaft wiederholende Muster zu beherrschen, endlich den Schleier abzureißen. Die unter paranoides Misstrauen gestellten Anderen, können das ihnen anheimgestellte böse Verhalten nicht umgehen: Sie erfüllen es oder indem sie es nicht erfüllen, bestätigen sie, dass sie Misstrauen verdienen. Die Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz ist aufgehoben, weil die Fremdreferenz durch das Misstrauen gegen die fremde Welt blockiert wird. Niemand kann sagen, wo es lang geht, denn die paranoide Selbstermächtigung tilgt die Zweifel der anderen, um den eigenen zu wahren. Die stetig konstruierte Evidenz der Möglichkeiten erfordert eine permanente – misstrauische – Reaktionsbereitschaft gegen sie. Als könnte man den (vorgestellt) zukünftigen Ereignissen „einen-Schritt-voraus“ sein. Das Paradox besteht darin, dass eine spekulierte, vorhergesehene Zukunft das gegenwärtige Handeln (in Hinsicht auf diese Zukunft) bestimmt, aber dieses Handeln hebt sich dadurch vom tatsächlich vorhandenen sozialen Lebens-Grund ab, d.h. vom Möglichkeitssinn des gegenwärtigen So-Seins. In der Absicht, der Zukunft im Hier und Jetzt schon habhaft zu sein, ist man der Gegenwart ganz enthoben. Die Welt ist nicht, was der Fall ist,2Ludwig Wittgenstein sagt: „Die Welt ist alles, was der Fall ist.“, Tractatus logico-philosphicus sondern wird aus dem konstruiert, was der Fall sein könnte. Sie entsteht kommunikativ nicht aus dem, was gerade passiert, sondern aus dem, was passieren könnte. Angst essen Hirn. Paranoia dunkelt nicht die Erkenntnis, sie ist ihr Schatten. Sie ist eine Form der Beobachtung der Beobachtung, in der das Beobachtet-Werden in eine Endlosschleife der Selbst-Beobachtung implodiert. Die Bedingung der Möglichkeit verstrickt sich in den Möglichkeiten ihrer Bedingungen. Gut böse gut böse gut böse, ganz einfach.

 

 

# 28 / Transzendentale Apperzeption

Eine ehemals sinnliche Erfahrung von einem Phänomen X wird, wenn ähnliche, assoziierende Wahrnehmungsreize sich wiederholen, aus der von dem Phänomen (Wahrnehmungsreiz) erzeugten nervalen wie körperlichen Struktur wiedererkannt (in dem Sinn: die Nerven erkennen nicht, aber sie reproduzieren bei strukturell sich wiederholenden Reizschemen reproduzierbare Assoziationen). Der bekannte (trainierte) Wahrnehmungsreiz löst die Reproduktion, die Erinnerung an ihn aus. Die Assoziation war, ist angelegt.

Ich hatte einen Traum: Ich befand mich auf einem Flughafengelände. Kurz vor der Abfertigung, Kontrolle zum Gate, bemerkte ich, dass ich meine Tasche, irgendwas Wichtiges vergessen hatte. Ich rannte also „zurück“ – schon im Traum viel mir als 2. Beobachter auf, dass ich exakt den gleichen Weg zurückgerannt bin oder: am Zurückrennen bemerkte ich, dass das der richtige Hinweg war. Ich mußte durch eine Tür zu einem großen Gebäude, eine Halle. Hastig trat ich ein: Alles Dunkel! Ich begann wild drauf los ins Dunkle zu rennen – und jetzt das Phänomenale: Mit jedem Schritt zeigte sich mir ca. ein bis zwei Meter im schwachen Licht (ähnlich dem in Computer-Spielen) der Weg, auf dem ich ging rannte. Egal wie auch hin und her abbog, eröffnete sich mir der Weg meines Laufens: Ich hatte einen Weg, weil ich ihn beging.

Beschreibt der Begriff der Transzendentalen Apperzeption (bei Kant) nicht gerade den Zeitumgang (d.h., die Zeit zu umgehen, als Erfahrungszeit auszuschließen) in der Erschließung von Erkenntnisgegenständen? Eine klare Vor-Stellung aus der sinnlichen Wahrnehmung zu bilden (Wikipedia), scheint als Vorgriff auf die (kommende) Zeit, Erkenntnis ohne sinnliche Wahrnehmung, d. h, Ratifizierung von Umwelt ohne Wahrnehmungserfahrung möglich. Ich muß nicht alles sinnlich erfahren haben, um Entscheidungen zu treffen – so wie in meinem Traum. Erkenntnisgewinn (aus Vor-Annahmen gebildet) wäre somit Zeitgewinn, d. h. man umgeht die Verlangsamung einer sinnlich noch zu erfahrenden Welt durch die Konstruktion von Gewissheit, von Urteilen – man überspringt sozusagen noch einzuholende Wahrnehmungserfahrung, weil die bisher schon gemachte sinnliche Erfahrung als nervale Verschaltung die angenommen nächste konstruieren hilft. So umgeht man dem Stein, dem Brett vorm Kopf, dem täglichen Stolpern ohne jedesmal die Erfahrung des Schmerzes zu machen. Die Wahrnehmungs-Erfahrung als eine sinnlich konstituierende Orientierung reicht als Bedingung der Existenz, der Erfahrung nicht aus oder ist nicht nötig – mit einer Vor-Annahme können wir schon nächste Schritte tun: Wir können aus gemachten Erfahrungen mehr oder weniger schließen, was uns erwartet. Mit den durch die spekulative Erfahrungserwartung, „Vernünftigkeit“ (à priori) erzeugten, also durch die Vor-Erwartung angenommenen wie dadurch gemachten Erfahrungen, überwinden wir den durch die sinnliche Erfahrung erzwungen Zeit- bzw. Erkenntnisstau. Diese Konfrontation zwischen jenen Nerven, worin Lichtgestalten (die sinnlichen Phänomene) abgelegt oder aufgefunden worden sind, mit ihren begrifflich mächtig operierenden Nachbarn, die die Wiederholung der Erfahrung durch operative Abstraktion (in Beschreibungen) verkürzen, hilft die sinnlich zugängliche Zeit zu überbrücken. Die Bedingungen der Möglichkeit1„Die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung, und haben darum objektive Gültigkeit in einem synthetischen Urteile a priori.“ Kant, Kritik der reinen Vernunft, Felix Meiner Verlag Hamburg 1990, nach der ersten und zweiten Original-Ausgabe hrsg. von Raymund Schmidt, B197, Seite 212, Uns interessiert hier der Hauptsatz. Vollständig aber ist respektvoll. eine Entscheidung, Codierung aus zu Vernunft geronnenen Erfahrungen zu konstruieren – also in der urteilsmäßigen Codierung nicht auf das sinnliche Erfahrungsmoment (vollständig) angewiesen zu sein, bedeutet, einen Unterschied, eine Form aus der (erwartbaren) Wahrnehmungsmasse zu extrahieren, ohne dass jener Unterschied oder jene Form im leiblichen Kontext der Wahrnehmung steht. Die – nun operativen – Begriffe der Beschreibung sind ihrer nervalen Leiblichkeit ent-sprungen. Um synthetische Urteile zu erlangen, ist es also Bedingung, aus der Schleife von Zeit füllender Wahrnehmung/ Strukturierung herauszukommen. Paradoxal: Synthetischer Urteile (präadaptive Entscheidungen, Annahmen) dienen als Konstruktion erwartbarer Phänomene. Durch die Barrikade der Erwartung (der Apperzeption/ Vorwegnahme) werden die sinnlichen Prämissen der Wahrnehmung als Erfahrungsgegenstand zu einer funktionalen Struktur konstruierbarer Objektbeschreibung verkürzt. Das synthetische Urteil – als apperzeptives Handeln – beschleunigt den Objektgewinn über dessen sinnlichen Gehalt hinaus. Die Verlangsamung des Denkens durch die Barrikade des durch Wahrnehmung erzeugten Objektgewinns wird durch Annahmen über das wohlmögliche, wahrscheinliche Phänomen, Objekt, durch Fantasie-Wahrnehmung, durch Träume überwunden

 

 

# 27 / Wahrnehmung nervt

Was das Auge im Innersten zusammenhält.

Den Vorgang des Wahrnehmens zu beschreiben, heißt, die funktionale Ordnung komplexer, selektiver Prozesse im Hirn zu beschreiben: da wird gefeuert oder nicht gefeuert, ja oder nein. Die Nervenzellen arbeiten schon – man sieht noch nichts, hat noch nichts gesehen, auch nicht den gelben Kombi vor der Tür, aber bevor ich ihn beschreiben kann, war er schon da. Diese Wahrnehmung sichernden nervalen Prozesse zwischen uns und den Dingen vor uns und unserem Körper, zwischen unseren Sinnesorganen und deren gehirnigen Korrespondenz miteinander, bewahren und modellieren die selektive Komplexität der Wahrnehmungssinne: Als Wahrnehmungs-Erleben kann ich es beschreiben – als Wahrnehmen des Wahrnehmens. Ich sehe die rote Blume: „Ich sehe“ – als sprechendes Zitat der Beschreibung des Wahrnehmungs-Erlebens und „die rote Blume“ – als Wahrnehmungsbeschreibung des Wahrnehmungsaktes. Wahrnehmung gestaltet Erfahrung und Erfahrung wirkt auf Wahrnehmung ein. Gelungene Wege wirken sich verstärkend aus, d. h., sie realisieren eine Selektion wahrnehmbarer Phänomene. Dieser Prozess hinterlässt Spuren, bildet Wege und bildet sich als De- wie Codierungsordnung, als ein Geäst im Wahrneh­mungssystem unseres Körpers heraus. Das Licht brennt sein Spektrum: Es leuchtet oder leuchtet nicht, die Nervenzelle feuert oder feuert nicht. Erinnerungen an Wahrnehmungserfahrungen sind gleichsam hinterlassene Reifenspuren wie Fahrberichte in, für uns. Der Fahrer bildet mit dem Auto, dem Asphalt und seinem Blick ein System von Sinnesabhängigkeiten: sehen, riechen, fühlen, hören. Die erzeugten Sinnes-Spuren können nicht einfach verschwinden, denn sie fahren stets mit. Mit jedem Blick, Geräusch benutz ich sie. Jeder Ein-Druck bleibt Spur, jeder Sinnes-Schritt ermöglicht den nächsten. Bevor Selektionskriterien – oder: Sinnes-Sensationen – abstumpfen, können neue etabliert werden, die die Differenzierung weiter antreiben. Die „Gewöhnung“ an wiederholt auftretende Wahrnehmungsereignisse ermöglicht eine weitergehende Differenzierung von Wahrnehmungsmöglichkeiten: die bekannten werden als bekannte durchgelassen und Ressourcen für neue werden ermöglicht. Die Wahrnehmung als Orientierungs- bzw. Beobachtungs-System kann ich nicht verlassen, weil ich mich an meine Welt gewöhnt habe, in ihr bin und meine Wahrnehmungssinne nicht von der Welt zu trennen sind – sie sind aus ihr entstanden. Mein Wahrnehmen kann durch stete Erweiterung (Selektion) der Wahrnehmungsmöglichkeiten /-Kriterien erhalten, stimuliert werden. Dass wir manche Musik im ersten Ton erkennen, bezeugt dies. Der Komplexität oder: der Selektion von Wahrnehmungsakten – stetig feiner sich einander abstufende Sinne – ist bis zum Tod keine Grenze gesetzt. Betriebsblind wird man, wenn die erreichte Wahrnehmungsstruktur nicht weiter differenziert werden kann, ohne den Stimulus der Differenzierung erschlaffen unsere Sinne.